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Franz Beckenbauer gerät in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 unter Druck. Dem "Kaiser" drohen strafrechtliche Konsequenzen. Auch gegen drei andere Namen wird ermittelt.

Franz Beckenbauer drohen in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 strafrechtliche Konsequenzen.

Die Bundesanwaltschaft der Schweiz hat ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung eingeleitet.

Die Behörde gab bekannt, dass sich das Strafverfahren ebenfalls gegen die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie den ehemaligen Generalsekretär Horst R. Schmidt richtet.

Razzia bei Beckenbauer

In diesem Zusammenhang haben am Donnerstag acht Hausdurchsuchungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattgefunden, wie die Bundesanwaltschaft bekanntgab. Wie die Bild berichtet, wurde auch auch auf dem Salzburger Anwesen von Beckenbauer eine zweistündige Razzia durchgeführt. 

"Franz Beckenbauer hat die Ermittlungen der Schweizer Bundesanwaltschaft unterstützt, seit er davon Kenntnis hatte, und an der heutigen Durchsuchung konstruktiv mitgewirkt. Er kooperiert auch weiterhin mit allen beteiligten Behörden", ließ der damalige OK-Chef über seine Anwälte ausrichten.

Zwanziger teilte mit: "Ich sehe das sehr gelassen. Das hat keine Substanz. Ich verweise darauf, dass aus Erkenntnissen im Freshfields-Bericht eindeutig hervorgeht, dass ich mit den damaligen Vorgängen von 2002 nichts zu tun hatte."

Schmidt ließ verlauten: "Wir wissen von nichts, mir ist nichts bekannt."

Wie der Schweizer Tagesanzeiger berichtet, fand eine Zusätzliche Hausdurchsuchung beim damaligen Vizepräsidenten des WM-Organisationskomitees, Fedor Radmann, statt. Radmann ist einer der engsten Vertrauten Beckenbauers.

Ermittlungen gegen WM-Komitee

Die Bundesanwaltschaft (BA) untersucht seit Mitte Dezember des vergangenen Jahres den Fall aufgrund eines Rechtshilfeersuchens aus Deutschland, wo die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits gegen Zwanziger, Niersbach und Schmidt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung rund um die Vergabe des WM-Turniers ermittelt.

Die BA ist zuständig, weil die damaligen finanziellen Transaktionen weitgehend über Schweizer Konten durchgeführt wurden.

Verdacht der Steuerhinterziehung

Konkret geht es um 6,7 Millionen Euro, die 2005 vom deutschen WM-Organisationskomitee über die FIFA mutmaßlich an den früheren adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden sind.

Exakt diese Summe war drei Jahre zuvor offenkundig in Form von Vorleistungen von Beckenbauer und Louis-Dreyfus an den früheren FIFA-Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam nach Katar geflossen. Für die Überweisung an die FIFA täuschten die WM-Macher 2005 vorsätzlich einen Anlass (WM-Kulturprogramm) vor. 

Laut BA stehen die Beschuldigten unter Verdacht, "Mitglieder (...) des Präsidialausschusses des Organisationskomitees der Fussball-Weltmeisterschaft 2006 durch Vorspiegelung und Unterdrückung von Tatsachen arglistig irregeführt" zu haben, "um sie zu einem Verhalten zu bestimmen, welches den DFB am Vermögen schädigte".

Beckenbauer droht harte Strafe

Bislang ermittelte nur die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen Steuerhinterziehung gegen die damals Verantwortlichen beim DFB. Im Zuge der Affäre nahm auch Niersbach seinen Hut als Präsident.

Beckenbauer, der 2006 Chef des Organisationskomitees war, könnte größeres Ungemach drohen: Die "ungetreue Geschäftsbesorgung", wie es in der Schweiz heißt, kann nach dem Recht des Landes mit einer Geld- oder auch Gefängnisstrafe geahndet werden.

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