Sebastian Vettels Abschied von Red Bull ist eine Entscheidung des Herzens. Ein Wechsel zu Ferrari ist riskant, aber folgerichtig.

"Es ist eine Entscheidung für etwas Neues."

So profan Sebastian Vettels Begründung für den Abschied von Red Bull zum Saisonende anmuten mag, so sehr bringt sie doch auf den Punkt, was Vettel bei seinem Team zuletzt fehlte: Perspektive.

Der Heppenheimer holte zwar 38 von 50 Red-Bull-Siegen in der Formel 1, sicherte dem Rennstall vier Fahrer- und ebenso viele Konstrukteurstitel. Viel mehr geht nicht.

Doch nach den Regeländerungen fuhr Vettel in dieser Saison häufig hinterher. Das wurmt den erfolgsbesessenen Noch-Champion.

Noch etwas anderes hat Vettel zum Abschied von Red Bull veranlasst. Auch wenn zuvor nur noch Michael Schumacher ähnlich dominant von Sieg zu Sieg raste, blieb Vettel selbst in seinen vier triumphalen Jahren die ganz große Wertschätzung verwehrt.

"Seb ist wirklich ein beeindruckender Fahrer. Er wird allerdings nie die Anerkennung bekommen, die er verdient, solange er für Red Bull fährt", hatte unter anderem auch schon Ex-McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh 2013 geätzt.

Vettel müssen ähnliche Gedanken beschäftigt haben - und er zog daraus den folgerichtigen Schluss.

Der Weg des 27-Jährigen wird nun zu Ferrari führen, wie inzwischen auch die Red-Bull-Macher Helmut Marko und Christian Horner verrieten. Und auch das liegt nahe.

Die Scuderia fährt seit Jahren der Musik hinterher, doch sie kann Vettel etwas bieten, was Red Bull abgeht: In Maranello schlägt das Herz der Formel 1. Ferrari, das heißt Emotionen, Tradition und Extravaganz. Und eben nicht technokratische Kühle, die man bisweilen dem Spielgerät von Brausehersteller-Krösus Dietrich Mateschitz nachsagt.

Zudem könnte Vettel bei einem Wechsel nach Italien die Mär vom Erfolg durch die bloße technische Überlegenheit seiner letztjährigen Boliden ein für allemal entkräften.

Denn bei Ferrari hat Vettel Aufbauarbeit vor sich - und genau das reizt den Heppenheimer seit jeher. Schließlich ist die Scuderia ist im Umbruch: Der ewige Teamchef Luca di Montezemolo wurde vom Hof gejagt, seit der Einführung der neuen Turbo-Hybrid-Technik ist der Rückstand zur Spitze noch größer geworden. Mit Siegen hat selbst Fernando Alonso in dieser Saison nichts mehr zu tun - was für Vettel umso mehr Herausforderung ist.

Klar ist: In Italien wartet auf Vettel kein gemachtes Nest.

Und auch diese Frage muss man stellen: Warum wechselt der deutsche Weltmeister eigentlich nicht zum deutschen Top-Rennstall? Sportlich gesehen wäre Mercedes zweifelsohne die sicherere Wahl.

Vettel geht mit seiner Entscheidung Risiko. Sein Ruhm im Erfolgsfall wäre umso größer.

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