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New Zealand v United States
Jürgen Klinsmann ist nicht mehr Trainer der US-Boys © Getty Images

Die Ergebniskrise wird Jürgen Klinsmann zum Verhängnis. Der Nationaltrainer der USA muss nach den schweren Rückschlägen in der WM-Quali seinen Hut nehmen.

Kein WM-Sommermärchen mit der Wahlheimat: Jürgen Klinsmann ist nicht länger Chefcoach der amerikanischen Nationalmannschaft.

Der US-Verband entzog dem 52-Jährigen nach zuletzt enttäuschenden Leistungen am Montag das Vertrauen und wagt rund eineinhalb Jahre vor der WM-Endrunde 2018 in Russland einen Neuanfang ohne den früheren Bundestrainer.

"Wir haben eine schwierige Entscheidung getroffen. Wir möchten Jürgen für seine Arbeit und Hingabe in den vergangenen fünf Jahren danken", sagte Verbandsboss Sunil Gulati. "Dank seines Einsatzes sind wir als Organisation gewachsen und es ist zu erwarten, dass wir in den kommenden Jahren von seiner Arbeit profitieren werden."

Die Form und Entwicklung der Mannschaft habe aber zu der Überzeugung geführt, einen neuen Weg einschlagen zu müssen. Details hierzu will Gulati am Dienstag in einer Telefonkonferenz erläutern. Als heißester Anwärter auf Klinsmanns Nachfolge gilt sein Vorvorgänger Bruce Arena.

Klatsche gegen Costa Rica

Nach über fünf gemeinsamen Jahren mit Höhen und Tiefen sah sich der Verband angesichts des zuletzt desolaten Auftretens in der WM-Qualifikation zum Handeln gezwungen.

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Nach einer Niederlage gegen den Erzrivalen Mexiko (1:2) und der peinlichen Pleite in Costa Rica (0:4) ist das US-Team Schlusslicht in der entscheidenden Qualifikationsrunde Nord- und Mittelamerikas.

Die Befürchtung, das Turnier beim einstigen Klassenfeind zu verpassen, ist groß - noch nie hatten die USA die ersten beiden Partien einer WM-Qualifikation verloren. "Das ist sicher die Niederlage, die mich in meinen fünf Jahren im Amt am meisten schmerzt", hatte Klinsmann nach dem desaströsen Auftritt in San Jose gesagt.

Verbandsboss vermied Bekenntnis

Die Anzeichen auf die bevorstehende Trennung hatten sich zuletzt verdichtetet, die Mechanismen des Geschäfts begannen zu greifen. Medien wie die Sports Illustrated ("Es ist Zeit zu gehen") oder USA Today ("Diesmal kann sich Klinsmann nicht rausreden") schossen sich auf den Schwaben ein. Und auch Gulati verzichtete auf ein Treuebekenntnis.

Letztlich rettete den Deutschen, der seine Zelte seit Jahren in Kalifornien aufgeschlagen hat, auch der Spielplan und der Modus nicht.

Mexiko (WM-Achtelfinalist) und Costa Rica (WM-Viertelfinalist) waren auf dem Papier die schwersten Gegner für die US-Amerikaner, die seit 1990 bei jeder Endrunde dabei waren. Auch dass sich zudem die ersten Drei der Sechser-Gruppe direkt für Russland qualifizieren, nützte Klinsmann nichts.

Große Verdienste für US-Fußball

Klinsmann, Anfang November zum fünften Ehrenspielführer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ernannt, war seit 2011 im Amt und führte die US-Boys unter anderem ins Achtelfinale der WM 2014.

Ein Jahr zuvor hatte er mit den USA vor heimischen Publikum den Gold Cup gewonnen, im Vorjahr scheiterte das Team bei der Kontinentalmeisterschaft im Halbfinale an Jamaika. Bei der Copa America im Sommer schieden die USA erst im Halbfinale gegen Vize-Weltmeister Argentinien aus.

Klinsmanns Verdienste für den Fußball im Land des American Football, Baseball und Basketball sind vor allem außerhalb des Platzes groß. Unter seiner Regie stieg das Ansehen des "Soccer" stetig, die WM 2014 verfolgten etwa mehr Fans als jemals zuvor in den USA.

Mit ehrgeizigen Zielen sollte 2018 in Russland eine vergleichbare Euphorie entfacht werden. "Unser Ansporn ist ein WM-Halbfinale. Das wird uns viel Schweiß kosten, es wird jede Menge Arbeit", sagte Klinsmann. Seine Aufgabe ist es nun nicht mehr.

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