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F1 Testing In Barcelona - Day One
In Zukunft steht nach dem Qualifying in der Formel 1 nicht mehr zwingend der schnellste Fahrer auf Platz 1 © Getty Images

Die FIA verkündet offiziell, dass es für die neue Saison tiefgreifende Änderungen im Qualifying geben wird. Außerdem wird die Einführung eines Cockpit-Schutzes beschlossen.

Ein altes Kinderspiel als Vorbild für eine spannendere Formel 1: Mit einem Ausscheidungsfahren im Stile der "Reise nach Jerusalem" will die Königsklasse des Motorsports dem drohenden Bedeutungsverlust trotzen und das Qualifying zu einem Spektakel erheben.

Rosberg befürwortet das neue System

"Das wird alles etwas spannender dadurch", sagte Vize-Weltmeister Nico Rosberg (Mercedes): "Wir werden künftig früh rausfahren und eine Zeit setzen müssen", erklärte der Wiesbadener, der allein in der Vorsaison mit dem alten Modus sieben Pole Positions herausfuhr.

Weltmeister Lewis Hamilton glaubt dagegen, dass der Modus "nicht viel ändern" wird. Er habe aber "die Hoffnung, positiv überrascht zu werden". Zumindest die Zuschauer an der Strecke sieht der Brite als mögliche Gewinner: "Für sie wird das Spektakel größer, weil vermutlich mehr Autos auf der Strecke sind."

Weniger Befürchtungen vor einschneidenden Veränderungen hat McLaren-Renndirektor Eric Boullier: "Am Ende werden weiter die besten Autos vorne stehen", sagte der Franzose. Allerdings würden Fahrfehler härter bestraft, so Bouillier weiter. Diese Gefahr droht vor allem dann, wenn zu Beginn alle 22 Autos auf der Strecke sind und sich gegenseitig blockieren.

Der Automobil-Dachverband FIA hatte am Mittwoch verkündet, was am Dienstag vom Treffen der Strategiegruppe und der Formel-1-Kommission in Genf bereits durchgesickert war: eine "einstimmige Entscheidung" für den revolutionären Modus, der "schnellstmöglich zum Einsatz kommen" soll, allerdings durch den Motorsport-Weltrat am 4. März in Genf noch final abgesegnet werden muss.

Williams-Technikchef Pat Symonds hegt in diesem Punkt zumindest leise Zweifel: "Solange die Regeln nicht aufgeschrieben sind, ist alles noch Theorie." Es ist Eile geboten, am 19. März steht das erste Qualifying der Saison für den Großen Preis von Australien in Melbourne an.

Das neue Format wird im Stile eines Ausscheidungsrennens durchgeführt, in dem nach einer Einrollphase jeweils im 90-Sekunden-Takt der schwächste Fahrer fliegt.

Wie bisher wird in drei Qualifikations-Abschnitten gefahren, der erste dauert 16, der zweite 15, der dritte 14 Minuten.

Cockpit-Schutz a la Halo kommt

Zudem teilte die Kommission mit, dass es ab der Saison 2017 einen Cockpit-Schutz geben wird. Zuletzt wurde in dieser Hinsicht über das Halo-Konzept diskutiert, bei dem der Fahrer durch eine Haube geschützt wird.

Das "Halo"-System, bei dem der Kopf des Fahrers durch drei Streben geschützt ist, als die "derzeit bevorzugte Option". Weitere Modelle würden aber untersucht und getestet.

Der Ablauf des weiterhin dreiteiligen Qualiyfings soll wie folgt aussehen:

Q1

Das Q1 soll 16 Minuten dauern. Nach sieben Minuten wird der langsamste Fahrer eliminiert, anschließend fällt bis zur Zielflagge das Schlusslicht alle eineinhalb Minuten raus.

In der ersten Runde scheiden sieben Fahrer aus, 15 schaffen den Sprung ins Q2.

Q2

Das Q2 dauert wiederum 15 Minuten, nach sechs Minuten muss sich der Letzte verabschieden, der anschließende Eliminierungsrhythmus beträgt erneut eineinhalb Minuten.

Wieder werden sieben Fahrer eliminiert, sodass noch acht Fahrer übrig bleiben.

Q3

Im dritten und letzte Abschnitt kämpfen die letzten acht Fahrer dann in 14 Minuten um die Pole Position.

Nach fünf Minuten Fahrt scheidet der langsamste Fahrer aus, nach jeden weiteren 90 Sekunden der nächste, bis in den letzten eineinhalb Minuten nur noch zwei Fahrer übrig sind, die im direkten Duell die Pole Position ausfahren.

Wichtig dabei: Für den letzten K.o. eines Fahrers in jedem Abschnitt ist nicht der Ablauf der Zeit entscheidend, sondern die Zielflagge. Heißt: Die bedrohten Fahrer dürfen ihre letzte schnelle Runde noch zu Ende fahren.

Mehr Power ab 2017

Auf Empfehlung der Strategiegruppe stimmte die Formel-1-Kommission weiterhin dafür, die Deadline für eine Einigung im Hinblick auf das sportliche und technische Reglement für 2017 auf den 30. April zu verschieben.

Generelle Einigkeit besteht darüber, die Boliden 2017 mit mehr Abtrieb auszustatten und damit die Autos schneller zu machen.

FIA, Teams und Reifenhersteller Pirelli klären hier noch Detailfragen.

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