vergrößernverkleinern
Australian F1 Grand Prix
Sebastian Vettel feiert seinen dritten Platz im Ferrari © Getty Images

München - Vettel steuert seine "Eva" gleich auf Platz drei und spricht spürbar bewegt über Michael Schumacher. Hamilton düpiert Rosberg und legt sich mit dem Terminator an.

Als sich die Freude über seinen Traumeinstand im Ferrari etwas gesetzt hatte, dachte Sebastian Vettel an sein Vorbild Michael Schumacher.

"Es ist eine schwierige Situation und es fällt mir schwer, darüber zu sprechen. Es ist schlimm, dass Michael nicht hier sein kann. Er war ein Held in Rot", sagte Vettel spürbar bewegt über Schumacher, der sich nach dem schweren Skiunfall vor über einem Jahr weiter in der Rehabilitationsphase befindet.

Während Schumacher bei seinem Debüt für die Scuderia 1996 nach 32 Runden mit einem Bremsdefekt ausgeschieden war, schaffte es Vettel gleich auf das Podium.

"Ein bisschen in die Hose gemacht"

Die schwerste Prüfung hatte Vettel direkt nach dem Rennen zu bestehen.

"Ich habe mir vor dem Funkspruch ein bisschen in die Hose gemacht", gab der viermalige Weltmeister unumwunden zu.

Doch auch die Danksagung ans Team meisterte Vettel im besten Italienisch unfallfrei und mit Bravour.

"Ragazzi, forza Ferrari. Mille grazie", schallte es durch den Äther.

Mit "Eva" wie im Paradies

Der Kern von Ferrari sei nun mal italienisch, er versuche sich da zu integrieren, erklärte Vettel wenig später und schob bescheiden nach: "Mit dem Verstehen klappt es schon ganz gut, aber mit dem freien Sprechen tue ich mich noch schwer."

Scheinbar mühelos verlief dagegen seine Premiere im Ferrari. Seine neue "rote Göttin", die er vor dem Auftakt in Melbourne auf den Namen "Eva" getauft hatte, steuerte der 27-Jährige gleich auf Rang drei.

"Vor zwölf Monaten war ich zu diesem Zeitpunkt schon längst am Flughafen", erinnerte sich Vettel an 2014, als er im Red Bull früh mit technischen Problemen ausgeschieden war. Diesmal durfte er sich ein bisschen fühlen wie im Paradies.

Überholmanöver in der Boxengasse

"Ich bin sehr glücklich", machte Vettel aus seinem Innenleben keinen Hehl, sprach von einem "super Start in die Saison" und schickte "ganz liebe Grüße" an seine Oma von Down Under nach Heppenheim.

Ausschlaggebend für Vettels dritten Platz war auch die Teamstrategie. Vor dem Reifenwechsel blieb Vettel etwas länger auf der Strecke als Felipe Massa im Williams und nutzte die freie Fahrt zum Überholmanöver in der Boxengasse. (Datencenter: Das Ergebnis von Melbourne)

Nur Weltmeister Lewis Hamilton und Nico Rosberg waren bei der erneuten Machtdemonstration von Mercedes zu schnell.

"30 Sekunden Rückstand ist natürlich eine Nummer. Aber wichtig ist, dass wir uns direkt hinter Mercedes positionieren konnten. Darauf lässt sich aufbauen", sagte Vettel. Wohlwissend, dass es bis zu einer vergleichbaren roten Ära wie der von Schumacher noch ein weiter Weg ist.

Seitenhieb für Hamilton und Rosberg

Ein Wermutstropfen für Ferrari war zudem die peinliche Panne beim Boxenstopp von Kimi Räikkönen.

Beim Reifenwechsel zogen die Mechaniker eine Radmutter nicht richtig fest, Räikkönen musste seinen Wagen kurz darauf abstellen.

"Das ist schlimm", sagte Vettel und konnte sich bei der Pressekonferenz einen direkten Seitenhieb Richtung Hamilton und Rosberg nicht verkneifen: "Ich weiß nicht, wie es bei euch beiden ist, aber ich hätte mich gefreut, wenn Kimi ins Ziel gekommen wäre."

Wolff schwärmt von Silberpfeilen

Bei Mercedes stellte Hamilton seinen Teamrivalen Rosberg einmal mehr in den Schatten.

"Lewis ist gefahren wie ein Weltmeister", musste Rosberg eingestehen. (Das Rennen zum Nachlesen im LIVETICKER)

Hamilton wirkte spürbar gelöst, scherzte bei der Siegerehrung sogar mit Arnold Schwarzenegger: "Ich dachte, Sie sind ein bisschen größer, Mister Terminator."

Der eigentlich eher zurückhaltende Motorsportchef Toto Wolff klang nach dem perfekten Saisonstart der Silberpfeile beinahe euphorisch. "Das Auto hatte nicht den geringsten Makel und beide Piloten haben nicht den geringsten Fehler gemacht. Im Moment fahren wir in einer eigenen Klasse und es ist kein Gegner in Sicht", schwärmte Wolff, warnte aber vor Ferrari: "Ferrari hat den stärksten Sprung gemacht von der Konkurrenz. Die werden irgendwann noch stärker zurückkommen."

Keine Pizza als Belohnung

Das wäre ganz nach dem Geschmack von Vettel, der sich wiederum eine kulinarische Belohnung versagte.

"Jetzt muss ich mir eine Pizza verkneifen", sagte Vettel. Die Fitness gehe vor.

Schließlich hat Vettel mit Ferrari noch Großes vor.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel