vergrößernverkleinern
Oscar Pistorius
Oscar Pistorius war im Oktober 2014 wegen fahrlässiger Tötung seiner damaligen Freundin zu fünf Jahren Haft verurteilt worden © Getty Images

Wegen fahrlässiger Tötung wird Oscar Pistorius zu fünf Jahren Haft verurteilt. Zu wenig, sagt die Staatsanwaltschaft und plädiert in der Berufungsverhandlung auf Mord.

Oscar Pistorius soll zurück ins Gefängnis und dort mindestens die nächsten 15 Jahre verbringen.

Diese Forderung stellte Staatsanwalt Gerrie Nel in seinem Plädoyer zum Auftakt der Berufungsverhandlung am Dienstag in Bloemfontein. Pistorius war im Oktober 2014 wegen fahrlässiger Tötung seiner damaligen Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Ein Fünftel davon hat er im Gefängnis abgesessen, am 20. Oktober wurde er für den Rest der Strafe in den Hausarrest überstellt.

Nel begründete seine Forderung mit der Behauptung, Pistorius habe mit voller Tötungsabsicht auf die geschlossene Badezimmertür geschossen und sei sich seiner Handlung jederzeit bewusst gewesen. Der Prothesensprinter hatte dagegen stets versichert, er habe hinter der Tür einen Einbrecher vermutet, vor dem er sich und Steenkamp schützen wollte. Er war am Dienstag nicht vor Gericht erschienen, seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis hat er die Öffentlichkeit konsequent gemieden.

Erstes Urteil "erschreckend mild"

Die Staatsanwaltschaft hatte von Beginn an auf Mord plädiert. Das Urteil hatte Nel als "erschreckend mild und vollkommen unangemessen" bezeichnet und dem Gericht unter anderem fehlende Empathie vorgeworfen. Niemand habe die "fürchterliche Art und Weise", wie Steenkamp zu Tode kam, bei der Urteilsfindung berücksichtigt. June Steenkamp, die Mutter des Opfers, war zu Beginn der Berufungsverhandlung an Nels Seite. "Ich bin hier, um den Staatsanwalt zu unterstützen", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Fünf Richter entscheiden in diesen Tagen in Bloemfontein über das weitere Schicksal von Oscar Pistorius. Sollten sie dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgen und den 28-Jährigen des Mordes schuldig sprechen, drohen Pistorius mindestens 15 Jahre Haft. Er müsste in dem Fall innerhalb von 48 Stunden nach dem Richterspruch wieder ins Gefängnis einrücken.

Pistorius bliebe dann noch die Möglichkeit, den Obersten Südafrikanischen Gerichtshof als letzte Instanz anzurufen. Dazu würden seinem Mandanten allerdings mittlerweile die finanziellen Mittel fehlen, erklärte Pistorius' Verteidiger Barry Roux.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel