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Dietrich Mateschitz (l., mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone) hält 49 Prozent der Anteile am Energy-Drink-Hersteller Red Bull GmbH © imago

München - Red Bulls möglicher Ausstieg aus der Formel 1 sorgt für Wirbel, eine spektakuläre Lösung steht im Raum. SPORT1-Experte Peter Kohl hält sie für denkbar.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz erhebt nur selten seine Stimme in der Öffentlichkeit. Wenn er es tut, kann man davon ausgehen, dass seine Worte wohl gewählt sind.

Am Wochenende war es wieder einmal so weit. In der Red-Bull-Heimat Österreich holte er am Rande des Grand Prix zum Rundumschlag gegen die Formel 1 in ihrer derzeitigen Form aus - und bekräftigte seine Gedanken an einen Rückzug des Brauseherstellers.

Nicht der Anspruch von Red Bull

Auch wenn Mercedes-Aufsichtsratschef und Landsmann Niki Lauda glaubt, dass Mateschitz "keiner ist, der aufgibt", schwebt das Damokles-Schwert des Rückzugs eines der werberelevantesten Teams tiefer denn je über der Formel 1.

"Für Red Bull ist die derzeitige Situation eine Katastrophe. Bei allem, was Red Bull betreibt und fördert, ist der Anspruch immer First Class. Es muss ein absolutes Premium-Produkt sein", erklärt SPORT1-Experte Peter Kohl: "Es ist einfach nicht Red-Bull-like, nur dabei zu sein. Aus Imagegründen müssen sie sich daher natürlich Gedanken darüber machen, wie es jetzt weitergeht."

Renault bereitet weiter Sorgen

Immer wieder rückt dabei Motorenlieferant Renault in den Blickpunkt. Nach wie vor ist es den Franzosen nicht gelungen, ein konkurrenzfähiges Antriebsaggregat zu liefern. Beim Debakel im Heimrennen wurde dies erneut überdeutlich. (Das Ergebnis im Überblick).

Das Problem: Der Vertrag mit Renault läuft noch bis Ende 2016, einen Kundenmotor von Ferrari oder Mercedes hat Teamchef Christian Horner am Wochenende zum wiederholten Male ausgeschlossen - genau wie die Produktion eines eigenen Motors.

"Dass Red Bull selber Motoren produziert und baut ist eher unwahrscheinlich", meint Kohl: "Man sieht es am Beispiel Honda, dass sie trotz einem Jahr Anlaufweg überhaupt nicht aus den Puschen kommen. Und das, obwohl sie seit langer Zeit Hybrid-Technik im Haus haben. Aus dem Stegreif heraus selber einen Motor bauen zu wollen, ist extrem schwierig."

Da im Reglement für die kommende Saison zudem keine Änderungen des Antriebsaggregats mehr möglich sind, droht Red Bull auch im nächsten Jahr das bittere Mittelmaß.

Neuer Vermarkter in der Formel 1?

Ist der Ausstieg am Ende also die einzige Chance, weiteren Imageverlust für die Marke Red Bull zu verhindern?

Nicht unbedingt: Die Tageszeitung Österreich will von einem Geheimtreffen von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone und Mateschitz am Rande des Rennens in Spielberg erfahren haben.

Hintergrund des Gesprächs: Ecclestone soll dem Red-Bull-Gründer die Vermarktung der Königsklasse schmackhaft gemacht haben.

Mateschitz müsste seine beiden Formel-1-Teams verkaufen (Toro Rosso und Red Bull) und könnte dann im Gegenzug mit Red Bull die komplette Vermarktung der Serie übernehmen. Schon im März berichtete autor,motor und sport von Mateschitz' Idee, er könne die rund 35 Prozent von Formel-1-Hauptaktionär CVC Partners übernehmen.

Kohl: "Durchaus denkbar"

"Ich halte diese Variante durchaus für denkbar", erklärt Peter Kohl: "läuft die Formel 1 künftig unter dem Label 'Red Bull Formel 1', ist Red Bull immer der Sieger, egal welches Auto als erstes über die Ziellinie fährt."

Auf Nächstenliebe und Verbundenheit seitens seines Teams dürfe man bei Mateschitz ohnehin nicht hoffen. "Er hat immer wieder betont, dass das Formel-1-Team nur ein Marketing-Tool für ihn ist. Solange Red Bull gewinnt, ist alles wunderbar. Wenn sie aber auf der Rennstrecke regelmäßig Prügel beziehen, ist das für das Gesamtprodukt Red Bull extrem schlecht", so Kohl weiter.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Marketing-Genie Mateschitz, dessen Vermögen auf neun Milliarden Euro geschätzt wird, könnte so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Zum einen könnte er ein lahmendes Team ohne größeren Gesichtsverlust loswerden. Zum anderen eine hart in der Kritik stehende Serie nach seinen eigenen Vorstellungen aufpolieren.

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