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Nico Rosberg hatte im Duell mit Lewis Hamilton in Sao Paulo knapp die Nase vorn

SPORT1-Experte Peter Kohl ist von Nico Rosbergs Nervenstärke beeindruckt. Felipe Massa verleiht er den Slapstick-Grammy. Die überbordenden Kosten nennt er das Grab der Formel 1.

TOPS:

Nico Rosberg: Ohne Wenn und Aber ein bockstarkes Wochenende. Hat gute Nerven gezeigt, alles im Griff gehabt, nahezu fehlerfrei geblieben im Rennen. Damit die Tür Richtung WM-Titel noch mal weit aufgestoßen für einen echten Showdown.

Lewis Hamilton: Der Dreher hat ihn unter Umständen den Sieg gekostet, das macht das Saisonfinale enger. Viele wären in seiner Situation von Haus aus auf Nummer sicher auf Rang zwei gefahren. Hamilton als Vollblut-Racer gibt sich damit nicht zufrieden. Er hat Kollege Rosberg gehetzt wie eine Bulldogge die fliehende Katze!

Duelle der Champions: Erstklassige Unterhaltung durch das Ferrari-interne Gehacke zwischen Kimi Räikkönen und Alonso um Platz sechs ? schon schöner, wenn einer mal richtig dagegenhält und nicht brav zur Seite fährt wie früher Felipe Massa. Dazu der Dreikampf zwischen Button, Vettel und Räikkönen. Es ist immer wieder eine Freude zu sehen, wie Champions miteinander umgehen und sich respektieren. Saubere Fights ohne Fouls ? eben echtes Racing!

Felipe Massa: Würde die Formel 1 das ganze Jahr in Sao Paulo gastieren, wäre er ein ernsthafter Titelanwärter. Die Strecke liegt ihm einfach, da fährt er meist überragende Rennen. So wie diesmal. Die Siegerehrung hat er zu seiner persönlichen Party gemacht, für eine Stimmung wie im Maracana gesorgt. Mit dem falsch angefahrenen Boxenstopp, als er zunächst bei den McLaren-Jungs anhielt, um neue Reifen abzuholen, hat er zudem den Slapstick-Grammy verdient!

Jenson Button: Klasse Rennen vom Gentleman-Driver. Sollte er keinen neuen Vertrag für 2015 bekommen, wäre das eine Schande!

Sebastian Vettel: Kaum ist die Saison so gut wie zu Ende, kommt er mit dem RB10 zurecht. Spät, aber besser als gar nicht. Wäre der Fahrfehler in der ersten Runde, durch den er zwei Plätze verloren hat, nicht passiert, wäre vielleicht mehr drin gewesen. Jedenfalls kämpft er, lässt es bei Red Bull nicht locker austrudeln. Gut so!

Nico Hülkenberg: Hat ein famoses Rennen abgeliefert, dabei teilweise hart ausgeteilt, wie im Duell mit Bottas - aber das wollen wir sehen! Sein Tief nach der Sommerpause hat er damit hoffentlich endgültig ad acta gelegt!

Strecke: Das Autodromo Jose Carlos Pace ist eine Stimmungshochburg vom Feinsten und muss der der Formel 1 unbedingt erhalten bleiben. Eigentlich sollte hier immer das Finale stattfinden, wäre mir lieber als im sterilen Abu Dhabi.

Pirelli: Die Fahrer wollten eine aggressivere Reifenwahl - und Pirelli hat sich gebeugt. Eine richtige Entscheidung. Die Reifen haben gehalten, ihr Management war aber eine echte Herausforderung. So soll es auch sein mit zwei Varianten.

Rennkommissare: Gott sei Dank nicht für jede Rangelei eine Bestrafung. Mit gutem Augenmaß Vergehen geahndet ? die Stopp-And-Go-Strafe von für Sekunden für Massa wegen Speeding in der Boxengasse war top! Eine Boxendurchfahrtsstrafe wäre hier zum Beispiel unverhältnismäßig gewesen.

FLOPS:

Valtteri Bottas: Ich mag das Kerlchen wirklich, aber diesmal hat er mich enttäuscht. Wenn Massa mit dem Auto auf Rang drei fahren kann, war Platz zehn für den Finnen zu wenig. Zudem hat er die Karre so überfordert, dass am Ende beinahe ein vierter Boxenstopp zwingend notwendig gewesen wäre.

Williams Boxen-Crew: War ja nicht das erste Mal in dieser Saison, dass mit den Stopps ist für die Truppe offensichtlich immer noch eine heikle Sache. Zudem war Bottas nicht richtig angeschnallt, seine Gurte mussten zeitaufwändig beim Stoppen nachgespannt werden ? das hat laut Rob Smedley zwölf Sekunden und damit wertvolle Punkte gekostet. Das darf nicht passieren.

Wechsel-Theater: Mensch Fernando, lass die Katze endlich aus dem Sack! Dieses kryptische Rumgelabere darum, was er 2015 macht, nervt gewaltig. Sach et und jut is!

Toro Rosso: Chancenlos im Nirgendwo herumgerudert. Ein Rennen zum Vergessen.

Finanzierungswahnsinn der Formel 1: Es ist bitter, wenn Teams deutlich mehr Geld ausgeben als sie einnehmen. Es ist bitter, wenn sie aufgrund der horrenden Kosten für die Technik dazu nahezu gezwungen werden. Es ist bitter, wenn das alles den Sport überlagert. Es ist bitter, dass in der Egoistenwelt Formel 1 niemand bereit ist, einen Schritt auf den anderen zuzugehen, ohne dass er dazu genötigt wird. Es ist bitter, wenn alle im Eiltempo weiterschaufeln, auch wenn man ihnen sagt, dass es das eigene Grab ist.

Doppelte Punkte beim Saisonfinale: Klar, durch den Sieg von Rosberg muss bei einem weiteren Erfolg des gebürtigen Wiesbadeners in Abu Dhabi Hamilton mindestens Zweiter werden, um den Titel zu holen. Das verspricht ein gnadenloses Duell der beiden zu werden. Bei normaler Punkteverteilung würde Hamilton ein fünfter Platz reichen im Falle eines Rosberg-Sieges. Da der Engländer bei weitem mehr Rennen in diesem Jahr gewonnen hat, fände ich das gerechter! Warum soll ein Rennen in Abu Dhabi mehr Gewicht haben, als jedes andere auf den anderen Rennstrecken? Das hat mit sportlicher Fairness wenig zu tun.

Trotzdem freue ich mich auf das Saisonfinale. Möge der Bessere den Titel holen!

Bis Abu Dhabi!Pedal To The Metal,Ihr Peter Kohl

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