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Max Chilton fährt seit 2013 für das Team Marussia

München und Sao Paulo - Der Insolvenzverwalter stellt die Suche nach einem neuen Investor ein, das Saisonfinale ist geplatzt. Das Aus hat Konsequenzen.

Die grassierende Finanzkrise in der Formel 1 hat ihr erstes Opfer gefordert. Der Pleite-Rennstall Marussia geht endgültig in Konkurs.

Der Insolvenzverwalter teilte am Freitag am Rande des Großen Preis von Brasilien mit, dass sich kein neuer Investor gefunden habe und das Team nicht mehr gerettet werden könne.

Damit wird Marussia nicht wie zunächst geplant beim Saisonfinale in Abu Dhabi an den Start gehen.

200 Mitarbeiter arbeitslos

"Es ist sehr bedauerlich, dass ein Unternehmen mit einer so großen Fangemeinde in Großbritannien und weltweit sein Geschäft aufgeben und die Türen schließen muss", sagte Insolvenzverwalter Geoff Rowley.

"Der Insolvenzverwalter wird seine vom Gesetz vorgegebene Aufgabe weiter ausführen und die Vermögenswerte des Unternehmens im besten Interesse der Gläubiger abwickeln."

Durch die Pleite bei Marussia verlieren 200 Menschen ihre Arbeit.

Letzte Hoffnung erloschen

Trotz der um sich greifenden Finanznot in der Formel 1 hatte Marussia bis zuletzt gehofft, das endgültige Aus noch irgendwie abwenden zu können, und hatte mit zwei Investoren über einen Einstieg verhandelt.

Das Team, das 2010 unter dem Namen Virgin in die Formel 1 eingestiegen war, hatte sich unter der Woche sogar unter dem neuen Namen Manor F1 Team auf die Starterliste der kommenden Saison setzen lassen.

Alle Resultate gestrichen

Doch nun ist das Aus des Teams von Jules Bianchi, der vor einem Monat in Japan schwer verunglückte, besiegelt. Marussia liegt derzeit noch auf Rang neun der Konstrukteurs-Wertung dank der zwei Punkte von Bianchi in Monaco.

Allerdings werden nun sämtliche Resultate gestrichen.

Weitere Teams in Nöten

Längst geht in der Formel 1 die Angst vor weiteren Pleiten um - die Königsklasse des Motorsports ist für kleinere Teams einfach nicht mehr zu bezahlen. 

Auch Caterham konnte die Reise zu den Rennen in den USA und Brasilien nicht mehr antreten, weil einfach kein Geld mehr da ist. Auch über Teams wie Sauber, Lotus und Force India kreist der Pleitegeier.

Kleine Teams proben den Aufstand

Angesichts der Finanzkrise wachsen bei den kleineren Teams Wut, Verzweiflung und nackte Panik. Sie fordern eine Kostenreduzierung und eine Reform der Verteilung der Preisgelder.

"Was muss denn noch geschehen, damit endlich etwas passiert?", fragte Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn zuletzt ratlos und geschockt. Und Vijay Mallya, Besitzer von Force India, forderte: "Wir müssen eine Lösung finden. Sie muss sicherstellen, dass alle überleben können."

Wolff ohne Mitleid

Doch im Haifischbecken Formel 1 ist im Kampf um die Millionen kein Mitleid zu erwarten. "Man ist nicht dazu verpflichtet, mehr auszugeben als man hat", sagte etwa Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Die großen Teams wie Ferrari, Red Bull, McLaren und Mercedes werden bei der Vergabe der Preisgelder ("Bernie Money") überproportional begünstigt.

Eine zumindest im Ansatz solidarische Verteilung der Einnahmen wie etwa in der Fußball-Bundesliga ist der Formel 1 bisher fremd. Doch die Großen wollen partout nicht auf ihre Privilegien verzichten.

Ecclestone einsichtig

Dabei hatte selbst Bernie Ecclestone, graue Eminenz der Formel 1 und Herr über das Geld, zuletzt Alarm geschlagen.

"Wir sollten alle laufenden Verträge zerreißen und wieder neu anfangen", sagte der Chefpromoter: "Das Problem ist, dass zu viel Geld schlecht verteilt wird. Das ist wahrscheinlich mein Fehler. Das Problem wird nicht einfach verschwinden. Das ist nicht wie bei einer Grippe, bei der man eine Pille einwerfen kann."

Für Marussia kommt diese Einsicht zu spät.

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