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München - Podolski und Beck sind schon da, genau wie Eto'o und Ronaldinho. Van Persie und Huntelaar sollen kommen. Die türkische Liga greift an. Ein Trend von Dauer?

Die Namen werden immer gewagter. Andreas Beck zu Besiktas: Mhm, denkt sich der deutsche Fan. Lukas Podolski zu Galatasaray: Oho, entfährt es ihm. Samuel Eto'o und Ronaldinho zu Antalyaspor: Spätestens hier glaubt er zuerst einmal an einen Witz. Dabei ist Großangriff der türkischen Liga höchst real.

Und richtig spannend wird es bei den Gerüchten um Klaas-Jan Huntelaar (angeblich bei Besiktas im Gespräch) und Robin van Persie (mit Fenerbahce grundsätzlich über einen Wechsel einig).

Hilbert gibt Tipps

"Das sind zum Teil schon spektakuläre Transfers, sie werden die Attraktivität der Liga ganz sicher steigern", sagte Leverkusens Roberto Hilbert, selbst drei Jahre lang bei Besiktas aktiv, im Gespräch mit SPORT1.

"Andreas Beck hat sich vor dem Wechsel auch bei meinem Umfeld und mir über Verein und Stadt erkundigt. Entscheidend ist, dass man sich ganz darauf einlässt: auf die Kultur, die Mentalität und die sehr herzlichen Menschen", meinte Hilbert.

"Man muss den Fans zeigen, dass man sich der Geschichte und der Bedeutung ihres Vereins bewusst ist."

Ist die Süper Lig auf dem Weg nach oben? Kann sie mit den großen Ligen mithalten? In den letzten Tagen und Wochen häuften sich die Meldungen, die das vermuten lassen.

Nani zu Fenerbahce

Zunächst einmal: 17 der 18 türkischen Erstligisten haben bislang in diesem Sommer weniger als fünf Millionen Euro für Transfers ausgegeben, Fenerbahce mit knapp 13 Millionen am meisten.

Beim Vizemeister kommen jetzt noch über 15 Millionen für Nani hinzu. Der Portugiese war bereits am Sonntag in Istanbul von begeisterten Fans am Flughafen in Empfang genommen worden, am Montag meldete Fener nach dem absolvierten Medizincheck Vollzug. 

Acht Vereine kommen bislang komplett ohne Transferausgaben aus, oder besser: Sie müssen ohne auskommen. Kurz gesagt: Die Süper Lig ist weit davon entfernt, eine Spitzenliga zu sein.

In Europa schwach

Seit Galatasaray 2000 den UEFA-Pokal gewann, kam nur fünfmal ein Verein aus der Türkei unter die besten Acht in einem europäischen Wettbewerb, dreimal davon in der Champions League. In Europas Fünfjahreswertung belegt die Süper Lig aktuell Platz elf.

Und doch ist sie attraktiv auch für große Namen.

Götz analysiert

"Die drei großen Topklubs holen auch in diesem Jahr wieder Superstars in großer Zahl, um ihren Fans etwas zu bieten und die Vorherrschaft im türkischen Fußball zu erlangen", sagte Falko Götz SPORT1. Der heutige Saarbrücker Trainer spielte in den 90er-Jahren zwei Jahre lang für Galatasaray. Schon damals war die Türkei ein beliebtes Ziel für deutsche Spieler und Trainer.

Die Leidenschaft und Treue der Fans wirkt oft sehr anziehend. "Wie sich Podolski mit einem Verein identifiziert und mit den Fans kommuniziert, das wird dort zu seinem Vorteil sein. Ich sehe da sehr viele positive Aspekte", sagte Türkei-Legende Christoph Daum zu SPORT1.

Schumacher, Berthold, Gaudino, Kuntz

Meist waren es früher aber Profis deutlich über 30, die ihre Karrieren noch auf halbwegs gutem Niveau beenden wollten, statt in die USA zu gehen oder nach Arabien. Etwa Toni Schumacher, Thomas Berthold, Raimond Aumann oder Maurizio Gaudino.

Ronaldinho und Eto'o zählen klar zu dieser Kategorie. Antalyaspors Präsident Gültekin Gencer kündigte an, noch einen ehemaligen Star des FC Barcelona zu holen, David Villa etwa oder Ibrahim Afellay, und dann "die Welt in Brand zu setzen". Ob Antalyaspors Transfergebaren aber nachhaltig ist, ist fraglich.

Sneijders Wechsel als Signal

Anders sieht es bei den drei großen Istanbuler Klubs aus. Der Transfer Wesley Sneijders 2013 zu Galatasaray war ein bis heute leuchtendes Signal. Mit damals 29 hätte der Niederländer sicher auch einen Arbeitgeber in England oder Spanien gefunden.

Jetzt soll er Huntelaar von einem Wechsel überzeugen. Ähnlich läuft es beim großen Konkurrenten Fenerbahce, wo Dirk Kuyt van Persie vorschwärmt, auch wenn ersterer mittlerweile nicht mehr dort spielt.

Beide Deals wirken heute längst nicht mehr weltfremd. Zumindest in der Spitzengruppe könnte sich jetzt tatsächlich nachhaltig etwas tun.

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