vergrößernverkleinern
AUTO-PRIX-F1-ENG-SILVERSTONE
Lewis Hamilton ist nach Jim Clark und Nigel Mansell erst der dritte Brite, der den Großbritannien-GP drei Mal gewinnen konnte © Getty Images

München - Lewis Hamilton ist vom Erfolg vor seinem begeisterten Heim-Publikum überwältigt. Bei der Abwehr von Rosbergs Attacke zeigt der WM-Führende eine ganz neue Qualität.

Einen besseren Ort für seinen Gegenschlag hätte sich Lewis Hamilton nicht aussuchen können.

Als der Brite vor 140.000 begeisterten Zuschauern in Silverstone auf dem Podium nach seinen Gefühlen befragt wurde, sprudelte es nur so aus dem Local Hero heraus.

"Ich bin so glücklich. Das kann sich niemand vorstellen. Während der letzten Runde habe ich versucht, ein paar Momente festzuhalten. Ich liebe die Fans hier", schickte der 30-Jährige verbale Kusshände in die tobende Menge.

Nur einen der vier vergangenen Grands Prix hatte Hamilton gewinnen können. Sein schärfster Rivale - Teamkollege Nico Rosberg - war ihm in der WM-Wertung bis auf zehn Punkte auf die Pelle gerückt.

F1 Grand Prix of Great Britain
Sieger Lewis Hamilton wird von den britischen Fans begeistert gefeiert © Getty Images

Vorsprung wieder ausgebaut

Nun, nach dem sechsten Doppelsieg der Silberpfeile in dieser Saison, hat sich der Spitzenreiter wieder etwas mehr Luft verschafft und den Vorsprung auf 17 Punkte ausgebaut (DATENCENTER: Fahrerwertung).

Dass das turbulente Rennen im "Home of British Motor Racing" gerade diesen Ausgang nehmen würde, war lange nicht zu erwarten, lag aber schließlich vor allem an Hamiltons außergewöhnlichem taktischen Geschick.

Diese Eigenschaft zählte bislang nicht unbedingt zu den Stärken Hamiltons, der vor allem dank seiner kompromisslosen Fahrweise zu einem der besten Piloten seiner Generation wurde.

Dass er aber ein Rennen nicht nur fahrerisch dominieren, sondern auch strategisch kluge Entscheidungen treffen kann, bewies er bei seinem Heim-GP.

Der perfekte Zeitpunkt

Als der neunte Saisonlauf in seine entscheidende Phase ging und der einsetzende Regen für zusätzliche Aufregung sorgte, blieb Hamilton ganz cool, beorderte seine Crew zum perfekten Zeitpunkt in die Boxengasse und ließ sich die Intermediate-Reifen aufziehen.

Anschließend fuhr er unter dem ohrenbetäubenden Lärm der britischen Fans seinem fünften Saisonsieg und seinem dritten Erfolg in Silverstone entgegen.

"Zum ersten Mal in meiner Karriere habe ich in Sachen Reifenwahl die perfekte Entscheidung getroffen", freute er sich.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff ergänzte bei Sky: "Wir sind natürlich auf seine Informationen von der Strecke angewiesen. Er war ganz ruhig und besonnen. Wir haben ihm die Wahl für den Stopp gelassen. Das hat er gemacht."

Und wie.

"Lewis hat ein fehlerfreies Rennen gezeigt. Im besten Moment hat er im Auto die Entscheidung für den Boxenstopp getroffen. Das war ein perfektes Zusammenspiel mit dem Team", sagte Wolff.

Hamilton wechselt als Erster

Das hatte bereits ein paar Runden zuvor ideal funktioniert. Nach seinem verpatzten Start ("Wir hatten nur wenig Grip") war Hamilton hinter die beiden Williams-Piloten zurückgefallen und wechselte als erster der Spitzengruppe seine Reifen.

Mit den neuen Pneus umrundete er den Silverstone-Circuit so schnell, dass sich seine drei Rivalen nach deren Boxenstopps hinter ihm einreihen mussten - die beiden Williams-Fahrer Felipe Massa und Valtteri Bottas sowie sein Teamkollege Rosberg.

Auch der Deutsche musste die taktische Meisterleistung des Engländers anerkennen. "Ich habe viel Druck gemacht und versucht, Lewis unter den schwierigen Bedingungen noch zu schnappen", sagte Rosberg, "aber dann hat er die bessere Entscheidung bezüglich des Boxenstopps getroffen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich verloren."

Wenn überhaupt hätte Rosberg wohl nur eine Siegchance gehabt, wenn er eine Runde eher als der vor ihm liegende Stallrivale in die Box abgebogen wäre. "Für mich hätte es nichts gebracht, ihm in die Boxengasse zu folgen. Dann hätte ich so oder so verloren", räumte Rosberg ein.

Vettel mit Hamilton-Taktik aufs Podium

Landsmann Sebastian Vettel musste seine ohnehin schon vagen Hoffnungen auf den Sieg bereits zu Beginn begraben, als er nach einem völlig missratenen Start bis auf Rang neun zurückgefallen war.

In der Schlussphase aber spülte ihn die richtige Taktik beim einsetzenden Regen noch vorbei an den Williams-Piloten bis auf Rang drei. Wie Hamilton passte er den perfekten Moment für den Reifenwechsel ab. "Wir hatten ausreichend Geduld, um auf die passende Intensität des Regens zu warten", erklärte Vettel seine erfolgreiche Strategie.

Im Jubel der Briten um ihren Sieger Lewis Hamilton ging die Leistung des viermaligen Weltmeisters jedoch schnell unter.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel