vergrößernverkleinern
AUTO-PRIX-F1-ITA
Zu niedriger Luftdruck? Lewis Hamiltons Sieg wird untersucht. © Getty Images

Monza - Obwohl Hamiltons Reifen vor dem Start einen zu niedrigen Luftdruck aufwies, darf der Weltmeister seinen Sieg in Italien behalten.

Lewis Hamilton hat den Großen Preis von Italien in überlegener Manier gewonnen. Doch er musste bis kurz vor 18 Uhr bangen, ob sein siebter Saisonsiegauch wirklich Bestand haben würde.

Erst dann entschieden die Stewards, die Ermittlungen gegen den Weltmeister und Mercedes wegen eines zu niedrigen Luftdrucks im linken Hinterreifen einzustellen.

Die FIA erklärte, dass der Reifendruck zum Zeitpunkt der Messung um 0,3 psi zu niedrig gewesen sei, weil die Heizdecken zum Wärmen der Reifen nicht eingeschaltet gewesen seien. Dies sei das übliche Prozedere, erklärten die Kommissare weiter. Weil die Reifen zu diesem Zeitpunkt also kälter gewesen seien als üblich, sei auch der Luftdruck niedriger gewesen. Tatsächlich erhöht sich der Druck mit der Temperatur. 

Der zu niedrige Reifendruck ist also offenbar wegen eines Messfehlers zustande gekommen. Mercedes konnte darum nicht bestraft werden.

Im Extremfall hätte Hamilton der Sieg sogar entzogen werden können. Der Automobilweltverband FIA hatte die Mercedes-Verantwortlichen schon während des Rennens aufgefordert, nach Rennende zu einem Meeting mit den Rennkommissaren zu erscheinen.

Der Reifendruck bei Hamiltons linkem Hinterreifen war vor dem Start um 0,3 psi zu niedrig gewesen. Bei Nico Rosberg sogar um 1,1 psi. Auch bei Ferrari seien bei Messungen durch die FIA vor dem Start falsche Druckwerte an den Reifen festgestellt worden. Bei Ferrari waren die Drücke aber über dem vorgegebenen Mindestdruck - was keine Strafe nach sich zieht.

Mercedes konnte sich zu niedrigen Reifendruck nicht erklären

Bei Mercedes konnte man sich unmittelbar nach dem Rennen die Untersuchungen nicht erklären. "Es wurden Reifendrücke vorgegeben von Pirelli. Wir haben die Drücke unter Pirelli-Aufsicht gemacht. Das sollte in Ordnung sein", hatte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bei RTL gesagt.

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda sagte: "Es wird sich als Missverständnis herausstellen, denke ich. Die Reifendrücke werden vor dem Rennen gemacht. Von uns und unter Aufsicht von Pirelli. Die Drücke waren in Ordnung. Ich weiß nicht, wie man zum Schluss kommen kann, dass sie nicht in Ordnung waren."

Später verdeutlichte Lauda noch: "Wir haben in keinster Weise versucht zu spielen. Das kann ich garantieren". Sollten die Reifendrücke zu niedrig gewesen sein, wäre dies ein "honest mistake", also ein Versehen gewesen.

Hamilton: "Letzte Runden waren nicht cool"

Weil die Ermittlungen schon während des Rennens bekannt gegeben wurden und somit eine Strafe im Raum stand, gab der Mercedes-Kommandostand Hamilton kurz vor Rennende die Anweisung, so schnell wie möglich zu fahren, um den Vorsprung auf Sebastian Vettel weiter auszubauen. "Diese Strafe stand im Raum. Das war eine neue Situation, deswegen wollten wir diesen Gap kreieren", sagte Wolff.

Hamilton hatte die Anweisung, noch schneller zu fahren, nicht verstehen können, sagte nach Überquerung des Zielstrichs: "Die letzten paar Runden waren nicht cool."

Um 16.15 Uhr werden die Mercedes-Verantwortlichen und Hamilton bei den Stewards zur Anhörung erwartet.

Williams forderte Disqualifikation

Unterdessen hat Williams-Technikchef Pat Symonds eine Disqualifikation Hamiltons gefordert: "Je weniger Druck man verwendet, desto besser wird die Performance - allerdings auf Kosten der Sicherheit", sagte er, dies sei mit einer Disqualifikation zu ahnden. "Bei solchen Dingen geht es nicht darum, ob es viel oder wenig ist. Regeln sind Regeln", so Symonds weiter.

Lewis Hamilton sagte, keinen Wettbewerbsvorteil gehabt zu haben, sollte sein Reifendruck zu niedrig gewesen sein. "Wenn es 0,3 waren, dann waren es 0,3. Das hatte unterm Strich aber keinen Einfluss auf das Auto. Dieser kleine Unterschied macht nichts aus. Um etwas zu bewirken, müsste der Unterschied schon deutlich größer sein, sagen wir mal 0,5 oder 1,0. Ich bin mir sicher, dass auch Pirelli beweisen wird, dass dies keinen Unterschied macht, zumal es nur ein Reifen war. Wären es alle Reifen gewesen, dann könnte man vielleicht argumentieren."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel