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Singapur-Sieger Nico Rosberg wird von seinem Team auf Händen getragen
Singapur-Sieger Nico Rosberg wird von seinem Team auf Händen getragen © Getty Images

München - Nico Rosberg setzt sich in Singapur dominant und kaltschnäuzig an die WM-Spitze. Das Momentum ist gekippt. Mercedes schwärmt, auch Lewis Hamilton zollt Respekt.

Selbst in der kniffligsten und rennentscheidenden Szene bewahrte Nico Rosberg kühlen Kopf. Im Anschluss an einen Fahrfehler, der ihm fast den Sieg beim Großen Preis der Formel 1 in Singapur gekostet hätte, regte er die Mercedes-Crew zum Strategie-Wechsel an.

Anstatt zum Reifentausch in die Box zu kommen, blieb Rosberg auf der Strecke und rettete so einen hauchdünnen Vorsprung vor Daniel Ricciardo ins Ziel. Ein weiterer Stopp hätte den Verlust der Führung zur Folge gehabt.

"Er hat richtig gehandelt, es wäre zu spät gewesen", erhielt Rosberg Sonderlob von Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff.

Wolff schwärmt von "bestem Rosberg"

Dank seiner Coolness hat der Deutsche seinem Teamkollegen Lewis Hamilton die Führung in der WM-Wertung wieder abgenommen und darf sich berechtigte Hoffnungen auf seinen ersten Titel machen. (Die Fahrerwertung der Formel 1)

Insbesondere die Dominanz, die Rosberg im asiatischen Stadtstaat an den Tag gelegt hat, ist bemerkenswert. Nach kleineren Problemen in der ersten Session hatte er ab dem zweiten Training in allen Einheiten die Nase vorn.

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Gekrönt wurde seine Leistung von einer der besten Qualifying-Runden seiner Karriere und dem nahezu perfekten Rennen.

"Ich kenne Nico Rosberg seit 2013 und heute habe ich den besten Nico Rosberg überhaupt gesehen. Normalerweise sagen wir immer, dass Lewis so eine tolle Pace hat. Das haben wir dieses Wochenende bei Nico gesehen. Er war einfach super schnell", schwärmte Wolff.

Hamilton lobt Rosberg mehrfach

Das Wochenende war die Fortsetzung einer starken Serie, die Rosberg seit der Sommerpause hingelegt hat. Drei Triumphe in Folge, kein Zeichen von Schwäche, die dafür sein Hauptkonkurrent aufweist. (Der Rennkalender der Formel 1)

Hamilton scheint nicht mehr den ganz großen Erfolgshunger zu haben, der ihn noch in den vergangenen beiden Jahren auszeichnete. Der Drittplatzierte von Singapur sprach Rosberg sogar mehrfach aufrichtige Anerkennung aus.

"Herzlichen Glückwunsch an Nico. Er hat den Sieg verdient und ist fantastisch gefahren", ließ der Brite bei der Siegerehrung verlauten – Worte, die angesichts der großen Rivalität nur selten über seine Lippen kommen.

F1 Grand Prix of Singapore
Nico Rosberg ließ sich unter dem Nachthimmel von Singapur feiern © Getty Images

Entscheidende Phase der Saison steht an

Doch aufgeben will Hamilton noch lange nicht. "Wenn man auf letztes Jahr schaut, dann ist es kein Problem, dass ich nun Rückstand auf Nico habe", sagte der 31-Jährige und wusste dabei genau, wovon er sprach.

In der vergangenen Saison legte er mit drei Siegen in Folge zwischen Ende September und Ende Oktober den Grundstein für seinen dritten WM-Titel.

Das weiß auch Rosberg: "Auf die Punkte in der WM konzentriere ich mich nicht. Ich bleibe meiner Linie treu - ein Rennen ums andere, abgerechnet wird erst später." Über den Titel spricht er aus gutem Grund noch nicht: "Es funktioniert doch, warum sollte ich das anders machen?"

Rosberg schließt Frieden mit Singapur

Dass Rosberg ausgerechnet in Singapur ein derartiges Ausrufezeichen setzte, war nicht zu erwarten. "In der Vergangenheit hat mich diese Strecke nicht gut behandelt, deshalb ist dieser Sieg besonders", konstatierte der Wahl-Monegasse.

Seit 2008 hatte er dort das Podium stets verpasst. In der vergangenen Saison hatte Mercedes gar ein Debakel erlebt, als beide Silberpfeile den Sprung unter die besten Drei verfehlten.

Doch das Team hat daraus offensichtlich gelernt und in diesem Jahr kaum Fehler gemacht. Die WM wird längst nur noch zwischen den beiden silbernen Boliden entschieden.

Und wenn Rosberg auch weiterhin in kritischen Situationen den strategischen Überblick behält, wird er auf dem Weg zum ersehnten ersten Titel nicht einmal von Hamilton aufzuhalten sein.

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