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Jules Bianchi kollidierte in Suzuka mit einem Rettungsfahrzeug
Jules Bianchi kollidierte in Suzuka mit einem Rettungsfahrzeug © getty

München - Der schwere Unfall in Suzuka wäre einem Untersuchungsbericht zu Folge zu verhindern gewesen, wenn Bianchi stärker gebremst hätte.

Formel-1-Pilot Jules Bianchi war zu großen Teilen selbst an seinem schweren Unfall Anfang Oktober in Japan schuld.

Zu diesem Ergebnis kam die eingesetzte Expertenkommission des Automobil-Weltverbandes FIA, die am Mittwoch in Doha ihre Untersuchungsergebnisse vorstellte.

Zwar schrieb das Gremium um den mehrfachen Weltmeister-Teamchef Ross Brawn und den früheren Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali von einer "Verkettung mehrerer Umstände", die jeder für sich "nicht alleinschuldig" seien.

"Nicht ausreichend gebremst"

Punkt drei der elf Schlussfolgerungen scheint aber der entscheidende zu sein: "Bianchi hat nicht ausreichend abgebremst, um zu verhindern, dass er an derselben Stelle die Kontrolle über seinen Wagen verliert wie Sutil."

Aber auch Bianchis inzwischen insolventer Rennstall Marussia wurde in die Pflicht genommen. Der Aufprall habe unter Umständen schwächer ausfallen können, wenn ein Sicherheitssystem richtig gegriffen hätte.

System fehlerhaft

Die Vorrichtung ("Fail-Safe-System") regelt den Schub normalerweise automatisch ab, sobald ein Pilot Gas- und Bremspedal gleichzeitig bedient. Dieses System habe nicht funktioniert.

Inwiefern das die Heftigkeit des Aufpralls beeinflusst habe, sei aber nicht nachvollziehbar. Auch könne Bianchi davon überrascht worden sein.

Der Franzose war am 5. Oktober beim Großen Preis von Japan auf regennasser Piste von der Strecke abgekommen und mit seinem Boliden gegen ein Abschleppfahrzeug gerast, das den eine Runde zuvor verunglückten Wagen von Adrian Sutil barg.

In kritischem Zustand

Der 25-Jährige befindet sich mittlerweile nicht mehr im künstlichen Koma, aber immer noch in einem kritischen Zustand. Vor zwei Wochen wurde Bianchi aus der Klinik im japanischen Yokaichi in ein Krankenhaus in Nizza verlegt, wo er auf der Intensivstation weiter behandelt wird.

Nach Ansicht der FIA habe Bianchi zudem die doppelten Gelben Flaggen nicht entsprechend befolgt: "Wenn Fahrer sich an die Anforderungen der doppelten Gelben Fahnen halten, sollten weder andere Fahrer noch Offizielle in unmittelbare oder körperliche Gefahr gebracht werden."

Streckenposten entlastet

Außerdem sei die ansonsten "halbtrockene" Strecke in diesem Abschnitt deutlich nasser gewesen. Die Kräfte vor Ort, die Sutils Sauber abtransportierten, hätten keine Fehler gemacht, hieß es in dem Bericht. Es habe zudem keinen Grund gegeben, das Safety Car auf die Strecke zu schicken.

Als Folge des schweren Unfalls schlug die Kommission einen Maßnahmenkatalog vor.

So sollen in Zukunft Geschwindigkeitsbegrenzungen bei doppelten Gelben Flaggen gelten, die Sicherheits-Software der Wagen soll ebenso überprüft werden wie die Drainage der einzelnen Strecken. Geschlossene Cockpits und Schutzpolster an den Abschleppfahrzeugen seien dagegen nicht in der Lage, die Wucht eines solchen Aufpralls entscheidend zu mindern.

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