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Nico Rosberg gewann 2012 in China sein erstes Formel-1-Rennen

Von Carsten Arndt

München/Sao Paulo - Einmal kurz den Daumen hoch und ab zum Wiegen: Der Jubel von Nico Rosberg nach der elften Pole der Saison fiel nicht gerade überschwänglich aus.

In letzter Sekunde hatte er seinen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton in Sao Paulo noch auf Platz zwei verdrängt (Bericht), doch seine Gedanken galten wenig später schon dem anstehenden Rennen (ab 16.45 Uhr im LIVE-TICKER, Highlights ab 24 Uhr im TV auf SPORT1) :

"Perfekt ist das Wochenende dummerweise nur, wenn es auch morgen klappt. Ich stehe auf der besten Position, aber dieses Mal muss ich es auch heimfahren, nicht so wie in Austin".

Schlechte Erinnerungen

Auch beim letzten Rennen in den USA war der Deutsche von Platz eins ins Rennen gegangen - und am Ende hinter seinem Teamkollegen über die Ziellinie gefahren.

Scheinbar spielend leicht war Hamilton am Wiesbadener vorbeigezogen, auch weil Rosberg im entscheidenden Moment einen Fehler beging.

Da er einen falschen Schalter an seinem Lenkrad umlegte, verließ ihn zur Unzeit das ERS.

Rosberg bemängelt das Setup

Dieses Mal legte Rosberg eine fast perfekte Runde hin und lies Hamilton wie auch schon im Training hinter sich. Dennoch sprach er im Anschluss überraschend von Problemen. (

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"Ich war von den Einstellungen im Auto nicht im richtigen Bereich. Es ließ sich aber nicht mehr ändern", sagte er: "Dann ist das Auto anders und das Risiko, einen Fehler zu machen, vorhanden. Ich musste einfach im Rhythmus bleiben. Daher musste ich mit nicht idealen Einstellungen fahren."

Rosberg mit Psychospielchen

Was sich nach Jammern auf hohem Niveau anhört, ist nichts anderes als Strategie und heißt im Klartext: 'Vorsicht Lewis, ich kann noch viel schneller.' Auf der Zielgeraden der Saison greift Rosberg nach jedem Strohhalm.

"Wahrscheinlich sind ein paar Psychospielchen dabei, aber das gehört auf diesem hohen Niveau dazu", sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und erklärte, dass auch Hamilton ein paar Probleme gehabt habe: "Beide sind Kompromisse bezüglich des Setups eingegangen."

Hamilton hat die Ruhe weg

Nur sah der Brite offenbar keine Notwendigkeit, dies zu erwähnen. "Ich glaube, im Moment fahre ich besser als jemals zuvor", hatte er schon am Freitag erklärt und demonstrierte auch nach dem Qualifying Gelassenheit:

"Es hat riesigen Spaß gemacht. Leider habe ich in Kurve zehn ein bisschen Zeit verloren. Aber es hat Spaß gemacht, und darum sollte es im Qualifying auch gehen".

Es scheint nicht so, als würde sich der 29-Jährige ob des verlorenen ersten Schlagabtauschs Sorgen machen.

"Zwischen uns ist es immer sehr knapp und ich hoffe, dass die Fans diesen Zweikampf genießen. Klar ist die Pole der beste Startplatz, aber das Rennen ist lang und ich bin hier um zu gewinnen."

Williams in Lauerstellung

Im Schatten des Mercedes-Duells sorgte derweil Williams für Furore. Valtteri Bottas und Felipe Massa schoben sich im Qualifying zwischenzeitlich sogar zwischen die Silberpfeile, am Ende hatte der drittplatzierte Massa nur knapp zwei Zehntel Rückstand auf das silberne Duo.

"Ich hab alles aus dem Auto rausgeholt was ich konnte. Es gab ein paar Probleme und dementsprechend konnte ich auf dem zweiten Reifensatz meine Zeit nicht mehr verbessern. Aber immerhin bin ich sehr knapp an die beiden Mercedes rangekommen und bin insgesamt sehr zufrieden", erklärte der Lokalmatador.

Für das Rennen sieht Mercedes den Brasilianer aber offenbar dennoch nicht als Konkurrenz. "So nahe sind sie uns seit Österreich nicht mehr gekommen. Aber ihr Setup ist meistens schon sehr auf das Qualifying ausgelegt. Im Rennen haben sie dann ein paar Schwächen", analysierte Wolff.

Wann kommt der Regen?

Doch vielleicht kommt den Mercedes-Jägern ja das Wetter zu Hilfe. Schon für Freitag und Samstag war Regen angesagt, bislang hielt der Himmel seine Schleusen aber noch geschlossen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch am Sonntag trocken bleibt, ist aber gering. (SHOP: Jetzt Motorsport-Artikel kaufen)

"Ich denke, morgen wird viel in der Box entschieden, vor allem wenn das Wetter umschwenkt", prognostiziert Sebastian Vettel, der in seinem vorletzten Qualifying für Red Bull am Ende Sechster wurde.

"Wir konnten uns immer mehr steigern. Anfangs hatte ich noch ziemlich Untersteuern und hab mir ein bisschen schwer getan, das Auto um die Kurve zu kriegen. Wir haben dann aber reagiert, und es wurde besser", so der Noch-Weltmeister weiter.

Rosberg: "Ich bin optimistisch"

Reagieren sollte dieses Mal auch Nico Rosberg - und zwar dann, wenn Hamilton wieder zum Überholen ansetzten sollte. Eine weitere Niederlage im internen Teamduell - und der WM-Titel rückt in ganz weite Ferne. (DATENCENTER: WM-Stand Fahrer).

Doch der Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg glaubt an einen Lerneffekt und geht daher hoffnungsvoll ins vorletzte Rennen der Saison:

"Ich bin optimistisch und ich lerne aus meinen Fehlern. Ich schaue nach vorne und freue mich auf morgen. Ich weiß was ich hätte besser machen sollen und werde das umsetzen."

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