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Canadian F1 Grand Prix
Ferrari-Pilot Sebastian Vettel rückt Mercedes immer dichter auf die Pelle © Getty Images

Fast hätte Sebastian Vettel in Kanada den ersten Ferrari-Sieg der Saison geholt. Zu der Frage um das wahre Leistungsvermögen gesellt sich ein neuer Flügelzoff.

Da war es wieder, das diebische Grinsen, das sinnbildlich für Sebastian Vettel steht und für das ihn seine Fans lieben.

Der Ferrari-Pilot crashte nach dem Kanada-GP ein Fernsehinterview von Mercedes-Kontrahent Lewis Hamilton, um mit ihm über ein "selbstmörderisches Taubenpärchen" zu plaudern, das auf der Strecke verweilte und ihn zu einem Verbremser nötigte.

Das alles passierte, obwohl das Team des vierfachen Weltmeisters kurz zuvor noch mit einem unnötigen ersten Boxenstopp den Sieg in Montreal wohl selbst vergeigte. Eine kleine Randnotiz nur, die aber ganz gut zeigt, in welcher Gemütslage sich die Scuderia vor dem Europa-Grand-Prix in Baku (das erste Training am Fr., 11 Uhr im LIVETICKER) im Moment befindet.

Neuer Flügelzoff

Zu der Frage um das wahre Leistungsvermögen von Ferrari gesellt sich seit dem Wochenende eine neuerliche Diskussion um flexible Flügelteile, die vor vielen Jahren schon einmal um das damals übermächtige Red-Bull-Team entbrannte.

Nun sollen sich abermals Ingenieure von Ferrari und Red Bull im Bereich der Heck- beziehungsweise Frontflügel etwas ganz Besonderes einfallen lassen haben. Ab einer gewissen Geschwindigkeit sollen sich Flügelteile bei den Boliden der beiden Teams verbiegen, was Geschwindigkeitsvorteile mit sich bringen soll.

Aufgefallen sind die flexiblen Flügel laut Auto Motor Sport einigen Konkurrenzteams beim Studium der Onboard-Kameraperspektiven beim Grand Prix von Spanien. Nun befasst sich die FIA mit dem Fall. Es wird über neue Belastungstests beraten, die dem Treiben ein Ende bereiten könnte.

Der neue Turbolader zündet

Ob durch zusätzliche Flügel-Power begünstigt oder nicht - nach dem Kanada-Wochenende überwiegen beim Vettel-Team ganz klar die positiven Dinge. Die italienische Presse spricht gar von der "besten Ferrari-Leistung in diesem Jahr" und von einem "unbestreitbaren Schritt nach vorne".

Fakt ist, dass die neuen Verkleidungsteile rund um die Hinterradaufhängung und der neue Turbolader überraschend gut funktionieren.

Ferrari war im Qualifying nur marginal langsamer als die Silberpfeile und auch im Rennen konnte Sebastian Vettel zu jeder Zeit Druck auf Lewis Hamilton aufbauen, am Ende fehlten nur fünf Sekunden zum Sieg.

"Ich habe alles probiert, bis zum Schluss und das Auto fast in die Wand gesetzt. Aber wir sind näher dran und haben die Mercedes zum ersten Mal an dem Wochenende unter Druck gesetzt", sagte Vettel später.

Video

Fraglich nur, ob solch eine Performance ebenfalls bei wärmeren Temperatur-Verhältnissen, als sie in Montreal vorherrschten, möglich sein wird.

Taktik geht wieder nicht auf

Auf der anderen Seite sind wieder die taktischen Versäumnisse im Team schuld, dass der lang ersehnte ersten Saisonsieg verpasst wurde. Wie schon im ersten Rennen in Australien entschied sich die Scuderia für die falsche Strategie, Mercedes beweist hier nicht nur in dieser Saison ein deutlich glücklicheres Händchen.

Dennoch: Zum ersten Mal seit Melbourne lebt auch bei Ferrari selbst wieder der Glaube, aus eigener Hand ein Rennen gewinnen zu können.

Damit die positive Stimmung rund um den zweiten Platz in Kanada aber bestehen bleibt, braucht es mehr als eine tadellose fahrerische Leistung von Sebastian Vettel, einem ordentlichen Qualifying und einem traumhaften Start. Die Taktik muss passen und auch die Rahmenbedingungen müssen den Roten in die Karten spielen.

Denn auch nach wie vor gilt: Diese Mercedes können von Ferrari nur an einem rundum perfekten Tag geschlagen werden.

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