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Bernie Ecclestone ist Geschäftsführer der Formel-1-Holding © Getty Images

Barcelona - Der Formel-1-Boss weckt Zweifel an der neuen Form des Qualifyings - und schiebt deren Einführung erst mal einen Riegel vor. Zum Start bleibt wohl alles beim alten.

Keine sieben Tage brauchte Bernie Ecclestone, um aus der heißesten Geschichte der Formel 1 die Luft herauszulassen.

Eine Qualifying-Revolution "möglichst schon zum Saisonstart" hatte der Weltverband in der vergangenen Woche angekündigt. Dann meldete Ecclestone sich mehrfach zu Wort, die Nummer wurde kleiner und kleiner. Und zu Beginn der letzten Tests in Barcelona ist nicht mal sicher, ob das neue Format überhaupt kommt. (SERVICE: Der Rennkalender 2016)

"Wir müssen abwarten, ob die angekündigten Veränderungen nicht noch gekippt werden", sagte der Formel-1-Chef dem Wirtschaftsmagazin Forbes. Der Brite ist kein großer Freund der neuen Idee, und nun spielt er seine Macht aus.

"In die Hose gegangen"

Die Formel 1 könnte sich damit wieder einmal selbst lähmen - es ist eine Geschichte, die viel erzählt über verworrene Entscheidungswege und Grabenkämpfe in der Königsklasse.

"Das ist ein bisschen in die Hose gegangen, würde ich sagen", meinte auch Mercedes-Pilot Nico Rosberg: "Das sieht nach außen nicht sonderlich professionell aus." Dabei hatte alles gut begonnen.

Zwei von drei Hürden waren schon genommen

Dabei hatte alles gut begonnen. Die "Reise nach Jerusalem" sollte für mehr Spannung bei der Zeitenjagd sorgen, im Stile eines Ausscheidungsrennens würde dabei im 90-Sekunden-Takt der schwächste Fahrer fliegen. Der Vorschlag schaffte es durch die Strategiegruppe und die Formel-1-Kommission, die ersten beiden Entscheidungsinstanzen.

Einigkeit ist in diesen Gremien selten genug, denn die Interessen sind allzu oft gegenläufig. In der Strategiegruppe haben drei Parteien gleiches Stimmrecht: Der Rechteinhaber FOM um Ecclestone, der Weltverband FIA und die sechs führenden Rennställe. Komplizierter wird es in der F1-Kommission. 26 Mitglieder entscheiden dort, auch Rennveranstalter, Motorenhersteller, der Reifenlieferant und Sponsoren gehören dazu. Notwendig ist eine Zweidrittel-Mehrheit.

Im Normalfall winkt der Motorsportweltrat der FIA die Anträge anschließend nur noch durch, das sollte eigentlich auch in diesem Fall geschehen. Doch Ecclestone gefällt der Gedanke an das neue Format nicht, "es ist eigentlich nicht das, was ich wollte", sagt der 85-Jährige. Nun stellt er offenbar auf stur. Er kann das, weil seine FOM für die Umsetzung zuständig ist.

Software bis zum Start offenbar nicht fertig

Die geplante Einführung zum Saisonstart in Melbourne (20. März) sei nicht möglich, sagte er, die nötige Software werde nicht rechtzeitig fertig. "Meine Jungs von der Zeitnahme haben mir gesagt: 'Mr. E, warum werden wir in eine solche Situation gebracht? Wir bekommen das so schnell nicht hin", sagte Ecclestone der BBC: "Da kann die FIA wenig machen, weil wir nun mal dafür zuständig sind. Das ist alles."

Frühestens zum Großen Preis von Spanien im Mai sei es umsetzbar, meint der Brite - wohlwissend, dass eine derart gravierende Änderung mitten in der Saison weder bei Teams noch beim Fan besonders gut ankommt. Vielleicht setzt Ecclestone nun darauf, dass der Weltrat sich angesichts dieses Hick-Hacks doch gegen die Idee entscheidet.

Auch Arrivabene und Wurz haben Zweifel

Vertreter der Formel 1 hat er dabei durchaus auf seiner Seite. "Wir müssen erst mal verstehen, ob wir das Entertainment verbessern oder ob es ein Flop wäre", sagt etwa Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene.

Alex Wurz, Vorsitzender der Fahrergewerkschaft, glaubt nicht an einen "messbaren Erfolg" und hält eine Änderung schlicht für unnötig. "Ich glaube, es hat keinen einzigen TV-Sender gegeben, der mit dem Qualifying-Format nicht zufrieden war", sagte er im Gespräch mit motorsport-magazin.com.

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