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München - Marylin Niederhauser ist eine von drei Fahrerinnen, die in der Formel 4 auf den Durchbruch zur großen Profikarriere hoffen. Der Konkurrenzkampf ist groß, die Vorurteile auch.

Von Martin Jahns und Moritz Blume

Als wäre die Aufgabe auf dem Asphalt nicht hart genug: Marylin Niederhauser kämpft in der Formel 4 (ab Sa., 11.45 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) nicht nur um den Sprung in den Profi-Motorsport, sondern auch gegen Vorurteile.

Mit ihren 19 Jahren hat die Schweizerin schon die chauvinistische Seite des Motorsports kennengelernt. Trotz einer Formel-1-Teamchefin Monisha Kaltenborn. Trotz einer Williams-Testfahrerin Susie Wolff.

"Man muss sich als Frau mehr beweisen"

"Typisch ist: 'Eine Frau im Motorsport, was will die da? Das ist gar nichts für die'", beschreibt Niederhauser bei SPORT1 die Reaktionen einiger männlicher Kollegen.

Tatsächlich ist der Einstieg für Mädchen und Frauen in den Motorsport nicht leicht: "Man muss sich als Frau mehr beweisen als als Mann. Es braucht schon Kraftaufwand. Das sind Muskeln und Kräfte, die man sonst nirgends braucht. Das ist schon anspruchsvoll, aber warum darf eine Frau nicht in den Motorsport?"

Immerhin: In der ADAC Formel 4 ist sie keine Einzelkämpferin. Mit ihr und den beiden Teenagerinnen Michelle Halder und Carrie Schreiner gehen gleich drei Fahrerinnen an den Start.

Für Niederhauser das normalste der Welt: "Ich bin einfach der Meinung, wenn es mir oder den anderen zwei Fahrerinnen Spaß macht, dann ist das unsere Entscheidung. Was die anderen über mich denken, nimmt mich nicht groß mit."

Später Start in die Karriere

Marylin Niederhauser
Marylin Niederhauser steht vor ihrer ersten Saison in der ADAC Formel 4 © Wolfgang Koepp

Die Assistentin in einem Immobilienbüro lässt sich auf ihrem Weg nach oben nicht beirren. 2010 stieg Niederauser mit 14 Jahren in den Kartsport ein. Relativ spät für angehende Rennfahrer.

"Das waren Mietkarts auf der Indoor-Kartbahn. Irgendwann haben wir gesagt, jetzt möchten wir ein Rennkart kaufen", erinnert sie sich. "Wir", das war Niederhausers Familie: Ihr Vater und ihr Schwager infizierten sie mit dem Motorsportvirus und begleiteten sie auf ihrem Weg: "Ich bin die Schweizer Meisterschaft gefahren, die Deutsche Meisterschaft gefahren und auch die Europameisterschaft."

Nun geht es in der Formel 4 um den Schritt in den großen Profirennsport. Schon Michael Schumacher und Sebastian Vettel verdienten sich ihre Meriten in ADAC-Juniorenklassen.

Zweijahresplan in der Formel 4

Doch der Konkurrenzkampf ist hart: 42 Kontrahenten sehen in der neugeschaffenen Formel-Klasse ihren Türöffner zum Profisport, einige davon sind vier Jahre jünger als Niederhauser.

Die Schweizerin will dennoch nichts überstürzen: "Es ist mein erstes Jahr in der Formel 4. Ich denke es wird ein Lehrjahr sein. Es braucht sehr viel Übung, viel Training." Im Jahr darauf wolle sie mit ihrem Team Race Performance angreifen. Dann sei sie bereit "nach vorne zu gehen und Ziele zu erreichen".

Platzierungen im vorderen Mittelfeld peilt Niederhauser an, und nach dem Zweijahresplan in der Formel 4 den nächsten Schritt. Wohin genau, lässt Niederhauser noch offen: "Wir sind zuversichtlich, dass es Richtung Profisport geht. Aber ich weiß noch nicht in welche Richtung."

Egal wohin die Reise dann geht. Den Respekt im Paddock dürfte sich Niederhauser bis dahin erarbeitet haben.

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