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Günter Younger
Günter Younger hält einen schnellen Wandel in Russland für unmöglich © Getty Images

Ein deutscher WADA-Ermittler glaubt, dass die Betrugskultur in Russland lange überleben wird, plädiert aber für eine faire Chance - und fordert mehr Geld.

Der Münchner Polizist Günter Younger, Mitglied der unabhängigen Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA, glaubt nach den Enthüllungen über systematische Dopingverstöße in Russland nicht an einen schnellen Wandel im Riesenreich.

"Die Betrugskultur zu entwurzeln, wird Jahrzehnte dauern", sagte Younger der Süddeutschen Zeitung: "Da muss man auch fair sein und dem Land Zeit geben."

Younger und seine Mitstreiter hatten unter anderem systematische Dopingverstöße unter Einfluss der Politik in Russland festgestellt.

Als Folge wurde unter anderem die russische Agentur RUSADA suspendiert. Durch die Suspendierung darf Russland für die Dauer der unbefristeten Sperre keine internationalen Sport-Großereignisse veranstalten und auch nicht an solchen teilnehmen. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF schloss Russland bereits aus.

Mehr Geld für die WADA gefordert

Die WADA sieht Younger im Kampf gegen Doping schlecht aufgestellt. "Wenn ich lese, dass die WADA mit 26 Millionen Dollar pro Jahr auskommen muss, während das IOC Milliarden einstreicht - da hoffe ich, dass die Agentur aufgerüstet wird", sagte der 48-Jährige, der in Kenia ebenfalls dringenden Handlungsbedarf sieht: "Mit dem gleichen Aufwand, den wir in Russland betrieben haben."

WADA-Präsident Craig Reedie hatte unlängst jedoch angekündigt, trotz der anhaltenden Doping-Problematik in der kenianischen Leichtathletik vorerst keine neue Kommission zur Untersuchung der Lage in dem afrikanischen Land zu planen.

Younger zeigte Verständnis für diese Aussage, "eine derartige Ermittlungskommission kostet viel Geld." Es stehe derzeit aber die Glaubwürdigkeit des gesamten Sports auf dem Spiel. "Ich sehe bei Kenia einige Hinweise, da würde ich als WADA sofort sagen: Das sollte unser nächstes großes Ziel sein."

Die WADA hatte Kenia unlängst bereits damit gedroht, dass das Land von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden könne, sollte es nicht ernsthafter gegen Doping vorgehen. Seit 2012 wurden 38 kenianische Leichtathleten positiv auf verbotene Substanzen getestet.

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