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Lewis Hamilton (l.) und Nico Rosberg traten schon in Kindertagen in Kart-Rennen gegeneinander an

München - Vor Singapur hebt Teamchef Toto Wolff das Mercedes-Duell auf ein neues Level. Rosberg könnte von einer neuen Regel profitieren.

Brav klatschte Nico Rosberg Beifall.

Für den Sieger. Für seinen Teamkollegen. Aber auch für seinen größten Rivalen.

"Natürlich sind wir Freunde, wir sind schließlich Teamkollegen", ließ er das Publikum in Monza vom Podium aus wissen.

Dass er Widersacher Lewis Hamilton den Sieg in Italien wirklich gönnte, wollten allerdings nur die wenigsten glauben.

Alles nur Show? Offenbar ja.

Wolff spricht von Feindschaft

Denn vor dem Großen Preis von Singapur (Training, Fr., ab 12 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVE-TICKER) erklärte erstmals auch Toto Wolff, dass sich das Verhältnis der beiden Silberpfeil-Piloten grundlegend geändert habe - und wählte dabei ungewohnt deutliche Worte.

"Es hat sich von, sagen wir mal einer freundschaftlichen Beziehung zu Beginn der Saison, hin zu einem Moment entwickelt, an dem man realisiert hat, dass hier zwei Feinde um den WM-Titel kämpfen", sagte der Mercedes-Teamchef der "BBC".

Wolff: "Wir betreten Neuland"

Dennoch will der Österreicher beide Piloten weiterhin frei fahren lassen, auch wenn er einräumt, dass die Situation für alle Beteiligten schwer zu handhaben ist:

"Wir betreten Neuland indem wir die Jungs so fahren lassen, wie wir es tun. Da ist es klar, dass wir auch Fehler machen."

Rosberg macht Fehler

Fehler machte auch Rosberg zuletzt. In Monza zeigte er erstmals Nerven.

Gleich zweimal leistete sich der Deutsche einen Verbremser mit anschließendem Ausritt. Hamilton zog vorbei und verkürzte den Rückstand auf den WM-Führenden wieder auf 22 Zähler.

"Natürlich war ich enttäuscht, Punkte im WM-Kampf gegen meinen Teamkollegen verloren zu haben. Aber ich liege noch immer in Führung und bin fest entschlossen, diese zu verteidigen", kündigte Rosberg an.

Mehr Erfahrung bei Hamilton

Doch spätestens das letzte Rennwochenende hat gezeigt, dass der Titelkampf wohl vor allem im Kopf entschieden wird.

Und da hat der Brite einen erheblichen Erfahrungsvorsprung. Denn Hamilton fuhr bereits dreimal um die Krone der Königsklasse. Schon in seiner Rookie-Saison 2007 ging es für den heute 29-Jährigen um den Titel. Am Ende zog er mit einem Punkt Rückstand gegen Kimi Räikkönen knapp den Kürzeren.

Ein Jahr darauf drehte Hamilton den Spieß um und gewann gegen Felipe Massa - ebenfalls mit nur einem Punkt Vorsprung - die WM. Auch 2010 hatte er bis zum letzten Rennen noch theoretische Chancen auf den Gesamtsieg. Rosberg kennt diese Situationen nicht.

"Es könnte ihm vielleicht helfen, aber es ist nichts, worüber ich mir Sorgen mache", gibt sich Rosberg bei "autosport.com" allerdings gelassen: "Ich konzentriere mich auf mein Ding."

Geänderter Boxenfunk ein Vorteil für Rosberg

Zugute kommen könnten ihm dabei einige Änderungen im Boxenfunk, die in Singapur erstmals greifen werden.

Künftig dürfen beispielsweise der Spritverbrauch oder detaillierte Informationen über die Sektorenzeiten der Konkurrenz nicht mehr an den Fahrer weitergegeben werden.

Gerade Hamilton ließ sich besonders oft über Zwischenzeiten seines Rivalen informieren. Denn: Der Deutsche tüftelt viel mehr an der Abstimmung des Autos und hat in manchen Kurven dadurch Vorteile. Auf diese Informationen muss der Brite nun verzichten.

Mercedes zieht Joker

Angst vor der nicht hauseigenen Konkurrenz muss sich Hamilton aber wohl dennoch nicht machen. Denn pünktlich zum Auftakt der Asien-Tournee zieht das Mercedes-Team noch einmal einen Joker aus dem Ärmel.

Wie "auto, motor und sport" berichtet, ändern die Silberpfeile für Singapur die Übersetzung des Getriebes, was den Teams nur einmal in der Saison erlaubt ist.

Mit einer kürzeren Übersetzung sollte Mercedes in der Lage sein, die Power des überlegenen Motors noch besser auf die Strecke zu bringen. 

Wolff: "Dann haben wir versagt"

Doch Sorgen um Red Bull, Ferrari und Co. macht man sich im Lager der Silberpfeile ohnehin nicht mehr. Einzig der weiterhin schwelende Konflikt innerhalb des Teams sorgt für Kopfschmerzen.

Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo, mit 72 Punkten Rückstand auf Rosberg WM-Dritter, wartet nur auf die nächste Eskalationsstufe. Kosten die persönlichen Befindlichkeiten zweier Top-Fahrer Mercedes am Ende gar den Titel?

Ein Horrorszenario für Teamchef Wolff: "Ich weiß nicht, was richtig oder falsch ist, aber das ist auch egal. Wenn wir die Meisterschaft mit den Autos verlieren, die wir haben, haben wir versagt."

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