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 Julija Stepanowa brachte den russischen Dopingskandal an die Öffentlichkeit
Julia Stepanowa und ihr Mann Vitali Stepanow brachten den IAAF-Skandal ins Rollen © dpa Picture Alliance/ ARD

München - Julia Stepanowa und ihr Mann Vitali haben den russischen Dopingskandal ins Rollen gebracht. Ihr Leben liegt seither in Trümmern, doch ihr Mut ist ungebrochen.

Sie leben an einem geheimen Ort, fernab ihrer Heimat, und sie werden ständig bedroht.

Sie sind arbeitslos, mussten acht Mal umziehen, und selbst ihre Eltern dürfen nicht wissen, wo sie sind.

Seit die Leichtathletin Julia Stepanowa (29) und ihr Mann Vitali (33) zu den wohl mutigsten Whistleblowern der Sportgeschichte wurden, liegt ihr altes Leben in Trümmern. 

Vitali Stepanow sagt dennoch: "Wir bereuen gar nichts. Ich glaube, wir haben das Richtige getan. Und wenn es nötig ist, würden wir dasselbe noch einmal tun."

Enthüllungen sorgen für weltweites Aufsehen

Wenn am Donnerstag in München die unabhängige Kommission des Welt-Anti-Doping-Verbandes WADA ihren zweiten Bericht über den Doping-Sumpf im russischen Sport und die Machenschaften im Leichtathletik-Weltverband IAAF vorstellt, wird die Sportwelt wohl erneut in ihren Grundfesten erschüttert.

Zu verdanken ist dies vor allem den Stepanows, die für die weltweit aufsehenerregende ARD-Dokumentation "Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht" vor einem Jahr mit der versteckten Kamera alles riskiert haben - zu einem hohen Preis.

"Von Zeit zu Zeit haben wir Kontakt zu unserer Familie. Sie wissen also, dass wir sicher sind, sie wissen aber nicht, wo wir sind", sagt Vitali Stepanow.

Anfeindungen von allen Seiten

Die kleine Familie - Julias und Vitalis Sohn Robert ist ein Jahr alt - wird vor allem via Internet und Social Media aus Russland permanent beschimpft und bedroht.

Zuletzt veröffentlichte der Sportfunktionär Maxim Karamaschew, der Präsident des nationalen Leichtathletik-Verbandes werden will, ein Gedicht, "in dem stand, dass Gott unseren Sohn dafür bestrafen werde, dass er Eltern wie uns hat", berichtet Stepanow.

Vom Sport im Stich gelassen

Der Sport lässt die Familie weitgehend alleine. Spitzenfunktionäre wie Sebastian Coe (IAAF) oder Thomas Bach (IOC) haben sich bislang nicht bei den Stepanows gemeldet.

"Ich kann mir vorstellen, dass diese Leute andere Dinge zu tun haben, als mit einer kleinen Familie aus Russland zu sprechen", sagt Vitali Stepanow.

Sein Hilfsangebot an Sportminister Vitali Mutko, den russischen Sport zu säubern, blieb unbeantwortet.

Stattdessen lese er "immer wieder viele Lügen" aus dem Munde der russischen Verantwortlichen, sagt Stepanow: "Diese Leute bedrohen meine Frau öffentlich über die Medien. Ich wäre ein Idiot, wenn ich meine Familie vor solchen Leuten nicht schützen würde."

"Es gibt Leute, die die Wahrheit nicht schätzen"

Ganz einsam sind die Stepanows aber nicht. "Einige Menschen wollen uns gerade helfen. Das ist wirklich eindrucksvoll und herzerwärmend", sagt Stepanow, der einst Angestellter der mittlerweile suspendierten russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA war und am liebsten auch wieder in diesem Berufsfeld arbeiten würde. 

Das deutsche Pendant NADA denkt zwar darüber nach, die beiden beim Thema Doping-Prävention einzubinden. Ein Job aber? Nur "im Rahmen der üblichen Bewerbungsverfahren".

Stepanow erhofft sich für seine Familie ohnehin nur noch so viel: "Hoffentlich wird meine Frau irgendwann wieder starten dürfen. Und mein Sohn geht in den Kindergarten, und ich habe einen Job."

 Und er wünscht sich, dass seine wenig ermunternde Geschichte andere Whistleblower nicht abschreckt.

"Wir wollen einen dopingfreien Sport ohne korrupte Funktionäre", sagt er: "Jeder muss wissen, dass es Leute gibt, die es nicht schätzen werden, wenn andere Menschen die Wahrheit sagen."

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