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München - Eine grüne Flagge an Jules Bianchis Unglücksort sorgt für Diskussionen. Doch auch Bianchis Geschwindigkeit wirft Fragen auf.

Von Martin Jahns und Peter Kohl

Ein Video wirft Fragen auf.

Das im Internet aufgetauchte und wenig später wieder gelöschte Amateurvideo zeigte den verheerenden Unfall von Jules Bianchi von den Zuschauerrängen aus.

Dort ist zu sehen, wie der Marussia des Franzosen in das Bergungsfahrzeug herein rauscht, das Adrian Sutils Sauber am Haken hat. Den Kran hebt es von der Wucht des Aufpralls aus. Einen Streckenposten verfehlt der Formel-1-Bolide knapp.

Grüne Flagge am Unfallort

Ebenfalls zu sehen: Ein weiterer Streckenposten, steht auf einem Turm, dem Marshall Post 12, und schwenkt die grüne Flagge (BERICHT: Hätte der Unfall verhindert werden können?).

Sie steht für das Ende der Gefahr und freie Fahrt. Überholmanöver sind wieder erlaubt. Zuvor wurden noch zwei gelbe Flaggen geschwenkt. Hat Renndirektor Charlie Whiting die Strecke zu früh wieder freigegeben?

Turm hinter der Unfallstelle

Reglementarisch nicht. Flaggenzeichen in der Formel 1 gelten ab dem Ort der geschwenkten Flagge. So wie ein Rennen erst dann beendet ist, wenn die Zielflagge und damit die Ziellinie passiert wurde, so gilt auch erst bei Passieren der grünen Flagge "freie Fahrt".

Bei genauerer Betrachtung ist klar zu sehen, dass sich der Turm einige Meter hinter der letztlichen Stelle der Katastrophe befindet. An Bianchis Unglücksort galt also noch die doppelte gelbe Flagge.

Bianchis Unfallstelle (r.) befand sich einige Meter vor Marshall Post 12. Quelle: Imago

Wie aber erklärt sich, dass auf demselben Turm zuvor noch doppelt gelb geschwenkt wurde?

Kohl: Kein Fehlverhalten der Streckenposten

Das lag daran, dass die Stelle, an der Adrian Sutil in die Reifenstapel prallte, in Fahrtrichtung einige Meter hinter MP12 lag. Folgerichtig schwenkte der japanische Marshall zu diesem Zeitpunkt noch doppelt gelb.

Das Bergungsfahrzeug fuhr mit dem Sauber am Haken anschließend zurück in Richtung der nahe gelegenen Abstelltasche. Nachdem es den Turm passierte, schwenkte der Marshall grün.

"Das ist korrekt und richtig, denn nach Passieren des Bergefahrzeuges bestand keine Gefahr mehr, die Rennstrecke dahinter war hindernisfrei und die Freigabe der Rennstrecke ab diesem Punkt ist deshalb korrekt gewesen", analysiert Peter Kohl: "Ein Fehlverhalten der Streckenposten liegt meiner Ansicht nach nicht vor."

Bianchis Speed wirft Fragen auf

Gut möglich aber, dass Bianchi die Gefahr angesichts der nahenden grünen Flagge zu früh vernachlässigt hat.

Das Tempo, mit dem der Franzose von der Strecke geflogen ist, wundert auch Peter Kohl: "Wie auf dem aufgetauchten Video zu sehen ist, kommt Bianchi mit einer unfassbaren Geschwindigkeit für einen Bereich, in dem Doppel-Gelb geschwenkt wird, angeflogen. Warum dies so war, muss erst herausgefunden werden."

Antworten bringen wohl erst die Unfalluntersuchungen durch die japanische Polizei und die FIA. Diese hält die Bilder der TV-Kameras von der Unglücksstelle noch unter Verschluss.

Bis zur Veröffentlichung der Untersuchungsresultate hat das Amateurvideo so mehr Fragen aufgeworfen, als es beantwortet konnte.

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