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Manchester United und der FC Liverpool trennten sich im Hinspiel torlos © SPORT1-Grafik: Getty Images

London - Wenn am Sonntag ManUnited den FC Liverpool empfängt, blickt ganz England nach Old Trafford. Im Oktober lieferten sich die Teams allerdings ein Duell zum Vergessen.

Anders als beim ersten Nordwest-Derby der Saison bewirbt auf der Insel das 168. Liga-Duell der zwei erfolgreichsten englischen Klubs diese Woche niemand als "Red Monday".

Das könnte eventuell damit zu tun haben, dass das Match zwischen Manchester United und dem FC Liverpool am Sonntagnachmittag (Live und Exklusiv auf DAZN und im LIVETICKER) stattfindet, liegt vielleicht auch ein wenig an den furchtbar enttäuschten Erwartungen vom Oktober.

Schön rot wie Blut, Feuer und Liebe waren während des gräuslich-grauen 0:0-Kicks an der Anfield Road nämlich nur die Trikots des FC Liverpool gewesen, der Marketing-Slogan hatte seine Versprechen nicht mal annähernd erfüllt. Um ähnlicher Enttäuschung vorzubeugen, verkauft Sky die Partie nun unter dem klassischen "Super Sunday"-Etikett. Das klebt hier auch, wenn der Sonntag dank Burnley gegen Hull City super ist. Kann also weniger schief gehen. 

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Alles oder Nichts

Auf ein bisschen mehr Spektakel darf man schon hoffen. Maurermeister Jose Mourinho, der in Liverpool den Rasen schamlos betonierte, nur auf 35 Prozent Ballbesitz kam und danach seinem recht entnervten Gegenüber Jürgen Klopp auch noch bösartig zu einer "perfekten Defensivleistung" gratulierte, kann zu Hause im Old Trafford nicht schon wieder die Null anvisieren.

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Manchester United (Platz sechs) braucht drei Punkte, um endlich unter die ersten Vier vorzurücken; der Tabellenzweite Liverpool, momentan sanft im Winterschlaf (drei Spiele ohne Sieg), muss ebenfalls gewinnen, um näher an Tabellenführer Chelsea heran zu kommen. "It’s a case of go hard or go home", schrieb das Liverpool Echo - beide Mannschaften gehen entweder aufs Ganze oder lassen es besser gleich bleiben.

Der Trend spricht für den Rekordmeister. Zehn Siege in Folge in allen Wettbewerben haben die Lage bei den Red Devils deutlich entspannt. Die drei großen Neuverpflichtungen des Sommers, Zlatan Ibrahimovic (13 Tore), Paul Pogba (vier Tore, drei Vorlagen) und Henrikh Mkhitaryan (zwei Treffer und ein Riesentempo), spielen konstant gut und hieven den Rest des Teams Schritt für Schritt auf ein höheres Niveau.

Klopp muss auf Mane verzichten

Mourinho muss nicht mehr ständig mit grimmiger Miene nach Sündenböcken fahnden, er fühlt sich nunmehr stark genug, die Fans zu mehr Unterstützung aufzufordern. Die Leute sollten am Sonntag "nicht ins Theater gehen, sondern mitspielen", so der Portugiese. Das Theatre of Dreams soll zum Albtraum für die Elf von der Mersey werden. 

Auf dem Papier ist Mous Superstar-Truppe den zuletzt etwas aus dem Tritt gekommenen Kloppo-Underdogs (drei Spiele, zwei Tore, kein Sieg im neuen Jahr) überlegen. Den Gästen fehlt vor allem Sadio Mane im Sturm.

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Der Senegalese ist beim Afrika-Cup, für seine Schnelligkeit gibt es keinen gleichwertigen Ersatz, da Daniel Sturridge nicht in Form kommt und Philippe Coutinho nach langer Verletzungspause auch nicht sofort wieder die gewohnte Leistung bringen kann. Zlatan gegen (Ragnar) Klavan hört sich zudem nach einem etwas ungleichen Kampf an, was die andere Seite des Platzes angeht. 

Klopp ist Mourinhos Angstgegner

Liverpool fühlt sich jedoch in der Außenseiterrolle recht wohl. Kein Spitzenteam hat gegen die restlichen Klubs der Top-Sechs mehr Punkte geholt (elf), da das flexible Umschaltspiel gegen die offensiveren Mannschaften sehr gut funktioniert.

Dazu kommt, zumindest als gutes Omen, die starke persönliche Bilanz von Klopp gegen Mourinho: der Ex-Dortmunder hat nur eines von sechs Spielen verloren und drei gewonnen. So allmählich wird der Deutsche zum Angstgegner.

Hitze und Leidenschaft sollten also trotz des Wintereinbruchs in Großbritannien beim rot-roten Traditionsduell schon drin sein. Selbst wenn der Tag danach doch eher so blau sein sollte wie beim berühmten Song von New Order - und Antonio Contes FC Chelsea als größten Titelfavoriten ausweist.

Raphael Honigstein, geboren 1973 in München, zog 1993 nach London. Dort lebt und arbeitet er als Journalist und Autor. Für SPORT1 berichtet er in der wöchentlichen Rubrik "London Calling" über alle Themen rund um den englischen Fußball. Honigstein arbeitet unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", das Fußballmagazin "11 Freunde", die englische Tageszeitung "The Guardian", den Sportsender "ESPN" und ist in England und Deutschland als TV-Experte tätig.

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