vergrößernverkleinern
Christina Schwanitz sicherte sich WM-Gold vor der Chinesin Gong Lijiao
Christina Schwanitz sicherte sich WM-Gold vor der Chinesin Gong Lijiao © Getty Images

Mission erfüllt: Christina Schwanitz hat sich zur neuen Kugel-Kaiserin von China gekrönt. Die 29 Jahre alte Top-Favoritin hielt dem enormen Erwartungsdruck im "Vogelnest" stand und sicherte dem deutschen Team mit einem Stoß auf 20,37 m das erste Gold bei der Leichtathletik-WM in Peking

16 Jahre nach dem letzten von drei Titeln durch Astrid Kumbernuss kürte sich Schwanitz als erst zweite Deutsche zur Weltmeisterin im Kugelstoßen - dabei war ihr Mann und Glücksbringer Tomas gar nicht im Stadion.

Doch das Daumendrücken vor dem Fernseher zu Hause half auch. Schwanitz ist die erste amtierende Europameisterin, die anschließend auch WM-Gold holte.

Konter mit dem dritten Stoß

Dabei sah es zunächst gar nicht gut aus. Gong hatte gleich im ersten Versuch 20,30 m vorgelegt und Schwanitz wirkte etwas geschockt. Doch sie behielt die Nerven und konterte im dritten Versuch mit ihrem Gold-Stoß.

Damit hat Schwanitz vorgelegt. Ihr Trainingspartner David Storl (Leipzig) will am Sonntag nachziehen und seinen dritten Titel in Serie holen. Damit wäre das deutsche Kugelstoß-Märchen von Peking endgültig perfekt.

Silber gewann die Chinesin Gong Lijiao mit (20,30), Bronze holte Michelle Carter aus den USA (19,76). Olympiasiegerin Valerie Adams, die zuvor viermal in Serie Weltmeisterin wurde, war verletzungsbedingt nicht am Start.

Beruhigungs-Bier am Vorabend

Am Vorabend ihrer großen Show hatte Schwanitz wieder ihr obligatorisches Beruhigungs-Bier getrunken. Gut schlafen konnte sie trotzdem nicht. "Die Betten sind schrecklich", sagte sie nach der souveränen Qualifikation am Morgen. Doch nach zwei Duschen und einem Nickerchen am Mittag war sie dann zum richtigen Zeitpunkt hellwach.

Mit ihrem Triumph von Peking krönte Schwanitz ihre Karriere - dabei schien ihre Laufbahn im Vorjahr fast beendet. Eine Patellasehnen-Operation verlief "suboptimal", sagte sie.

Das linke Knie schwoll nach dem Eingriff immer wieder an und entzündete sich. "Ich hatte Angst, dass ich nie mehr Kugelstoßen kann. Da gehst du als Leistungssportler durch die Hölle, aber Gott sein Dank hat sich alles zum Guten gewendet", sagte Schwanitz.

Vom Reaktor ins Knie 

Doch erst eine Behandlung mit einer radioaktiven Flüssigkeit brachte Besserung. Das in einem Reaktor hergestellte Mittel wurde Schwanitz ins Knie gespritzt und soll Entzündungen entgegen wirken. "Aber das ist nur wenig, ich bin nicht Tschernobyl", sagte sie.

Nach ihrem WM-Sieg macht Schwanitz jetzt sogar richtig Kasse. Für Gold kriegt die Sächsin vom Weltverband IAAF 60.000 Dollar Prämie überwiesen (etwa 54.000 Euro).

Zudem ist der Sportsoldatin ihr erster Gesamtsieg in der lukrativen Diamond League eigentlich nicht mehr zu nehmen. Um die 40.000 Dollar (etwa 35.000 Euro) sowie den Diamantpokal dafür kassieren zu können, muss Schwanitz nur noch beim Diamond-League-Finale am 3. September in Zürich antreten.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel