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Helmut Digel
Helmut Digel war von 1993 bis 2001 Präsident des deutschen Leichtathletik-Verbands © Getty Images

Nach seinem Streit mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann hat der ehemalige Leichtathletik-Funktionär Helmut Digel dem Deutschen Olympischen Sportbund ein schlechtes Zeugnis ausgestellt.

Mit Blick auf das zehnte Jubiläum des Verbandes im kommenden Jahr meinte Digel im Interview mit dem Reutlinger Generalanzeiger: "Die Situation des Schulsports hat sich kaum verbessert. Es lassen sich nur wenige eigenständige Erfolge erkennen, die Distanz zu gesellschaftlichen Eliten hat sich eher vergrößert, die sportlichen Erfolge sind rückläufig."

Der 71-Jährige ergänzte, dass die Vorgängerorganisationen Deutscher Sportbund und Nationales Olympisches Komitee "bei einem Vergleich bestens bestehen" könnten.

Der emeritierte Sportsoziologe fordert angesichts fortgesetzter Korruption in den internationalen Sportverbänden eine "grundlegende Demokratisierung".

"Handelnde Personen müssen angesichts ihrer Verfehlungen ausgeschlossen werden. Die Gefahr der Wiederholung ist aber äußerst groß. So lange die internationalen Sportorganisationen sich nicht grundlegend demokratisieren, wird es angesichts der erheblichen finanziellen Gewinne immer wieder Verfehlungen geben", sagte der ehemalige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

"Der olympische Größenwahn, geldgierige Funktionäre und vor allem die Korruption haben dem Olympismus großen Schaden zugefügt", sagte Digel, der aber trotz aller Skandale an eine Zukunft des Spitzensports glaubt: "Der olympische Sport ist weiter aktuell, die Leistungen der Athletinnen und Athleten sind immer noch faszinierend." Die Perspektive des deutschen Hochleistungssports sei derzeit aber "nur in wenigen Sportarten gesichert".

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hatte Digel zuletzt scharf kritisiert, weil dieser als Council-Mitglied im Leichtathletik-Weltverband von den Korruptionsfällen innerhalb der IAAF angeblich nichts mitbekommen hat.

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