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Schlechter Verlierer: erst wirft Hamilton Rosberg ein Basecap zu, dieser befördert die Kappe umgehend an den neuen und alten Formel-1-Weltmeister zurück © Grafik SPORT1: Skyy

München - Nico Rosberg zeigt erst nach dem Rennen in Austin seinem Teamkollegen Lewis Hamilton die Muskeln. Das lässt ihn wie einen schlechten Verlierer aussehen.

Manchmal genügt ein Blick in die sozialen Netzwerke, um das ganze Dilemma zu begreifen. Vergangene Woche postete Nico Rosberg also auf Instagram ein Bild von einem hausgemachten glutenfreien Pfannkuchen. "Bester Start in einen Trainingstag. Vivian's [(sic)] hausgemachte glutenfreie Pfannkuchen!!", schrieb er dazu.

Rosbergs Frau hatte sich richtig Mühe gegeben. Das Ding sah gar nicht schlecht aus, nett verziert mit Beeren, Bananen und Zimt.
Aber trotzdem: Pfannkuchen! Glutenfrei! Gebacken von der Ehefrau!

Mehr muss man nicht wissen über Nico Rosberg. Er ist wie sein glutenfreier Pfannkuchen. Total vernünftig, gesund, bestimmt auch gut. Aber eben auch: irgendwie fad und freudlos. Und so fährt Rosberg meistens auch.

Zumindest im Vergleich zu Lewis Hamilton, dem Champion nicht nur am Steuer, sondern auch auf Twitter, Snapchat, Instagram.

Wenige Stunden, bevor er sich in Austin zum dritten Mal selbst zum König der Formel 1 krönte, verschickte Hamilton via Snapchat ein paar Fotos und Videos. Auch dort spielte eine Süßspeise eine gewisse Rolle, aber nur, um fröhlich zerdätscht und gefressen zu werden. Nämlich von Roscoe Hamilton, des Weltmeisters Hund, der am Sonntag Geburtstag hatte.

Anschließend fraß Hamilton, um im Bild zu bleiben, auf der Strecke dann auch Rosberg auf. Wieder mal. Hamiltons Manöver am Start mag zu hart und vielleicht auch unfair gewesen sein. Doch Hamilton ist nicht nett. Er ist Weltmeister.

Rosbergs Wut auf den Rivalen im eigenen Stall und das verärgerte Zurückwerfen der Kappe vor der Siegerehrung war verständlich. Hamilton war gerade Weltmeister geworden, auch wegen eines Fahrfehlers Rosbergs in den letzten Runden. Rosberg war enttäuscht und fühlte sich durch den Kappenwurf wohl auch ein bisschen gedemütigt.

Und doch wirkte die Aktion vor allem: weinerlich.

Nicht falsch verstehen: Ich mag Rosberg, sehr sogar. Weil er intelligenter ist als der Durchschnitt, weil er auch über den Tellerrand blickt und kein reiner Vollgas-Junkie ist. Aber wer im Haifischbecken Formel 1 Titel gewinnen will, muss gnadenlos sein. Auf und neben der Strecke. Vor allem den anderen gegenüber. Wie Senna. Wie Schumacher. Wie Vettel. Wie Hamilton.

Doch Rosberg ist nicht gandenlos, vor allem nicht neben der Strecke. Letzte Saison muckte er kurz auf, fügte sich aber nach dem ersten Rüffel der Bosse wieder.

Hätte er sich während dieser Saison auf und neben der Strecke so gewehrt gegen Hamilton wie am Sonntag nach dem Rennen, hätte ihm der Kappenwurf sogar neue Fans bringen können.

Wer sonst immer darauf bedacht ist, bloß nicht die Kontrolle zu verlieren und es allen (vor allem den Chefs) recht zu machen, der darf die Kontrolle dann auch nicht mehr verlieren. Wer glutenfreie Pfannkuchen isst, kann nicht plötzlich Sahnetorten und Steaks frühstücken.

Wäre Hamilton der wütende Kappenwerfer gewesen, die Aktion wäre als verdammt cool durchgegangen. Doch Rosberg wirkte am Sonntag nur wie ein schlechter Verlierer.

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