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Mikaela Ahlin-Kottulinsky fährt seit dieser Saison im ADAC GT Masters © SPORT1 Grafik: Philipp Heinemann/dpa Picture Alliance

München - Mikaela Ahlin-Kottulinsky ist eine Spätzünderin im Motorsport. Doch dank guter Gene gelingt ihr Historisches. Nun will sie im ADAC GT Masters ihr Talent beweisen.

Nein, von Motorsport wollte Mikaela Ahlin-Kottulinsky lange Zeit nichts wissen - und das, obwohl ihre ganze Familie aus erfolgreichen Rennfahrern besteht.

Doch die heutige ADAC-GT-Masters-Pilotin (1. Rennen am Lausitzring Sa., ab 13 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und LIVESTREAM) mit deutschen Wurzeln hörte lieber im Auto Barbie-Geschichten, während ihre Eltern Bruder Fredrik auf der Kartbahn anfeuerten.

Das änderte sich, als ihr Bruder sein Go-Kart verkaufen sollte. Da es die Schwedin gewohnt war, seine ausgemusterten Sachen zu bekommen, meldete sie Anspruch auf das Kart an.

Historischer Sieg vor zwei Jahren

Ahlin-Kottulinsky war dabei aber alles andere eine Senkrechtstarterin im Motorsport, wie sie bei SPORT1 offen zugibt: "Am Anfang war ich wirklich nicht schnell. Ich habe nur Halbgas auf der Geraden gegeben."

Dank ihrer Sturheit ließ sie sich aber auch von anfänglichen Misserfolgen nicht entmutigen und gewann nach zwei Jahren ihr erstes Go-Kart-Rennen.

Vor zwei Jahren feierte die Blondine dann ihren größten Erfolg und gewann auf dem Norisring als erste und einzige Frau ein Rennen im Volkswagen Scirocco R-Cup.

Damit trat sie endgültig in die Fußstapfen ihres Großvaters. Der in München geborene Freddy Kottulinsky hatte 1980 bei der Rallye Dakar triumphiert.

"Frauen brauchen etwas mehr Zeit"

Mit diesem Sieg hob sich Ahlin-Kottulinsky von vielen talentierteren Frauen ab, die im Kart Siege einfahren, sich aber im Rennauto nicht behaupten können.

Die 22-Jährige hat eine Idee, woran das liegen könnte: "Wir Frauen brauchen etwas mehr Zeit als die Männer - so ist es zumindest bei mir. Aber je höher du fährst, desto teurer wird es. Daher ist es im Tourensport schwieriger, mehrere Jahre zu fahren als im Go-Kart."

Dank ihrer engen Zusammenarbeit mit Audi Schweden - sie hält Vorträge und gibt Fahrtrainings - bekommt Ahlin-Kottulinsky diese Extra-Zeit. Hat sie die Grenzen ihres Autos dann gefunden, spult sie Topzeiten in beeindruckender Konstanz ab.

Große Umstellung auf ADAC GT Masters

Ein Podium und zwei schnellste Rennrunden im Audi Sport TT Cup 2015 brachten der Freundin von Formel-1-Fahrer Max Verstappen in diesem Jahr den Aufstieg ins ADAC GT Masters.

Eine große Umstellung für sie: "Ich bin bisher nur Frontantrieb gefahren. Der Fahrstil ist komplett anders, wenn man es mit Heckantrieb vergleicht. Auch mit einem Teamkollegen nach der Rennhälfte zu tauschen ist neu für mich."

Ihr Audi R8 LMS ist zwar schnell in den Kurven, doch auf den Geraden fehlt etwas Speed, was Überholmanöver schwer macht. Umso mehr, da das Niveau im ADAC GT Masters extrem hoch ist. "Es ist eine der härtesten Rennserien der Welt. Es sind wirklich sehr gute Fahrer und Fahrerinnen dabei", sagte Ahlin-Kottulinsky.

Über die Beziehung zu Jungstar Verstappen will sie sich ohnehin nicht definieren, die selbstbewusste Frau zieht im Motorsport ihr eigenes Ding durch: "Unsere Beziehung ist Privatsache, aber Tipps kann er mir schon geben."

DTM heißt das große Ziel

Bisher schlug in dieser Saison nur ein 17. Rang im zweiten Rennen in Oschersleben als beste Platzierung zu Buche. Doch Ahlin-Kottulinsky, die sehr gut Deutsch spricht, lässt sich davon nicht beunruhigen.

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Sie hat einen genauen Zeitplan im Kopf: "Mein Plan ist, drei Jahre GT Masters zu fahren. Das erste Jahr ist ein Lehrjahr. Im nächsten Jahr will ich in die Top Ten und im dritten Jahr dann um Podiums und Siege fahren."

Läuft alles nach Wunsch, soll danach der Sprung in die DTM folgen. Denn ihr großer Traum ist es, als erste Frau überhaupt diese Serie zu gewinnen. Es wäre nicht das erste Mal, dass Mikaela Ahlin-Kottulinsky Geschichte schreiben würde.

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