Video

Peking - Usain Bolt und Justin Gatlin führen mit ihrem Duell in Peking ein großes Schauspiel auf. Neben den beiden Sprintern profitiert vor allem der krisengeplagte Weltverband von dem Ballyhoo.

Usain Bolt kniff die Augen zusammen und schaute bemüht finster. Er hatte offenbar etwas Wichtiges zu sagen, den Mann neben ihm würdigte er keines Blickes (Die Leichtathletik-WM - täglich im LIVETICKER).

"Justin Gatlin nennt mich immer alter Mann, ständig, auf dem Aufwärmplatz. Alter Mann. Alter Mann", sagte Bolt, 29 Jahre, nach seinem 200-m-Sieg und konnte da schon kaum noch sein Lachen unterdrücken: "Aber wir haben ja gesehen: SEINE Beine sind müde."

"Ich hasse diesen Typen"

Dann prustete Bolt los, auch Gatlin lachte sich schlapp. "Ich hasse diesen Typen", sagte der US-Amerikaner. Die beiden schnellsten Männer des Planeten johlten wie zwei kleine Jungs, die sich über einen gelungenen Streich freuen (Alle Ergebnisse der Leichtathletik-WM im Überblick).

Bolt und Gatlin, die Rivalen der Rennbahn, inszenieren ihr Duell "Gut gegen Böse" in Peking wie ein großes Ballyhoo beim Boxen in Las Vegas. Die Rollen sind klar verteilt. Bolt, der Superstar, der Liebling der Massen, der Rekordweltmeister mit jetzt zehnmal Gold, bleibt auch nach dem Rennen die Nummer eins.

"Es gehen schon Gerüchte um, dass Justin ihn dafür bezahlt hat", sagte Bolt über seinen letztlich glimpflich verlaufenen Kamera-Unfall beim Jubeln nach seinem nächsten Triumph in 19,55 Sekunden.

Gatlin verstand und verwertete die Vorlage. "Ich will mein Geld zurück", sagte der 33-Jährige mit gespielter Empörung: "Der Kameramann hat den Job nicht erledigt." Bolt ist vor den Staffel-Vorläufen am Samstag bei bester Gesundheit. Wieder großes Gelächter.

Bolt strickt an seiner Legende

Bolt und Gatlin liefern in diesen Tagen in China eine große Show ab - von der alle profitieren. Bolt hat elf der letzten zwölf großen Sprinttitel gewonnen, aber erstmals wurde der Jamaikaner dabei so richtig gefordert. Er strickt damit weiter kräftig an seiner Legende, das ganze Drama lässt den vermeintlichen Retter der Leichtathletik noch etwas heller strahlen.

Und Gatlin genießt nach seinen zwei Dopingsperren die riesige Aufmerksamkeit, im "Vogelnest" präsentierte sich der "Bad Boy" höflich und als fairer Verlierer. "Es ist schön, gegen ihn zu laufen. Wenn ich schon verlieren muss, dann gegen Usain", sagte Gatlin: "Aber es war nie mein Ziel, hier mein Image zu verbessern."

Der Sieger ist der Weltverband

Der größte Sieger des Zweikampfs ist aber der krisengeplagte Weltverband. Nach all den Doping- und Korruptionsvorwürfen hätte der IAAF etwas Besseres gar nicht passieren können. Die Welt blickte auf dieses Duell Bolt gegen Gatlin - und am Ende gewann auch noch der Saubermann.

Bolt und Gatlin wissen, was das Drehbuch von ihnen erwartet und spielen das Spiel mit. Doch bei allem Sticheln und Sprücheklopfen respektieren sich die beiden Sprintmaschinen. "Er redet viel, aber so ist er eben - kein Problem", sagte Bolt. Und Gatlin meinte: "Er macht aus mir einen besseren Athleten."

Die Fans können sich am Wochenende über Runde drei zwischen Jamaikas Held Bolt und US-Boy Gatlin freuen, um 15.10 Uhr steht am Samstag der Staffel-Showdown auf dem Programm. "Wir sind wie zwei gefährliche Raubtiere", sagte Gatlin, jeder wolle die maximale Beute machen. Und Bolt blickte zufrieden.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel