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Nico Rosberg
Nico Rosberg (l.) hat das Rennen in Monza vor Lewis Hamilton (r.) gewonnen © Getty Images

München - Im Stile eines Champions reagiert Nico Rosberg auf die Qualifying-Ohrfeige - und zeigt ein neues Selbstverständnis. Eine große Schwäche gefährdet Hamiltons WM-Traum.

Als Monza-Sieger Nico Rosberg auf dem Podium plötzlich die White-Stripes-Hymne "Seven Nation Army" anstimmte, staunten Tausende Tifosi nicht schlecht. Von Lewis Hamilton oder Sebastian Vettel hätte man so etwas noch erwarten können, aber Rosberg? 

Insofern dauerte es einen Augenblick, bis die Fans die Überraschung verdaut hatten und in Rosbergs Gesang miteinstimmten.

Mit diesen ungeahnten Entertainer-Qualitäten sowie der Dankesrede auf Italienisch brachte der Mercedes-Pilot die vereinzelten Buhrufe sofort zum Verstummen und zog die Sympathien auf seine Seite. 

Rosberg wie verwandelt nach der Pause

Rosberg hatte im Stile eines Champions reagiert - nicht zum ersten Mal seit der Sommerpause. Dabei war der Druck auf den Deutschen nach dem verpatzten Heimrennen in Hockenheim immens.

Vier Rennen hatte Hamilton zuvor in Serie gewonnen, dabei fast 50 Punkte mehr als Rosberg geholt und sich die Führung in der WM-Wertung geschnappt. Zu diesem Zeitpunkt sprach wirklich alles für den Briten. 

Doch Rosberg präsentierte sich nach der Sommerpause bestens erholt und mental vorbereitet auf den knallharten Kampf mit seinem Teamkollegen. In Spa nutzte er die Strafversetzung Hamiltons eiskalt und auch in Monza steckte er die Ohrfeige im Qualifying sofort weg.

So behielt Rosberg beim Start die Nerven, nutzte Hamiltons Fehler und ließ sich auch von Sebastian Vettels Blitzstart beim Anbremsen auf Kurve eins nicht aus der Ruhe bringen.

Hamilton patzt öfter beim Start

Apropos Start: Bei nur noch zwei Punkten Rückstand von Rosberg auf Hamilton könnte Hamiltons Start-Schwäche das Zünglein an der Wange spielen. Denn kein Pilot verpatzte den Start in dieser Saison so oft wie Hamilton.

Sieben Mal stand Lewis Hamilton in diesem Jahr auf der Pole. Lässt man den Start in Silverstone hinter dem Safety Car aber außen vor, gelang es Hamilton nur einmal, diese Führung in Runde eins zu verteidigen.

Bei den restlichen Starts von der Pole verlor er dagegen 21 Plätze - der Ausfall in Barcelona nach dem Startcrash mit Rosberg ist dabei nicht einmal mitgezählt.

Rosberg arbeitet an Schwächen

Es steht außer Frage, dass auch Rosberg schon den einen oder anderen Start in diesem Jahr nicht optimal hinbekommen hat. Doch der Deutsche hat hart daran gearbeitet, um dieses Problem zu lösen.

"Ich habe in diesem Bereich in den letzten Wochen wirklich Fortschritte gemacht, nachdem ich zuletzt Schwierigkeiten hatte. Das freut mich sehr, und so habe ich das Duell gegen Lewis gewonnen", sagte Rosberg zu seinem Start.

Der 31-Jährige hat sich nicht hinter den aus der ersten Saisonhälfte bekannten Kupplungsproblemen bei Mercedes versteckt, sondern die Schuld bei sich gesucht - das zeichnet einen echten Champion aus.

Hamilton: "Es war nicht mein Fehler"

Mit drei WM-Titeln hat Hamilton seine Champion-Qualitäten bereits zweifelsohne nachgewiesen - sein Verhalten nach dem Rennen überraschte dennoch. Hatte der Brite die Schuld am miesen Start zunächst noch ehrenhaft via Boxenfunk auf sich genommen, ruderte er später plötzlich zurück.

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht mein Fehler war. Ich wusste, meine Jungs würden panisch werden, wenn ich für den Rest des Rennens sauer gewesen wäre. Daher wollte ich sie beruhigen", sagte der Weltmeister.

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff sah das anders: "Das hat Lewis versemmelt", wenngleich er seinem Schützling keinen Vorwurf machen wollte: "Mal machst du den Fehler, mal ein anderer."

Egal wer recht hat: Es wäre Hamilton anzuraten, sich seine Starts ebenfalls noch einmal genauer anzuschauen. Ansonsten könnte es passieren, dass der für viele Beobachter schnellste Fahrer im Feld den Titel-Hattrick verpasst. Denn der neue Rosberg bestraft jeden seiner Fehler eiskalt.

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