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Canadian F1 Grand Prix - Qualifying
Sebastian Vettel fuhr in Q1 nur auf Platz 16 © Getty Images

Montreal - Sebastian Vettel erlebt im Qualifying von Montreal gleich eine doppelte Pleite. Lewis Hamilton rast zu seiner 44. Pole-Position vor Nico Rosberg.

Als Lewis Hamilton in Montreal über die 44. Pole Position seiner Karriere jubelte, war Sebastian Vettel längst völlig frustriert aus seinem Ferrari gestiegen.

Der viermalige Weltmeister erlebte im Qualifying zum Großen Preis von Kanada das bislang schlimmste Debakel in seiner Zeit bei der Scuderia.

Zwei Stunden nachdem er das Zeittraining nur als 16. beendet hatte, kam es dann noch schlimmer für den viermaligen Weltmeister: Wegen eines völlig unnötigen Überholmanövers gegen Roberto Merhi unter roter Flagge im freien Training wurde er zusätzlich mit einer Fünf-Plätze-Strafe belegt.

Vettels Erklärungsversuche

"Ich habe Merhi gesehen und wusste nicht, wo das Problem mit seinem Auto lag. Er war sehr langsam, deshalb habe ich überholt", erklärte Vettel noch vor der Anhörung bei der Rennleitung das bei roter Flagge verbotene Manöver.

Im Rennen am Sonntag (ab 19.45 Uhr im LIVETICKER, Highlights ab 23.15 Uhr im TV auf SPORT1) wird er aufgrund der vorangegangenen Strafen gegen Jenson Button und Max Verstappen von Startplatz 18 ins Rennen gehen. Button konnte gar nicht erst am Qualifying teilnehmen, Verstappen wurde für sein riskantes Überholmanöver.

Im Qualifying war Vettel zuvor bereits im ersten Durchgang ausgeschieden, sein Ferrari hatte ausgerechnet zum Start in das Zeittraining Probleme mit dem Energierückgewinnungssystem.

"Es gab ein technisches Problem, das haben wir zu beheben versucht, aber es hat nicht mehr geklappt und wir hatten zu wenig Power. Ich hoffe, dass wir das bis zum Rennen beheben können", sagte Vettel: "Ein Teilchen ist kaputt gegangen. Es ist nichts teures, aber es hat uns komplett lahmgelegt. Das ist bitter."

Noch deutlicher wurde sein Teamchef Maurizio Arrivabene: "Wir hatten ein Problem mit der Elektronik. Es war ein Transistor, der zehn Euro kostet. Wegen so eines kleinen Teils schmeißt man ein Qualifying weg. Das ist wirklich eine Schande", sagte der Italiener bei Sky.

Rundenzeiten reichen nicht

Vettel hat es auf dem Hochgeschwindigkeitskurs nun ganz schwer. Der 27-Jährige aus Heppenheim hatte zum Start in das Zeittraining Probleme mit dem Energierückgewinnungssystem (DATENCENTER: Das Qualifying-Ergebnis).

Der frühere Red-Bull-Pilot konnte zwar dennoch zu zwei schnellen Runden auf die Strecke gehen, schaffte es völlig überraschend aber nicht mehr unter die besten 15 und muss zwischen den Hinterbänklern starten. "Wir haben alles versucht, aber es hat nicht gereicht", sagte er.

Den zweiten Startplatz sicherte sich Hamiltons Mercedes-Stallrivale Nico Rosberg mit 0,309 Sekunden Rückstand. "Das Ende war Mist", ärgerte sich der 29-Jährige am Boxenfunk.

Zwei Finnen in Reihe zwei

In die zweite Startreihe schafften es Vettels Teamkollege Kimi Räikkönen und Valtteri Bottas (beide Finnland) im Williams. Der zweimalige Champion Hamilton (126 Punkte) führt vor dem siebten Saisonrennen auf dem Circuit Gilles Villeneuve in der Gesamtwertung vor Rosberg (116) und Vettel (98).

Ausgestattet mit einem runderneuerten Antriebsstrang wollte Vettel den Silberpfeilen im Rennen eigentlich das Leben schwer machen. Doch der Samstag endete für den viermaligen Weltmeister mit einem heftigen Rückschlag.

Zum ersten Mal schaffte es der Hesse in seinem roten Renner nicht mal über die erste Qualifikationsphase hinaus und musste zusehen, wie sich die Konkurrenten um die besten Plätze stritten.

Hamilton wartet auf silberne Premiere

Nach dem Boxenstopp-Desaster von Monaco will Hamilton derweil endlich wieder gewinnen. Auf der malerischen Ile Notre-Dame triumphierte der zweimalige Weltmeister bereits dreimal, allerdings noch nie mit Mercedes.

Auch an diesem Wochenende lief es im Silberpfeil zunächst nicht rund: Im Training rutschte er am Freitag bei regennasser Fahrbahn in die Reifenstapel, am Samstagmorgen brachte er keine schnelle Runde zustande und wurde überraschend Letzter.

"Schaue nur nach vorne"

"Ich schaue nie zurück, sondern nur nach vorne. Ich denke nur an das nächste Rennen und will stärker zurückkommen", sagte Hamilton mit Blick auf das Rennen. In Monaco hatte er vor zwei Wochen den Sieg verschenkt, nachdem ihn sein Team unnötig an die Box holte. Am Ende blieb ihm nur Platz drei - und eine Menge Frust.

Rosberg, der zuletzt zwei Siege in Folge feierte, wartet in Kanada noch auf seinen ersten Triumph. Um darauf eine Chance zu haben, muss er sich gegen den bärenstarken Hamilton aber dringend steigern. Dass ein anderer Fahrer in den Zweikampf der überlegenen Silberpfeile eingreifen kann, scheint äußerst unwahrscheinlich.

Nico Hülkenberg (Emmerich) im Force India schaffte es auf den starken siebten Platz. Der ehemalige Weltmeister Jenson Button nahm nicht am Qualifying teil, nachdem sein McLaren-Honda im dritten Training mit technischen Problemen liegen geblieben war. Anschließend musste ein neuer Motor eingebaut werden.

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