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Lewis Hamilton (r.) zweifelt an Sebastian Vettels Fähigkeiten als Fahrer
Lewis Hamilton (r.) zweifelt an Sebastian Vettels Fähigkeiten als Fahrer © DPA Picture-Alliance

Der Weltmeister zweifelt ziemlich unverblümt an den Fähigkeiten des Ferrari-Piloten. Der 28-Jährige habe sich bislang noch nie gegen starke Teamkollegen beweisen müssen.

Jetzt wird mehr oder weniger süffisant gegen den jüngsten Weltmeister gestänkert:

Weltmeister Lewis Hamilton sieht Sebastian Vettel von dessen Leistungsniveau her anscheinend ungeachtet jüngster Lobhudeleien doch nicht auf einem Level mit sich selbst.

Das deutete der Brite nun im Interview mit der Sport Bild an.

Auf die Frage, wen er selbst als idealen zweiten Fahrer neben sich selbst einstellen würde, zeigte sich der 30-Jährige zunächst noch zurückhaltend und erklärte: "Eigentlich willst du als Teamchef ja die beiden besten Fahrer haben. Aber die Geschichte hat uns gelehrt, dass das nicht unbedingt positiv fürs Team sein muss. Ich könnte Sebastian Vettel nehmen, ich habe sehr viel Respekt vor ihm."

Hamilton: Aber wie gut ist Vettel?

Doch dann ging Hamilton ins Detail - und zweifelte die Fähigkeiten des Ferrari-Piloten offen an:

"Aber wie gut ist er (Vettel; Anm. d. Red.) wirklich?", so der Brite.

Und fügte an: "Das ist schwierig einzuschätzen, weil er noch nicht mit einem Fahrer wie Fernando Alonso im gleichen Team gefahren ist. Sondern gegen Mark Webber, der nicht auf seinem Level war, oder einen Kimi Räikkönen, der momentan nicht auf seinem Leistungshöhepunkt ist."

Kappenwurf von Austin

Es ist nicht das erste Mal, dass Hamilton versucht, seine Kontrahenten psychisch zu zermürben.

Zuletzt bekam das mal wieder (Noch?-)Teamkollege Nico Rosberg zu spüren.

Unmittelbar nach seinem WM-Triumph in Austin, als Lewis seinen Stallgefährten zu einem Kappenwurf reizte, hatte der dreimalige Weltmeister in der Daily Mail in einer Mischung aus Arroganz und geheucheltem Mitleid gesagt: "Es ist wirklich schlimm, mein Teamkollege zu sein."

Hamilton deutete Rosbergs Aktion als Frustreaktion auf dessen Fahrfehler. Dass er als Vorwurf gegen ihn selbst und sein überhartes Manöver kurz nach dem Start gemeint war, ignorierte Hamilton.

Nicht der erste Psychotrick

Und auffallend häufig nannte der Bad Boy zuletzt den nun aktuell geschmähten Vettel als größten Herausforderer für die neue Saison - obwohl Ferrari trotz des jüngsten Aufschwungs den Beweis der Konkurrenzfähigkeit auf höchstem Level erst noch antreten muss.

Für 2016 wünsche er sich "viele tolle Rad-an-Rad-Duelle", hatte Hamilton gesagt - mit Vettel, nicht mit Rosberg.

Den einen Konkurrenten mit Ignoranz strafen, indem er den anderen bewundert.

Das kennt Vettel bereits, allerdings mit vertauschten Rollen. Als der Heppenheimer noch bei Red Bull fuhr, galt Hamiltons zur Schau gestellte Hochachtung nicht Vettel, sondern Alonso.

Vettel aber präpariert

Ausgerechnet! Denn es war der stolze Spanier, der Hamilton in dessen starker Debütsaison 2007 für McLaren mit allen Mitteln versuchte, zu besiegen.

Rückblickend aber sagte der Brite vor zwei Jahren über diese Zeit: "Ich habe dort hautnah erlebt, wie schnell dieser Kerl ist, wie gut er die Dinge analysieren kann, wie viel Talent in ihm steckt. Seitdem fühle ich, dass niemand in der Formel 1 so gut ist wie er."

Genutzt hat es Hamilton wenig. Der Hesse raste bis 2013 dennoch zu vier WM-Titeln hintereinander.

Spannende Frage also, ob Hamilton auch im kommenden Jahr als Psychokrieger erfolgreich sein kann, sollte es tatsächlich zum großen Zweikampf um den Titel zwischen ihm und Vettel kommen.

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