vergrößernverkleinern
Alfons Hörmann ist seit Anfang Dezember 2013 Präsident des DOSB

Bei aller Freude über die Erfolge der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sieht Alfons Hörmann darin auch eine Gefahr für die gesamte deutsche Sportlandschaft.

"Wir müssen uns alle fragen, ob nicht ein Ungleichgewicht erreicht ist, das Anlass zu großer Sorge gibt. Wird unsere Sportlandschaft nicht fast zu sehr vom Fußball geprägt?", sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der Fußball habe hierzulande den ersten Zugriff "auf alles", so Hörmann, nicht nur auf Talente, Sponsoren und Medien.

"Man hat den Eindruck, dass beim Fußball die Politiker sogar vor der Kabine Schlange stehen, während andere Sportarten froh wären, wenn sie überhaupt ins Stadion kämen", sagte Hörmann vor der DOSB-Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Dresden.

Durch die deutsche Beteiligung an der Ausrichtung der paneuropäischen EM-Endrunde 2020 und der möglichen Ausrichtung der EM 2024 werde sich dieser Trend sogar noch verstärken, glaubt Hörmann.

"Man muss kein Prophet sein, um vorauszusagen, dass der deutsche Fußball damit künftig noch präsenter sein wird, wodurch sich das Ungleichgewicht noch verstärkt", so der DOSB-Chef.

Angesichts der Fußball-Übermacht befürchtet Hörmann in der öffentlichen Wahrnehmung einen Absturz des Restsports in die Bedeutungslosigkeit. "Wenn nicht gekonnte strategische Impulse gesetzt werden, könnte das in zehn, fünfzehn Jahren Fakt sein", glaubt der 54 Jahre alte Allgäuer.

Um dem entgegenzuwirken, "eignen sich Olympische Spiele perfekt", sagte Hörmann, "darum muss, wer die Vielfalt des Sports erhalten will, Olympia stärken". Olympische Spiele sicherten "allen anderen Sportarten auf dem Weg zu den Spielen und danach ein neues Niveau der Wahrnehmung".

Hörmann sieht den Leistungssport "am Scheideweg", eine Neuorientierung erfordere deutlich mehr finanzielle Mittel. Generiert werden könnten diese durch Einkünfte aus Sportwetten.

"Wenn die Bundesländer ihre Hausaufgaben machen würden, wären schnell zehn, zwanzig, dreißig Millionen pro Jahr zusätzlich verfügbar", sagte Hörmann.

Diese Mittel sollten gezielter als bisher zur Förderung eingesetzt werden. "Wo die Voraussetzungen erkennbar nicht gegeben sind, weltweit konkurrenzfähig zu sein, und wo ein erfolgreicher Ligabetrieb fehlt, sollte man nicht fördern. Das gilt auch für olympische Sportarten", so Hörmann.

Sollte es jedoch bei der bisherigen Höhe der Mittel für die Sportförderung bleiben, "wird es zu schmerzvollen Entscheidungen kommen. Das muss nicht immer ganze Sportarten betreffen. Möglicherweise geht es um einzelne Disziplinen", betonte Hörmann.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel