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Jürgen Klopp würde es beim FC Liverpool unter anderem mit den Mächtigen Ian Ayre (l.) und John W. Henry zu tun bekommen © SPORT1 Grafik Paul Hänel

München - Bei Jürgen Klopps möglichem Engagement in Liverpool geht es vor allem um die Frage: Wer hat was zu sagen bei Transfers? Bei den Reds ist das ausgesprochen kompliziert.

"Let's do it the American way." So ähnlich dürfte es John W. Henry gesagt haben, als er 2010 mit der Fenway Sports Group den FC Liverpool übernahm.

Die Analyse: Der Verein hatte bis dahin schlecht auf dem Transfermarkt eingekauft, weil sich zu viel Macht auf dem Trainer konzentrierte.

Die Konsequenz: Dem damals Verantwortlichen Kenny Dalglish wurde das mittlerweile berühmte Transfer-Komitee vorgesetzt.

Dabei zeigt sich das Spannungsfeld dieses Klubs zwischen der FSG in Amerika als einer der weltweit wichtigsten Sport-Multikonzerne und der Basis im Nordwesten Englands mit einem Ursprung in der Arbeiterklasse.

Dem amerikanischen Unternehmen gehören auch die Boston Red Sox, es vermarktet LeBron James und verdient an seinem Erfolg mit, der dafür einen kleinen Anteil am FC Liverpool bekam. Mit dem operativen Geschäft hat der NBA-Star aber nichts zu tun.

Liverpools Präsident, FSG-Mitbegründer Tom Werner, startete als Hollywood-Produzent unter anderem die Karrieren von Tom Hanks, Danny DeVito und Billy Crystal. Auf Jürgen Klopp wartet also ein Klub mit prallvollen Hinterzimmern der Macht.

SPORT1 zeigt, wer außer ihm in Liverpool mitsprechen würde bei Transfers:

  • Mike Gordon (Präsident der FSG und Mitglied des Vorstands)

Ganz wichtig: Unsichtbar bleiben. Was Gordon macht, hat große Auswirkungen auf alle Projekte der FSG, doch es wird selten überhaupt offiziell verkündet.

Seit 2002 gehört der Amerikaner zum Unternehmen, hat sich nach und nach Henrys Vertrauen erarbeitet. Mittlerweile gehört ihm mit zwölf Prozent der zweitgrößte Anteil.

Er verbringt mittlerweile die meiste Zeit in England und nicht mehr in den USA, kontrolliert vor allem die finanzielle Seite der Transfers und soll sicherstellen, dass die FSG kein Geld für Spieler verpulvert.

Gordon ist ein Vollprofi. Vertraute loben seinen scharfen analytischen Verstand und seine Bescheidenheit. In der Sache gibt er allerdings selten nach. An ihm könnte Klopp wenig Freude haben.

Bei den Boston Red Sox, ebenfalls im Besitz der FSG, verantwortete er den Stadionumbau und steigerte so die Einnahmen. Gleiches passiert gerade in Liverpool, wo das Stadion an der Anfield Road seit vergangenem Dezember vergrößert wird.

Dabei bleibt er stets im Hintergrund. Über ihn gibt es keinen Wikipedia-Eintrag, er gibt nie Interviews. Was man über den 50-Jährigen weiß: Er fing als Popcorn-Verkäufer im Stadion des MLB-Klubs Milwaukee Brewers an, studierte in Harvard und gilt als Zahlengenie.

  • Ian Ayre (Vorstandsvorsitzender)
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Ian Ayre mit seiner Frau © Getty Images

Der Mann fürs Fanherz. Geborener Liverpudlian, ewiger Reds-Anhänger und tief in der Stadt verwurzelt: Ayre arbeitet seit 2007 für den Verein, ihn hatten schon Gillett und Hicks geholt.

Die Spezialität des Unternehmers sind Sponsorendeals, er half mit, aus Liverpool wieder einen profitablen Verein zu machen.

Auch er ist eine wichtige Verbindung zu Oberboss Henry. Vor allem soll er die Liverpooler Seele bei Transfers berücksichtigen, schließlich hat er ein gutes Gespür, was auf der "Kop" los ist.

Er fliegt durch die ganze Welt, verhandelt mit Spielern und Beratern, wenn das Komitee einen Transfer beschlossen hat. Die Kommunikation und Präsentation der Neuzugänge sind Ayres Sache.

  • Dave Fallows (Technischer Direktor)

Wenn Klopp eine bestimmte Position in seiner Mannschaft stärken will, geht er zu Fallows. Damit beginnt im Normalfall der Prozess, an dessen Ende ein Neuzugang steht.

Aber auch Ayre und Gordon können sich an Fallows wenden, wenn sie sich Spieler wünschen. Hierbei ist die genaue Verteilung der Kompetenzen einer der wichtigsten Punkte bei den Verhandlungen zwischen Klopp und Liverpool.

Der Verein verpflichtete Fallows und Barry Hunter (siehe unten) 2012 zusammen von Manchester City.

Fallows überwacht ein weltweites Netzwerk von Scouts, holt sich bei Bedarf Berichte über einzelne Spieler und bespricht sich dann etwa mit dem Trainer.

  • Barry Hunter (Chefscout)

Er steht eine Stufe unter Fallows, ist das Bindeglied zwischen diesem und den verschiedenen Scouts auf dem europäischen Festland.

Seine Spezialgebiete sind Italien, die Schweiz und Russland.

  • Michael Edwards (Technischer Leiter)

Der Mann mit dem Laptop. Edwards ist studierter Wirtschaftsinformatiker und analysiert seit 2003 Spieler und Gegner für englische Vereine, erst in Portsmouth, danach bei Tottenham und Liverpool.

Henry ist von einem zahlenbasierten Ansatz im Profisport überzeugt, seit seine Red Sox mit den berühmten Moneyball-Methoden den Titel holten.

Bis jetzt hat dieses Modell aber kaum Erfolg. Die Abgänge von Luis Suarez und Raheem Sterling trafen den Verein hart, ohne dass diese wirklich hätten ersetzt werden können.

  • Trainer

Ach ja: Klopp selbst würde natürlich auch dazugehören, wie schon Vorgänger Brendan Rodgers.

Unklar ist jedoch, welches Gewicht dessen Wort im Zweifel tatsächlich hatte. Mario Balotelli etwa holten Gordon und Ayre gegen den Willen.

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