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Le Mans
84 Menschen kamen in der Feuerhölle von Le Mans ums Leben © Imago

Vor der 83. Auflage des 24-Stunden-Rennens in Le Mans werden Erinnerungen an die größte Tragödie des Motorsports wach. Sie führte zu großen Veränderungen.

Es war 18.26 Uhr, als auf dem Circuit des 24 Heures von Le Mans die Hölle losbrach. Der Franzose Pierre Levegh rast an jenem 11. Juni 1955 auf die Start-Ziel-Gerade zu, mit 250 km/h steuert er seinen Mercedes 300 SLR vorbei an den Zuschauerrängen, da entfacht eine kurze Kette verhängnisvoller Ereignisse ein verheerendes Flammenmeer.

Der Austin von Lance Macklin wird nach einem Ausweichmanöver zur Sprungschanze für Levegh, dessen Bolide schießt in die Höhe. Blech, Vorderachse, Reifen und Motor lösen sich, fliegen wie Geschosse über die Balustrade in die Zuschauer und hinterlassen eine Schneise des Todes. Der Tank explodiert, der Motorblock landet in 100 Metern Entfernung.

Neue Zeitrechnung beginnt

60 Jahre ist es nun her, dass Levegh und 83 Zuschauer bei den düstersten 24 Stunden von Le Mans ihr Leben ließen - und eine neue Zeitrechung begann. Der schlimmste Unfall, den der Motorsport je hat erleiden müssen, führte in den folgenden Jahren zu tiefgreifenden Veränderungen. Doch der Mythos Le Mans lebt weiter.

Am Wochenende erlebt das wichtigste Langstreckenrennen seine 83. Ausgabe, die hochentwickelten Prototypen gehören zu den größten Attraktionen, die der moderne Motorsport zu bieten hat. Damals, 1955, genossen die 24 Stunden trotzdem noch größere Bedeutung als heute. Vor 60 Jahren waren Männer wie Juan-Manuel Fangio, Stirling Moss und Mike Hawthorn, der in seinem Jaguar D-Type die Katastrophe mit einem unbedachten Manöver auslöste, am Start auf dem 13,6 km langen Rundkurs.

Unvorstellbares Grauen

250.000 Zuschauer waren an der Strecke, das Fernsehen übertrug erstmals live - und die TV-Zuschauer sahen Bilder unvorstellbaren Grauens. Die Organisatoren überforderte das Unglück völlig. Nur sechs Krankenwagen waren vor Ort. Zerfetzte und verbrannte Körper wurden mit Werbebanden zugedeckt, Verletzte in den Trucks der Rennställe in Krankenhäuser gefahren. Und das Rennen wurde einfach fortgeführt, damit, so der damalige Rennleiter Charles Faroux, "abstrebende Massen nicht die Zufahrtswege für die Ambulanzen verstopfen".

Mercedes nahm die verbliebenen beiden Autos diskret in der Nacht aus dem Rennen und kehrte nach Deutschland zurück, schockiert, traumatisiert. Am Ende der Saison gab es den großen Schnitt, die Stuttgarter zogen sich weitgehend aus dem Motorsport zurück und kehrten erst 1988 zurück. Der Unfall bestärkte Mercedes in der Entscheidung, der Hauptgrund war er aber wohl nicht. Zumindest die Entscheidung zum Rückzug aus der Formel 1 soll schon Monate zuvor gefallen sein.

Lehren aus Le Mans

Die Sicherheit wurde von nun an kontinuierlich erhöht. "Natürlich hat es ein Davor und ein Danach gegeben. Im Rückblick müssen wir zugeben, dass die Sicherheitsmaßnahmen damals mit der Entwicklung der Boliden nicht Schritt gehalten hat", sagt Fabrice Bourigault, einer der Verantwortlichen des veranstaltenden Automobilklub des Westens.

Zu den spektakulärsten Änderungen gehört der 1970 abgeschaffte "Le-Mans-Start", bei dem die Piloten quer über die Fahrbahn liefen, um ihre Autos zu erreichen. Letztlich war es Jacky Ickx, der 1969 mit einer spektakulären Aktion die Änderung einleitete. Der Belgier wartete, bis alle Autos gestartet waren, ging dann seelenruhig über die Fahrbahn und fuhr in Ruhe los - und gewann.

Mercedes konzentriert sich inzwischen längst wieder auf die Formel 1 und die DTM. Die Langstrecken überlassen sie Audi und Porsche. Die Zuffenhausener sind Rekordhalter mit 16 Titeln, Titelverteidiger Audi bringt es auf 13.

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