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Liverpool - Vor dem Start der Premier League spricht Jürgen Klopp über die Ziele des FC Liverpool, den Transfer-Wahnsinn und seinen Freund und Trainerkollegen David Wagner.

Die Premier League startet am Freitagabend in die neue Saison. Jürgen Klopp geht in sein drittes Jahr als Trainer des FC Liverpool. In der vergangenen Spielzeit erreichte er mit den Reds den vierten Platz und spielt mit seinem Team in der Qualifikation für die Champions League.

Diesen Erfolg will er bestätigen - und dafür braucht er eine starke Mannschaft, zu der auch weiterhin der zuletzt vom FC Barcelona heiß umworbene Philippe Coutinho gehören soll.

Im SPORT1-Interview spricht Klopp über seine Ziele, den Transfer-Wahnsinn und seine Freundschaft zu Huddersfields Trainer David Wagner.

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SPORT1: Herr Klopp, wie ist der Status Quo beim FC Liverpool vor dem Start der Premier League?

Jürgen Klopp: Wir haben eine sehr gute Basis gelegt und fühlen uns super wohl. Am Anfang der Saison weißt du nicht ganz genau, wie es losgeht. Das ist das Coole am Fußball. Aber für die Protagonisten ist das nicht ganz so cool. Du hättest gerne Garantien, aber die hast du nicht. Wir haben gut trainiert und gute Testspiele gehabt. So weit, so gut.

SPORT1: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Saison?

Klopp: Die aller höchsten, das ist das Problem. Ich bin schon realistisch genug zu wissen, dass wir nicht allein in diesem Goldfischglas schwimmen, sondern da haben sie noch ein paar andere Piranhas und sonstige Hechte mit rein gefeuert, deswegen wird auch dieses Jahr kein Zuckerschlecken. Und du brauchst wie immer ein bisschen Match-Glück, du brauchst Fortune in der ein oder anderen Situation, aber du musst vor allem selber gut vorbereitet sein, stabil sein und einen klaren Plan haben. Das ist uns eigentlich immer relativ gut gelungen, muss es allerdings auch wieder, um eine mehr als vernünftige Rolle in der Liga zu spielen.

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SPORT1: Wie lautet die Zielsetzung nach Platz vier in der letzten Saison?

Klopp: Es ist immer schwer genug, den Erfolg des Vorjahres zu bestätigen. Wir haben zwei bärenstarke Mannschaften hinter uns gelassen (Arsenal und Manchester United, Anm. d. R.), die sich sicher vor der Saison gedacht haben, sie müssen vor uns stehen. Wir wollen die vergangene Saison bestätigen und uns spielerisch weiterentwickeln. Wir können viele Dinge verbessern. Wir haben zu viele Gegentore kassiert, deswegen haben wir da ein Hauptaugenmerk darauf gelegt - wie man zuletzt zum Beispiel im Spiel gegen die Bayern gesehen hat. Da war Bayern auch gut. Aber man hat auch gesehen, dass wir auch kicken können. Die Vorbereitung hat viele gute Hinweise gegeben, aber jetzt müssen wir sie bestätigen.

SPORT1: Philippe Coutinho wurde mit dem FC Barcelona in Verbindung gebracht. Wie wichtig ist, dass er in Liverpool bleibt?

Klopp: Die Frage ganz allgemein zu beantworten. Der Plan ist der, dass wir die Mannschaft zusammenhalten wollen und gemeinsam den Weg weitergehen wollen. Da ist Phil (Coutinho, Anm. d. Red.) eben genauso wichtig, wie ganz viele andere auch. Wir waren schon aktiv auf dem Transfermarkt, wir werden vielleicht auch noch einmal aktiv werden. Es ist ja noch ein bisschen Zeit bis zum 31. August.

SPORT1: Für Coutinho waren 100 Millionen Euro im Gespräch. Ab wann verlieren die Leute ihren Glauben an das Spiel bei dem ganzen Geld? Ist das Fluch oder Segen?

Klopp: Ich habe das bisher nicht abschließend verstanden, muss ich sagen. Die Zahlen haben auch mich geschockt. Wenn man die festen Ablösesummen, die Klauseln bei den Barcelona-Spielern grade im Speziellen sieht, die sind so astronomisch hoch. Da denkst du, die haben die halt reingeschrieben. Jetzt ist diese Schallmauer erst einmal durchbrochen worden.

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Es gibt nicht viele Vereine, die das durchbrechen können. Im Grunde genau zwei. Diese beiden Vereine gehören Ländern, das ist ein Fakt. Wenn Bayern München Deutschland gehören würde oder Liverpool England und auch unterstützt werden würde mit was auch immer, das würde die Substanz oder die Potenz nochmal erhöhen. Das darf man einfach nicht unterschätzen, das können nicht alle Vereine. Wenn es Regeln gibt, die das eindämmen, wäre es sinnvoll, wenn man sie anwendet. Vielleicht fangen Leute an jetzt darüber nachzudenken, ob das so alles Sinn macht. Für mich ist da keine Tendenz erkennbar, sondern da haben ein paar Leute mit ihren Säbeln gerasselt und gesagt "das ist für uns kein Problem".

SPORT1: Wie schön ist in diesem Kontext die Geschichte von ihrem Freund David Wagner, der mit dem Außenseiter Huddersfield Town in die Premier League aufgestiegen ist?

Klopp: Wir (Wagner und Klopp, Anm. d. Red.) kennen uns lange, aber die Geschichte wird häufig auch strapaziert. Was ich als Freund unglaublich schätze an ihm ist, dass ihm vollkommen egal ist, dass sein Name fast nie genannt wird ohne dass meiner auch genannt wird. Er hat schon lange verdient, dass man ihn auch einfach so erwähnt, ohne dass man noch dazu sagt "das ist mein Trauzeuge", aber das ist ihm völlig Wurst und das finde ich ganz praktisch. Wir sind absolut beste Freunde und im Grunde genommen so etwas wie Brüder. Man kann sich gar nicht vorstellen wie sehr es mich gefreut hat, dass das (der Aufstieg) geklappt hat. Ich gönne ihm, außer am Oktoberwochenende, an dem wir gegen sie spielen, alles. (SERVICE: Spielplan der Premier League)

SPORT1: Gegen ihn zu spielen wird schon komisch, oder?

Klopp: Wir haben ja schon gegeneinander gespielt. Da habe ich am Abend vorher in Gütersloh gespielt, von Mainz da hoch gefahren, dann kam er ins Hotel. Er hat mir im Hotel schon eine Flasche Sekt aufs Zimmer gestellt. Eine Flasche Sekt, am Abend vor dem Spiel, danke nochmal, habe ich nicht getrunken, aber er hat mich dann auch abgeholt. Da habe ich sein Haus gesehen, seine Frau Judith getroffen und so weiter, mal kurz einen Abend zusammen verbracht. Am nächsten Tag haben wir gegeneinander gespielt. Dave Linksaußen ich rechter Verteidiger. Er hat drei Tore geschossen, weil ich ihn nicht treten konnte. Ich konnte nicht mal richtig in den Zweikampf gehen. Das ist jetzt anders. Ich habe noch was gut bei ihm sozusagen.

SPORT1: Wie viel Lust haben Sie auf den Start am Wochenende gegen Watford?

Klopp: Ich freue mich brutal auf das Spiel. Wir wollen da irgendwie gewinnen, wenn es geht, was schwer genug wird. Du wirst nie richtig glücklich in der Vorbereitung. Wir hatten Schwierigkeiten hier und da. Wir hatten Wetterkapriolen, die Training eigentlich unmöglich machen. Wir haben es trotzdem durchgezogen, meine Jungs haben toll mitgezogen. Und jetzt werden wir geprüft. 

SPORT1: Die großen Erfolge kamen bei Ihnen in Mainz und Dortmund im dritten Trainerjahr. Jetzt sind Sie in Liverpool auch im dritten Jahr. Sie hätten sicher nichts dagegen, wenn es so weiter ginge, oder?

Klopp: Ich hätte nichts dagegen, aber das hatte ich damals nicht auf dem Rechner. Es würde keinen Sinn ergeben, wenn ich das jetzt auf dem Rechner hätte. Es wird schwierig in die Mannschaftssitzung zu gehen und dort zu sagen "Jungs, jetzt wisst ihr schon, ich bin im dritten Jahr immer besonders erfolgreich. Wenn es nicht klappt, dann liegt es an euch." Das wäre auch nicht so richtig, deshalb lasst uns einfach mal anfangen und alles rauspressen aus der Saison und dann schauen wir, was es dafür gibt in der Tabelle. Die lügt am Ende nie.

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