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Sylvia Schenk sieht bereits Verbesserungen in der FIFA
Sylvia Schenk war in den 70er-Jahren im 800-Meter-Lauf erfolgreich © Getty Images

Im Kampf gegen Doping im Leistungssport setzt sich Governance-Expertin Sylvia Schenk für einen kompletten Umbruch ein. Das aktuelle System sieht sie als gescheitert an.

Governance-Expertin Sylvia Schenk fordert "eine völlige Überarbeitung und Neuaufstellung des Anti-Doping-Kampfes im internationalen Spitzensport".

Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst SID setzte sich die Leiterin der Arbeitsgruppe Sport bei Transparency International Deutschland (TID) einen Tag nach dem Verzicht des IOC auf Russlands Generalausschluss für die Einberufung eines Gipfels unabhängiger Fachleute ein. Außerdem plädierte Schenk vehement für eine grundsätzliche Begrenzung politischer Einflüsse auf den Sport.

"Das ganze System zur Doping-Bekämpfung muss überarbeitet werden. Dieser Vorgang zeigt doch, dass der Anti-Doping-Kampf an seine Grenzen gestoßen ist. Das Schlimme ist, dass man in Rio doch selbst ohne Russen in keinem Wettkampf glauben kann, dass Medaillengewinner und andere Teilnehmer sauber sind", sagte Schenk. Wesentlicher Bestandteil einer Problemlösung muss aus Sicht der früheren Leichtathletin "die Entpolitisierung des internationalen Spitzensports sein".

Durch die Verflechtungen von Sport und Politik "ist Sport längst nicht mehr nur Sport. Politische Exzesse treiben doch längst schon alle möglichen Blüten."

Gerade hinsichtlich des Politik-Einflusses sei die Diskussion in der Russland-Causa paradox: "Man beklagt bei den Russen die Einmischung der Politik, aber in den Aufsichtsgremien der Anti-Doping-Agenturen sitzen oft zur Hälfte Politiker." Die internationale Kritik an der IOC-Entscheidung will Schenk nicht teilen: "Was hätte eine als Signal zu verstehende Entscheidung genützt, wenn sie von Gerichten eingefangen worden wäre? Mir scheint der Weg des IOC rechtlich in Ordnung, besonders auch, weil die Rechte des Einzelnen beachtet wurden."

Die Bloßstellung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA sowie 14 nationaler Anti-Doping-Agenturen durch den IOC-Beschluss sieht Schenk nicht als schweren Schaden für die Dopingbekämpfung an: "Die Anti-Doping-Agenturen wollten mit ihrer Forderung doch nur ihr gescheitertes System retten. Sie haben doch nicht einmal ihre Labore und Kontrollen im Griff." Zur Behebung vermeintlich struktureller Fehler im Anti-Doping-Kampf rät Schenk dem Sport, Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen: "Es muss alles noch einmal auf den Kopf gestellt werden. Am besten wäre ein Gipfel über drei oder vier Tage, auf dem absolut Außenstehende oder besser noch Querdenker noch einmal völlig neue Ideen entwickeln."

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