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AUTO-PRIX-F1-MON
Lewis Hamilton (2.v.l.) hat in der WM-Wertung nur noch zehn Punkte Vorsprung auf Nico Rosberg © Getty Images

München - Der Strategiefehler von Monaco sorgt bei Mercedes für ein Umdenken. David Coulthard sieht das Vertrauensverhältnis zwischen Team und Pilot dennoch gestört.

Lewis Hamilton ist derzeit wahrlich nicht vom Glück verfolgt.

Am vergangenen Wochenende ging seinem Supersportwagen während der berühmt-berüchtigten Gumball-3000-Rallye der Sprit aus.

Irgendwo zwischen Los Angeles und Las Vegas - mitten im Death Valley - war er gestrandet. Erst nachdem ihn ein Konkurrent zur nächsten Tankstelle geschleppt hatte, konnte er das Rennen fortsetzen.

Hamilton reist nach Amerika    

Dabei war der Formel-1-Weltmeister eigentlich in die USA gereist, um Abstand zu gewinnen von dem folgenschweren Missgeschick, das ihm und seinem Team beim Großen Preis von Monaco unterlaufen war.

Wegen eines unnötigen Boxenstopps kurz vor Schluss hatte er seine souveräne Führung verloren und rollte schließlich nur als Dritter über die Ziellinie. In der WM-Wertung schrumpfte sein Vorsprung auf Teamkollege Nico Rosberg auf zehn Punkte zusammen.

Dieser folgenschwere Strategiefehler führte innerhalb des Mercedes-Teams zu heftigen Diskussionen über Verantwortlichkeiten und Entscheidungsprozesse.

Coulthard: Hamilton wird misstrauisch sein

Hamilton selbst schweigt sich bislang zu den Vorfällen im Fürstentum aus. Dafür meldet sich vor dem  Grand Prix von Kanada am kommenden Wochenende sein britischer Landsmann David Coulthard zu Wort - und nimmt bei seiner Kritik am Rennstall kein Blatt vor den Mund.

"Das nächste Mal, wenn Mercedes Lewis Hamilton anfunken wird, um an die Box zu kommen, dann wird er voraussichtlich in seiner Reaktion mehr als misstrauisch sein - und das zu Recht", sagte der Vizeweltmeister von 2001 dem Telegraph.

Der Schotte glaubt, dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem Champion und seinem Team gestört ist. Und das nur wenige Tage nachdem der Vertrag mit dem extrovertierten Piloten beim Glamour-GP in Monaco um drei Jahre verlängert wurde – inklusive einer stattlichen Gehaltserhöhung für Hamilton.

"Das geht an die Substanz"

"Es wird extrem schwierig, damit umzugehen", prophezeit Coulthard. "Eine Anweisung des Teams muss der Fahrer nicht unbedingt befolgen. Aber wenn man als Fahrer jede Entscheidung hinterfragt, geht das an die Substanz."

So weit möchten es die Silberpfeile nicht kommen lassen. Deshalb rauchten bei den Verantwortlichen in der vergangenen Woche die Köpfe. Bei einem Krisentreffen wurde der Fauxpas noch einmal eingehend analysiert und Lehren daraus gezogen.

Wolff setzt auf Menschenverstand

"Wenn künftig wieder eine solche oder ähnliche Situation wie in Monaco eintreten sollte, entscheiden nicht die Daten auf dem Computer, sondern die Logik und der Menschenverstand", sagte Motorsportchef Toto Wolff in der Bild.

Aufgrund fehlerhafter Daten war der Vorsprung von Hamilton auf seine Verfolger Nico Rosberg und Sebastian Vettel falsch kalkuliert worden.

Allerdings trifft auch den Briten zumindest eine Mitschuld an der Pleite von Monaco. Erst auf seinen Wunsch hin, wegen stark abbauender Pneus während der Safety-Car-Phase an die Box zu kommen, änderte das Team seine ursprünglichen Pläne und holte ihn zum Reifenwechsel.

Verantwortung bei den Strategen

Die Verantwortung tragen dennoch die Teamstrategen. Sie hätten den Briten trotz dessen Bedenken auf der Strecke halten müssen, weil sie sahen, dass weder Rosberg noch Vettel an die Box kamen.

Ob Hamilton in Montreal seine Sicht der Dinge zu den Ereignissen in Monaco kundtun wird, steht derzeit in den Sternen.

Fest steht dagegen, dass ihn und sein Team der Fauxpas von der Cote d'Azur über den Atlantik bis in den Süden Kanadas verfolgen wird.

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