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Thomas Röhler greift im Speerwurf-Finale nach der Goldmedaille
Thomas Röhler kam bei der EM in Amsterdam nicht an seine Bestleistung heran © Getty Images

Thomas Röhler ging als großer Favorit ins Finale des Speerwerfens, doch der Mann aus Jena enttäuschte bitterlich. Ein Außenseiter wird Europameister.

Thomas Röhler schüttelte immer wieder den Kopf - er konnte es einfach nicht fassen. Der große Favorit im Speerwurf enttäuschte bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam auf ganzer Linie und musste sich am Ende mit nur 80,78 m über Platz fünf ärgern.

Weil 90-Meter-Mann Röhler im Olympiastadion seine Form überhaupt nicht abrufen konnte, sicherte sich der neue Überraschungs-Europameister Zigismunds Sirmais aus Lettland (86,66) Gold. Silber holte Tschechiens Ex-Weltmeister Vitezslav Vesely (83,59), Titelverteidiger Antti Ruuskanen aus Finnland wurde Dritter (82,44).

Röhler haderte früh mit sich und seiner Vorstellung. Schon nach den ersten Versuchen tigerte er nervös herum, zuckte hilflos mit den Achseln und gab sich nur noch Rätsel auf. Dabei wollte sich der 24-Jährige doch endlich die erste Medaille bei einer großen Meisterschaft holen.

Röhler versagt im entscheidenden Moment

Röhler war nach seinem ersten 90-Meter-Wurf der Karriere selbstbewusst nach Amsterdam gefahren, er ließ vor dem Finale keine Zweifel an seiner Gold-Mission aufkommen. "Ich habe das Ziel, hier richtig weit zu werfen", hatte er gesagt. Und wenn Röhler weit wirft, ist er im Moment einfach nicht zu stoppen. Doch der Sport- und Wirtschaftsstudent aus Jena konnte seine überragende Form ausgerechnet im entscheidenen Moment nicht abrufen. Und so war die eigentliche Nummer eins der Speerwurf-Welt (91,28 m) am Ende der Geschlagene.

In der Qualifikation am Mittwoch hatte er noch einen so souverän Eindruck hinterlassen, mit 83,98 m im ersten Versuch locker das Weiterkommen gesichert. "Das war eine super Probe für das Finale", sagte er anschließend. Doch dann klappte es doch nicht mit dem großen Wurf.

Und so verpasste es der Hobby-Fotograf und begeisterte Fliegenfischer, vor dem Saisonhighlight in Rio ein Ausrufezeichen zu setzen. Im Speerwurf "spielt in Europa die Musik", sagte Röhler. Aber inAmsterdam gaben andere den Takt vor. Vielleicht ist Röhler für die Olympischen Spiele jetzt aber auch umso motivierter. Die EM sollte ohnehin nur eine Durchgangsstation sein. "Alles ist auf Rio ausgerichtet", hatte er vorher gesagt. An der Copacabana will er nun mit aller Macht nachholen, was er in Amsterdam verpasst hat.

Heinle im Schatten von Rutherford

Weitspringer Fabian Heinle (Stuttgart) hat sich beim nächsten Gold-Coup von Greg Rutherford bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam Platz sechs gesichert. Der 22-Jährige blieb mit 7,87 m unter seinen Möglichkeiten. Olympiasieger und Weltmeister Greg Rutherford (Großbritannien) verteidigte seinen Titel mit 8,25 m und holte sich das vierte Gold in den letzten vier Jahren ab.

Silber gewann der Schwede Michel Torneus (8,21) vor Lokalmatador Ignisious Gaisah (7,93). Der deutsche Meister Alyn Camara (Leverkusen) war in der Qualifikation gescheitert.

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