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Matthias Dolderer führt vor dem Saisonfinale des Red Bull Air Race die Gesamtwertung an © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/Imago/Getty Images

München und Indianapolis - Matthias Dolderer steht im Red Bull Air Race vor dem größten Triumph seiner Karriere. Im SPORT1-Interview erklärt er sein Erfolgsgeheimnis und spricht über das Risiko.

Matthias Dolderer steht vor dem größten Triumph seiner Karriere.

Der 46-Jährige geht als Gesamtführender in das vorletzte Wochenende des Red Bull Air Race in Indianapolis (Sonntag, ab 21 Uhr LIVE im TV auf SPORT1). Im SPORT1-Interview spricht Dolderer über die Faszination an seinem Sport, Rituale vor dem Rennen und seinen Umgang mit dem Risiko.

SPORT1: Herr Dolderer, das Red Bull Air Race gastiert zum ersten Mal in Indianapolis. Haben Sie sich schon mit der Strecke vertraut gemacht?

Matthias Dolderer: Der Track sieht ganz okay aus und hat gewisse technische Raffinessen. Bei einer neuen Strecke ist es immer eine Herausforderung, den schnellsten Weg zu finden. Das gilt für alle und ist etwas anderes als bei einer Rennstrecke, die fest im Boden betoniert ist. Bei uns wird ein neuer Kurs den äußerlichen Gegebenheiten angepasst. Unsere Fliegerei ist - stärker als im Autosport - vom Wind beeinflusst. Wir haben drei Dimensionen. Und das macht es zu einer riesigen Herausforderung, das letzte Tausendstel herauszuholen.

SPORT1: In der Gesamtwertung führen Sie mit 65,25 Punkten souverän vor Ihrem Verfolger Matt Hall (48,75 Punkte). Was kann mit Blick auf den Titel noch schiefgehen?

Dolderer: 16,5 Punkte Vorsprung sind nicht die Welt. Das ist mehr als ein Rennen und ich möchte den Vorsprung vor Matt natürlich halten. Alles kann passieren, nichts ist garantiert, denn jedes Rennen hat seine eigenen Gesetze. Der Fokus liegt auf Indianapolis und wir fangen jetzt nicht an zu rechnen.

SPORT1: Blenden Sie den großen Erfolg, der das Highlight Ihrer Karriere wäre, etwas aus?

Dolderer: Absolut. Es bringt nichts, an etwas zu denken, was morgen sein könnte. Man muss in der Fliegerei im Hier und Jetzt sein und nicht irgendwo in der Zukunft.

SPORT1: Bekommt man das ganze Drumherum und die Fans überhaupt mit, wenn man fliegt?

Dolderer: Wenn man in der Luft ist, bekommt man nichts mit, aber Indianapolis an sich ist eine sehr traditionsreiche Strecke. Das ist eine Motorsport-Stadt. Die Stimmung hier ist schon etwas Besonderes, eben auch wegen der Indy 500 und dem Bekanntheitsgrad von Indianapolis. Für uns Piloten ist es super cool, hier überhaupt fliegen zu dürfen. Das merkt man schon auch am Boden, dass alle begeistert sind. Vor und nach dem Flug beflügelt die Stimmung einen natürlich.

SPORT1: Haben Sie ein besonderes Ritual vor jedem Rennen?

Dolderer: Vor dem Rennen schaut man, dass man sich immer etwas zurückzieht und in seine Wohlfühlzone kommt. Es gilt, in den letzten Gedanken den Track abzufliegen und sich mit dem Renningenieur bezüglich der letzten Feinheiten abzusprechen. Für mich ist es immer wichtig, dass ich vorher Spaß habe. Ich spiele davor immer ein bisschen Darts und versuche einfach im Hier und Jetzt zu sein. Das gelingt ganz gut.

SPORT1: Was macht für Sie generell die Faszination am Red Bull Air Race aus?

Dolderer: Es ist zum einen das Fliegen an sich. Der Wettbewerb gegen die Anderen. Dann ist es die Geschwindigkeit und die hohe Präzision. Die G-Kräfte und in geringer Höhe durch Hindernisse zu fliegen - das gibt schon einen großen Kick. Die Gefahr ist ziemlich niedrig, da die Hindernisse flexibel sind und platzen würden, wenn man dort hineinfliegen würde. Das Red Bull Air Race ist eine Kombination aus Fliegen, Motorsport und weltweiten Reisen. Es ist einzigartig in dieser Form der Fliegerei, es gibt nichts Vergleichbares.

SPORT1: Wie gehen Sie mit dem Risiko um?

Dolderer: Eine unserer großen Aufgaben ist es natürlich, das Risiko soweit es geht auszuschließen. Es gibt kaum eine andere Situation, wo ich mich so sicher fühle. Es ist eine ganze Maschinerie drum herum, die auf einen aufpasst. Die Flieger sind bestens gewartet. Wenn sich Mensch und Maschine gemeinsam bewegen, besteht natürlich immer die Gefahr, dass einer von beiden versagen kann. Ich mache mir vorher Gedanken, was ich mache, wenn der Motor an einer bestimmten Stelle stehen bleiben würde. Man erkundigt sich über das Wetter und wie viel Benzin ich mitnehmen muss. Ein gewisses Risiko fliegt immer mit, aber nicht nur von unserer Seite, sondern auch von der Organisation, wie der Rennkurs gebaut ist, was an Technik zugelassen ist und was nicht.

SPORT1: Einer ihrer Konkurrenten, Hannes Arch, ist im September bei einem Helikopterabsturz ums Leben gekommen. Wie haben Sie von dem Unfall erfahren und inwieweit hat Sie das auch betroffen gemacht?

Dolderer: Es hat uns alle sehr betroffen gemacht, Hannes war ein guter Freund und ein lebensfroher Kollege. Es war ein großer Schock für uns alle. Im Endeffekt muss jeder von uns das für sich verarbeiten. Für uns geht das Leben weiter und wir haben Hannes natürlich in Gedanken bei uns. Wir machen mit dem Air Race weiter, weil er der Letzte gewesen wäre, der gesagt hätte, dass wir nicht weitermachen sollen. The show must go on.

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