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München - Der Tod des mexikanischen Wrestlers El Hijo Del Perro Aguayo führt die Risiken des Wrestlings vor Augen. Ein etwaiges WWE-Engagement von Tim Wiese erscheint in neuem Licht.

Es sah zunächst alles aus wie abgesprochen.

Hilflos hing El Hijo del Perro Aguayo in den Ringseilen. So wie es Rey Mysterios Kontrahenten üblicherweise tun, bevor er zu seinem Finisher, dem 619 ansetzt.

Dafür wirft sich der maskierte Mysterio in die Seile und schwingt sich unter dem Jubel tausender Fans mit den Beinen voraus in das Gesicht des Kontrahenten. Mit diesem Move wurde der Mexikaner unter anderem Publikumsliebling in der größten Wrestlingliga der Welt, der US-amerikanischen WWE.

Abtransport auf einem Holztisch

Doch an diesem Kampfabend im mexikanischen Tijuana, Mysterios Comeback in der unabhängigen Wrestlingliga CRASH, wich die Euphorie der Fans schnell entsetztem Schweigen.

Denn auch nach Mysterios Aktion blieb der in Mexiko landesweit bekannte Wrestler in den Seilen hängen. Und das, obwohl der Tritt des Ex-WWE-Stars ihn verfehlte - Mysterio hatte schon gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Und als Aguayos Tag-Team-Partner Manik an ihm rüttelte, aber keine Reaktion erfolgte, wurde den Beteiligten endgültig die tatsächliche Dramatik der Situation bewusst.

Vom medizinischen Personal wurde Aguayo auf einem Holztisch aus dem Innenraum der Arena befördert. Eine Liege war zunächst wohl wegen eines zuvor verletzten Kämpfers belegt.

Herzstillstand als Todesursache

Im Krankenhaus konnte schließlich nur noch Aguayos Tod festgestellt werden, laut des behandelnden Arztes wegen eines Herzstillstands in Folge eines Wirbelsäulentraumas.

Wann genau die tödliche Verletzung geschah, ist noch nicht bekannt.

Möglicherweise hat sich Aguayo beim Aufprall mit dem Hals auf das harte Stahlseil das Genick gebrochen. Möglich ist aber auch eine Verletzung aus einer Aktion zuvor oder bei der Landung von Manik auf dem schwingenden Seil unmittelbar neben Aguayo.

Rey Mysterio reagierte im Ring geschockt. "Ich hatte die Ehre, den Ring mit Hijo Del Perro Aguayo erstmals bei seinem Debüt als Profi-Wrestler zu teilen, und es ist eine Ehre, ein letztes Mal mit dieser großartigen Legende im Ring gewesen zu sein. Wir werden dich vermissen, Perro", schrieb er nach dem Unglück bei Instagram.

Derweil wurden Ermittlungen bezüglich der verspäteten Notfallmaßnahmen in der Halle eingeleitet.

Alex Wright: "Knallharter Profisport"

Aguayos tragischer Tod führte einmal mehr vor Augen, dass Wrestling trotz aller Show und Choreografien ein Vollkontaktsport mit entsprechenden Risiken ist.

So wird auch Tim Wieses mögliches Engagement in der WWE ins rechte Licht gerückt. Sollte Wiese tatsächlich in den Ring steigen wollen, würde das vor allem eine seriöse Vorbereitung verlangen. Als bloße Marketing-Bühne ist der Wrestling-Ring das falsche Pflaster.

"Knie, Rücken, Halswirbelsäule, Ellbogen, alles wird in Mitleidenschaft gezogen", sagte Alex Wright im SPORT1-Interview. Der Deutsche hat professionell in der WCW gewrestlet und bewertete einen möglichen Einstieg von Wiese in der WWE: "Es ist ein ganz knallharter Profisport, genauso wie Fußball. Du bist unheimlich viel auf Tour und musst mental und körperlich gut haushalten."

Aguayo ein erfahrener Wrestler

Dazu gehört es auch, Stürze, Würfe und Tritte mit der richtigen Falltechnik abzufedern. Das erfordert jahrelanges Training, und selbst dann sind schwere Verletzungen nicht ausgeschlossen. Aguayo war Vollprofi, absolvierte hunderte Kämpfe im Jahr. Als Sohn der Lucha-Libre-Legende Perro Aguayo kannte er den Sport und das Business in allen Facetten.

"Es ist ein bedauerlicher und unglücklicher Unfall", sagte der mexikanische Wrestler Mario Flores auf einer Pressekonferenz nach Aguayos Tod. Ein Unfall, der in all seiner Brutalität wieder vor Augen geführt hat, dass das Risiko immer mit in den Ring steigt.

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