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James Allison kam 2013 von Lotus zu Ferrari
James Allison kam 2013 von Lotus zu Ferrari © Getty Images

Ferrari hat die Trennung von Technikchef James Allison offiziell verkündet. Angeblich gab es Meinungsverschiedenheiten über Strategie und Arbeitsmethoden.

Sebastian Vettel hatte sich weit aus dem Fenster gelehnt: Man lache bei Ferrari über diese ständigen Gerüchte.

 Der angebliche Abschied von Technikchef James Allison? Bloß ein weiteres Störfeuer der Presse. Doch nur sechs Tage nach Vettels Medienschelte bestätigte Ferrari nun selbst: Allison muss gehen, die Scuderia baut kurz vor Vettels Heimspiel in Hockenheim ihre Führungsriege um - mitten in dieser schwierigen Saison, in der Mercedes mal wieder unerreichbar scheint.

"Wir danken James für seinen Einsatz und die Opfer in der gemeinsamen Zeit", sagte Teamchef Maurizio Arrivabene in einer knappen Pressemitteilung, die am Mittwochmorgen um die Welt geschickt wurde. Nach dreijähriger Zusammenarbeit habe man sich einvernehmlich für eine Trennung entschieden.

Binotto wird Nachfolger

Sein Nachfolger bei den Italienern wird Mattia Binotto, die Stelle wird damit intern besetzt. Binotto war bis zuletzt Motorenchef.

"Pauschal kann man sagen: das meiste ist Quark", was da geschrieben werde, hatte Vettel noch am vergangenen Donnerstag vor dem Großen Preis von Ungarn gesagt. Auch Arrivabene machte sich noch am Sonntag nach dem Rennen geradezu lustig über die neuesten Berichte zur bevorstehenden Trennung vom Technikchef - doch Italiens Presse war ziemlich gut informiert.

Zu den Gründen für die nun offizielle Entscheidung gibt es derweil unterschiedliche Versionen. Angesichts der enttäuschenden Leistungen in der bisherigen Saison sei es zum Bruch zwischen Ferrari-Boss Sergio Marchionne und dem Briten gekommen, hatte die Gazzetta dello Sport geschrieben. Es gebe Meinungsverschiedenheiten über Strategie und Arbeitsmethoden.

Letzer Verbliebener der Montezemolo-Ära weg

Doch auch der plötzliche Tod von Allisons Frau vor einigen Monaten und sein Bedürfnis, seinen Kindern näher zu sein, könnte den 48 Jahre alten Engländer dazu veranlasst haben, Maranello zu verlassen. Daher habe er vor einer Weile begonnen, mit Marchionne über ein vorzeitiges Ende seines bis zum kommenden Jahr gültigen Vertrages zu verhandeln.

Was auch immer die Gründe für die Trennung waren, der letzte Verbliebene aus der Ära von Ex-Präsident Luca di Montezemolo ist nun weg - und für Vettel macht es die Jagd auf Weltmeister Mercedes nicht einfacher.

Das zweite Jahr bei Ferrari ist nach den drei Erfolgen 2015 bislang eine Enttäuschung, die Scuderia ist noch sieglos und muss sich zudem starker Konkurrenz durch Red Bull Racing erwehren.

Arbeit für 2017 muss neu koordiniert werden

Vettel warb noch in Ungarn um mehr Geduld, "der Wechsel zu Ferrari war kein Schnellschuss", sagte er: "Ich habe nicht gedacht, dass morgen alles klappen muss. Wenn das Team neu geformt werden muss, dann muss man sich auch die nötige Zeit lassen, bis sich die Erfolge einstellen."

Schwächen offenbart auch das Chassis. Gut möglich also, dass dies tatsächlich ein Grund für den Abschied von Allison ist.

Die Arbeit am Auto für 2017, wenn das Reglement unter anderem in Bezug auf die Aerodynamik völlig verändert wird, muss nun aber ziemlich plötzlich auf andere Schultern verteilt werden.

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