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Das Verfahren gegen FIFA-Boss Gianni Infantino (M.) wurde eingestellt
Das Verfahren gegen FIFA-Boss Gianni Infantino (M.) wurde eingestellt © Getty Images

Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth übt scharfe Kritik an der Einstellung des Verfahrens gegen FIFA-Boss Gianni Infantino. Er sei "traurig" und "erschüttert".

Der Anti-Korruptions-Experte Mark Pieth hat scharfe Kritik an FIFA-Präsident Gianni Infantino und an der Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes geübt.

Die Einstellung des Verfahrens gegen Infantino am Freitag habe ihn "erschüttert" und "traurig" gemacht, sagte der frühere FIFA-Reformbeauftragte der Neuen Zürcher Zeitung am Samstag: "Weil ich gehofft hatte, wir hätten mit der unabhängigen Ethikkommission etwas Gutes getan – nun sehen wir, wie es Stück für Stück demontiert wird."

Pieth: "Nichts verändert"

Pieth komme nicht umhin zu sagen, "dass ein essenzielles Element unserer Reform infrage gestellt worden ist: die Unabhängigkeit der Ethikkommission."

Dies führe ihn zu der Erkenntnis, "dass sich nichts verändert hat. Wir sind genau dort, wo wir einst bei Joseph Blatter waren. Es sind autokratische Mechanismen, die ich beobachte."

Die Ermittler hatten die "Akte Infantino" geschlossen, nachdem sie nach eigenen Angaben keine Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen den Ethik-Code gefunden hatten.

Fragwürdige Flüge

Zu der Verfahrenseröffnung geführt hatten unter anderem fragwürdige Flüge Infantinos sowie dessen Weigerung, einen Vertrag mit der FIFA zu unterschreiben.

Offenbar nicht diskutiert wurde die vorübergehende Statutenänderung im Rahmen des FIFA-Kongresses Anfang Mai, die dem Council die Möglichkeit gibt, bis 2017 unter anderem Mitglieder der Ethikkommission zu ernennen und abzusetzen.

Darüber sei er "sehr überrascht", sagte Pieth. Infantino habe auf diese Weise "den unabhängigen Aufseher Domenico Scala aus dem Amt" gemobbt, "er gab sich und seinen Ratskollegen, also den Kontrollierten, das Recht, die Kontrolleure abzusetzen. Das ist für mich mindestens so problematisch wie der Interessenkonflikt, der dem früheren FIFA-Präsidenten Blatter und dem früheren UEFA-Präsidenten Michel Platini vorgeworfen wurde."

Wiederholt warf Pieth dem neuen FIFA-Präsidenten vor, "ganz ähnlich wie Blatter" zu funktionieren: "Aber er spielt noch ungenierter auf der Klaviatur der Macht. Leute, die ihn kritisieren, werden entlassen. Im Zuge der Reformen versuchten wir, die Leute, auf die es ankommt, unabhängig zu machen – diese Personen hat Infantino beseitigt oder der Unabhängigkeit beraubt."

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