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Die Fans in Südamerika sind motorsportverrückt - und begeben sich manchmal in große Gefahr © Getty Images

Die Rallye Dakar hat ihr 67. Todesopfer zu beklagen. Die Organisatoren scheinen nicht zu lernen - doch die Zuschauer bringen sich auch selber in Gefahr.

Es ist schon wieder passiert, zum 67. Mal.

Ein 63 Jahre alter Fan der Rallye Dakar wurde am Samstag bei Kilometer 82 der Wertungsprüfung zwischen Uyuni/Bolivien und Salta/Argentinien vom heranrasenden Franzosen Lionel Baud erfasst. Für den Zuschauer kam jede Hilfe zu spät.

Nach dem 67. Todesfall in 38 Auflagen der Traditions-Rallye beherrscht einmal mehr die Sicherheits-Debatte die Schlagzeilen, ist wieder der Sport in den Hintergrund gedrängt.

Keine Erklärungen, keine Lösungsansätze

Der Veranstalter ASO äußerte sich zum Vorfall bislang nur sporadisch - eine kurze Pressemitteilung mit Trauerbekundungen - und dann kehrte man wieder zum Alltag zurück. Die Etappe wurde normal beendet, nur bei den Motorrädern war nach dem ersten Teil der Wertungsprüfung aufgrund eines Unwetters vorzeitig Schluss.

Die ASO nannte weder Details zum Unfall noch Informationen, wie derartige Zwischenfälle künftig vermieden werden sollen. 

Klar ist derzeit nur, dass der Zuschauer alleine unterwegs war. Ob er sich zum Zeitpunkt des Unfalls auf der Rennstrecke befand, oder ob Lionel Baud im erneut schweren und nassen Terrain die Kontrolle über seinen Mitsubishi verlor und von der Piste abkam, sollen die bolivianischen Behörden klären.

Die ASO hält sich in typischer Manier aus den Ermittlungen zurück. Sollten sie gerade dabei sein, fieberhaft ein besseres Sicherheitskonzept auszuarbeiten: Zu merken ist es nicht.

Gegenverkehr bei Wertungsprüfung

Schon beim Prolog am vergangenen Samstag war es zu einem Zwischenfall gekommen, als die Chinesin Guo Meiling im Mini von der Strecke abkam und mehrere Zuschauer verletzte - drei von ihnen schwer.

Und auch die Zustände bei der siebten Etappe am Samstag waren chaotisch.

Bei der Zielankunft fanden sich die Piloten nach kräftezehrenden 336 km gegen die Uhr und vielen weiteren auf der Straße plötzlich in einer Menschenmenge wieder. Die Fahrer wurden von Fans, unter ihnen zahlreiche Kinder, umzingelt, fotografiert und steckten teils minutenlang fest. Sicherheitskräfte suchte man zu diesem Zeitpunkt vergebens.

Die ersten Kilometer der Wertungsprüfung am Morgen führten zudem über eine öffentliche Schotterstraße, die vom Gegenverkehr frei befahrbar war.

Fremde, gefährliche Welt

Die generelle Frage ist, ob das Sicherheits-Dilemma der Rallye überhaupt zu lösen ist: Mehrere hundert Kilometer lange Pisten ganz abzusichern, ist logistisch kaum möglich. Und es sind auch die Fans selber, die die schnellen Autos, Motorräder, Trucks und Quads nicht einschätzen können und sich dadurch leichtsinnig in Lebensgefahr bringen. 

"Die Zuschauer tauchen an den ungewöhnlichsten Stellen auf und feuern uns an, dabei ist das extrem gefährlich", sagte kürzlich der spanische Mini-Pilot Nani Roma in Argentinien. Für die sportbegeisterte Bevölkerung in Südamerika ist die Dakar vor allem ein riesiges Spektakel, ein Einblick in eine für viele völlig fremde PS-Welt.

Eine überaus gefährliche.

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