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Nico Rosberg (l.) dürfte im nächsten Jahr beim Duell zwischen Hamilton und Vettel nur eine Nebenrolle einnehmen © getty Images

München - Bei seiner Fahrt zum Titel in Austin untermauert Lewis Hamilton seine Ausnahmestellung. Er selbst wünscht sich einen stärkeren Rivalen - und denkt an Vettel.

Das Rennen in Austin war ein Spiegelbild der Rivalität zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg. Eine Rivalität, die eigentlich gar keine ist.

Wie so oft in den vergangenen Monaten und Jahren demonstrierte der Brite auch in Texas, warum er nun schon zum dritten Mal die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen hat: Kompromisslos reizt er die Regeln bis aufs Äußerste aus und lässt sich auf dem Weg zum Sieg durch nichts und niemanden aus der Spur bringen. Am wenigsten von seinem eigenen Teamkollegen.

Dort wo Hamilton durchzieht, zieht Rosberg zurück - wie in Austin gleich nach dem Start. Dass der Brite mit dem Manöver übertrieben hatte, war auch bei Mercedes einhellige Meinung.

Hinterher war aber eine andere Szene das vorherrschende Thema - nicht nur in der internationalen Presse. "Als er rausgeflogen ist, hat er es abgegeben", sagte Motorsportchef Toto Wolff über Rosbergs Fahrfehler in der Schlussphase, machte ihm aber gleichzeitig Hoffnung: "Er wird 2016 wieder stark zurückkommen. Er hat das Zeug zum Weltmeister." 

Hamilton rechnet mit Vettel

Das allerdings darf bezweifelt werden, nachdem er nun bereits zum zweiten Mal im Titelkampf gegen seinen Stallrivalen den Kürzeren gezogen hat. Auch Hamilton selbst rechnet in Zukunft eher mit dem viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel als schärfsten Rivalen. (DATENCENTER: Fahrerwertung)

Als die beiden mehrfachen Champions bei der Pressekonferenz in Austin auf den Wettstreit um die meisten WM-Titel angesprochen wurden, sagte Hamilton zu Vettel: "Ich werde alles dafür tun, damit du nicht sieben Mal Weltmeister wirst." Und der erwiderte: "Das kannst du ja mal probieren." Sieben Titel hat bislang nur Vettels großes Vorbild Michael Schumacher gewonnen.

Schon vor dem USA-GP hatte Hamilton betont, wie sehr er sich eine harte Rivalität mit Vettel wünscht - auch wenn er dafür die Fanbrille aufsetzte: "Wenn ich ein Fan wäre, dann würde ich auch am liebsten ein Duell von Hamilton im Mercedes gegen Vettel im Ferrari sehen. Ich wünsche mir viele tolle Rad-an-Rad-Duelle."

Salz in die Wunden des Vizeweltmeisters Rosberg. Der droht bei Mercedes im Schatten des schillernden Champions in Vergessenheit zu geraten.

Prägendes Duell?

Hamilton gegen Vettel. Mercedes gegen Ferrari. Dreimaliger Weltmeister gegen viermaligen Champion. Das könnte in der Tat das Duell des Jahres 2016 werden - und die Formel 1 auch danach noch prägen.

Am Heppenheimer sollte die neue Rivalität nicht scheitern. Er hat mit bislang drei Rennsiegen für sein neues Team schon mehr erreicht, als sich die Roten erhofft hatten.

Und noch in Austin richtete er nach seiner beeindruckenden Aufholjagd vom 13. auf den dritten Platz den Blick bereits voraus. "Wir kommen näher", sagte der Ferrari-Star nach seiner Galavorstellung in den USA: "Das Ziel ist, es nächstes Jahr besser zu machen und bis zum Ende zu kämpfen."

Nachdem Hamilton in seinem überlegenen Mercedes in diesem Jahr noch zu stark für Vettel war, soll sich das schon 2016 unbedingt ändern: "Hoffentlich können wir ihnen richtig Feuer machen."

Voraussetzungen sind geschaffen

Die Voraussetzungen dafür stehen günstig, nachdem der Automobil-Weltverband FIA den Teams für die nächste Saison erlaubt hat, die Motoren auch während der Saison weiterzuentwickeln. Ferrari kann also seine enormen finanziellen Mittel weiter in die Entwicklungsarbeit stecken und den technischen Rückstand auf Mercedes aufholen. 

Was das fahrerische Können angeht, steht der Deutsche dem Briten ohnehin in nichts nach. In Sachen Kaltschnäuzigkeit und Durchsetzungsvermögen ist Vettel der gleichwertige Gegner, den sich Hamilton wünscht. Auch Vettel hat sich bei seinen vier WM-Titeln für Red Bull mit seiner kompromisslosen Art nicht nur Freunde gemacht.

Man frage beispielsweise nach bei seinem damaligen Teamkollegen Mark Webber, der über viele Jahre eine ähnlich bemitleidenswerte Rolle spielte wie Rosberg im Mercedes-Duell gegen Hamilton.

In der kommenden Saison könnte es also erstmals zum Duell der beiden Alphatiere auf Augenhöhe kommen. Der Spannung in der Formel 1 kann dies nur gut tun.

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