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München - Williams will auch in Singapur fleißig punkten. Vorab spricht Susie Wolff über die neue Stärke und schwärmt vom Teamkollegen.

Anfang Juli schrieb Susie Wolff Formel-1-Geschichte.

Als erste Frau seit 22 Jahren nahm die Schottin in Silverstone wieder an einem Grand-Prix-Wochenende teil.

Wenig später blieb sie bei ihrem zweiten Einsatz im Freien Training am Hockenheimring nur knapp drei Zehntel über der Bestzeit des Williams-Teamkollegen Felipe Massa und verdiente sich den Respekt der Konkurrenz.

Seitdem arbeitet die Ehefrau von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff wieder als Testfahrerin im Hintergrund daran, das Williams-Team zurück in die Erfolgsspur zu führen.

Und das mit Erfolg, wie die letzten Ergebnisse des britischen Rennstalls zeigen. Zuletzt landeten Felipe Massa und Valtteri Bottas in Monza hinter den übermächtigen Silberpfeilen auf den Rängen drei und vier - und verdrängten damit Ferrari von Platz drei in der Teamwertung.

Im Interview mit SPORT1 spricht Wolff vor dem Großen Preis von Singapur (Training, Fr. ab 12 Uhr LIVE im TV auf SPORT1) über die Gründe für den Aufschwung, ihren Traum vom ersten Formel-1-Rennen und schwärmt von ihrem Teamkollegen.

SPORT1: Frau Wolff, in der vergangenen Saison lief es für das Williams-Team alles andere als rund, dieses Jahr liegen Sie aktuell auf Rang drei in der Teamwertung. Wie erklären Sie sich den Aufschwung in diesem Jahr?

Susie Wolff: Dafür gibt es viele Gründe. Im letzten Jahr waren wir nicht konkurrenzfähig, haben dafür aber früher mit dem neuen Auto begonnen. Den größten Schritt nach vorne haben wir sicherlich mit dem Wechsel zu den Mercedes-Benz-Motoren gemacht, da hat das Team genau die richtige Entscheidung getroffen. Zudem haben wir wirklich tolle Leute ihm Team. Pat Symmonds, Rob Smedley oder auch Jakob Andreasen, der von Force India kam. Wir sind auf der Strecke wieder schnell geworden und die Ergebnisse sind gekommen. Außerdem haben wir zwei sehr sehr gute Fahrer. Ich glaube Valtteri (Bottas, Anm. d. Red.) hat bewiesen, dass er ein zukünftiger Weltmeisterkandidat ist. Dazu hat Felipe (Massa, Anm. d. Red.) von Ferrari viel Erfahrung mitgebracht.

SPORT1: Williams hat zuletzt verkündet, mit Felipe Massa und Valtteri Bottas auch in die kommende Saison zu gehen. Haben Sie insgeheim vielleicht doch darauf gehofft einen der Plätze zu bekommen?

Wolff: Nein, überhaupt nicht. Ich bin sehr ehrgeizig, aber auch realistisch. Felipe und Valtteri haben in diesem Jahr einen super Job gemacht und es war klar, dass sie bleiben werden.

SPORT1: Dennoch haben Sie aber nach wie vor das große Ziel, einmal in einem Rennen an den Start zu gehen?

Wolff: Ja, ich habe immer gesagt, dass das mein Ziel ist. Mein Ziel ist es aber auch in der Formel 1 zu bleiben. Es gibt so viele gute Fahrer, die um eine Chance in der Formel 1 kämpfen. Ich muss schauen, dass ich meinen Platz verteidige. Wenn ich für ein einzelnes Rennen kämpfen würde, müsste ich vielleicht woanders hingehen. Aber das tue ich nicht, da ich sehr stolz bin, ein Teil von Williams zu sein. Und ich will bei diesem Team bleiben.

SPORT1: Das heißt, ein Wechsel des Teams, um Ihren Traum zu verwirklichen, ist nicht denkbar?

Wolff: Nein. Ich bin oft im Paddock und ich weiß, wo es Möglichkeiten gibt und wo nicht. Und ich sehe derzeit keine andere gute Chance für mich. Wir haben mit Williams dieses Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht und unser Ziel ist es, bald wieder um die Meisterschaft zu kämpfen. Wenn ich dann ein Teil dieses Erfolgs sein könnte, wäre ich sehr glücklich.

SPORT1: Sie sind mit acht Jahren bereits gegen Lewis Hamilton und Nico Rosberg angetreten, jetzt kämpfen die beiden Mercedes-Teamkollegen um den Titel. Wer wird Ihrer Meinung nach das Rennen machen?

Wolff: Das ist sehr schwer zu sagen. Beide sind von ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit ganz unterschiedlich, beide haben aber bis jetzt einen super Job gemacht. Ich glaube, dass die Entscheidung erst im letzten Rennen fallen wird.

SPORT1: Die beiden können sich wohl nur noch selbst schlagen. Wie geht es ihrem Mann Toto, wenn sich seine Fahrer wie in Spa gegenseitig abschießen?

Wolff: Sicherlich ist das nicht immer einfach. Aber beide kämpfen um den Titel, und da können solche Dinge schon mal passieren. Ich bin nicht involviert in das, was Toto macht, aber das Team hat das bisher gut gehandelt.

SPORT1: Zum Abschluss: Was ist am Wochenende für ihr Team drin?

Wolff: Ich glaube, Monza und Spa waren sicherlich unsere besten Möglichkeiten, um viele Punkte zu holen und das ist uns auch gut gelungen. Singapur wird wahrscheinlich etwas schwieriger für uns, aber ich hoffe, dass wir mit Red Bull mithalten können und einen Tick schneller sind als Ferrari. Unser Ziel ist es, beide Fahrer in die Punkte zu bringen und in der Team-WM vor Ferrari zu bleiben. Dafür werden wir alle sehr hart kämpfen.

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