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Hans-Joachim Stuck
Hans-Joachim Stuck (r.) spricht bei SPORT1 über den Titelkampf in der Formel 1 © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago

München - Ex-Rennfahrer Hans-Joachim Stuck analysiert bei SPORT1 den Titelkampf der Formel 1, das Duell und Image von Rosberg und Hamilton sowie die Ferrari-Krise.

Mit dem Großen Preis der USA (Rennen So., ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) beginnt an diesem Wochenende die entscheidende Phase in der Formel 1.

Zwar kann Mercedes-Pilot Nico Rosberg in Austin noch nicht zum Weltmeister gekürt werden, doch mit einem weiteren Sieg käme er dem Titel doch schon sehr nahe (Die Fahrerwertung).

Einer, der sich mit der Formel 1 und Titelkämpfen im Motorsport bestens auskennt, ist der frühere Rennfahrer Hans-Joachim Stuck. Im Interview mit SPORT1 spricht er über die Titelkontrahenten Rosberg und Lewis Hamilton sowie die Krise bei Ferrari.

SPORT1: Herr Stuck, im Titelkampf hat Nico Rosberg 33 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton. Ist das schon ein Ruhepolster oder könnte es doch noch richtig spannend werden?

Hans-Joachim Stuck: Solange rechnerisch noch etwas möglich ist, darf man nicht aufhören, zielstrebig zu arbeiten. Erst wenn es punktemäßig im Kasten ist, kann Rosberg Ruhe geben. Die Situation ist sogar schwieriger für Rosberg, denn er darf jetzt keinen Fehler mehr machen. Er darf es auf keinen Fall wegschmeißen.

SPORT1: Die Form spricht klar für Rosberg, der vier der letzten fünf Rennen gewann. Hamilton weiß dafür, wie man Weltmeister wird. Worauf kommt es jetzt an?

Stuck: Hamilton wird nichts unversucht lassen. Rosberg muss überlegen, wann es sich lohnt, sich auf einen Kampf mit einem anderen Fahrer einzulassen, wie zum Beispiel Vettel oder Ricciardo. Die Strategie muss sein, Risiko vermeiden und sichere Punkte machen. 

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SPORT1: Rosberg wird mitunter als lieber Schwiegersohn oder sogar Weichei kritisiert. Ist er mental reif für den Titel? 

Stuck: Ein Weichei ist Rosberg sicher nicht. Sonst wäre er nicht da, wo er ist. Mit einem Hamilton als Teamkollege hast du es nicht leicht. Hamilton ist jemand, der als Rennfahrer auch über Leichen geht. Rosberg hat jetzt aber mehrfach bewiesen, dass er auch nicht zurücksteckt. Das war gut, denn sonst kann er nicht Weltmeister werden. Nico hat eine perfekte Entwicklung für einen Fahrer durchgemacht.

SPORT1: Hamilton ist bekannt für seinen extrovertierten Lebenswandel. Kostet ihm dieser womöglich den Titel, da er sich zu wenig auf das Wesentliche konzentriert?

Stuck: Nein - ich weiß von Toto Wolff, wie fleißig Hamilton ist. Ich finde es auch schön, dass es solche Menschen wie Hamilton gibt. Heute sind alle sehr glatt geschliffen. Da ist Hamilton eine wohltuende Erscheinung. Wir brauchen Lichtgestalten, wir brauchen polarisierende Fahrer. Mercedes kann froh sein, zwei solche Typen zu haben.

SPORT1: Beide Teamkollegen sind in der Saison bereits auf der Strecke aneinandergeraten. Befürchten Sie, dass es im Saisonfinale wieder dazukommen kann?

Stuck: Das kann man nicht ausschließen. Lewis wird nichts unversucht lassen, was im Rahmen der Fairness liegt. Da kann es leicht ein Missverständnis geben. Motorsport ist Kampfsport. Dass da einer dem anderen einmal im Weg steht, ist doch klar.

 

SPORT1: Für Ferrari war es ein Jahr zum Vergessen. In den letzten drei Rennen sprang nicht einmal ein Podestplatz heraus. Wo liegen die Probleme bei der Scuderia? 

Stuck: Mich wundert es, dass Ferrari nicht zu Mercedes aufgeschlossen hat. Die haben wie Mercedes alle Möglichkeiten der Welt. Doch Ferrari fehlt einfach der Speed. Sie sind nicht schnell und konstant genug, um permanent vorne mitzufahren. Dabei hatte ich vor der Saison gedacht, dass Ferrari in diesem Jahr den größten Schritt macht

SPORT1: Sebastian Vettel wartet seit über einem Jahr auf einen Sieg und steht inzwischen sogar in Italien in der Kritik. Ist das seine letzte Saison bei Ferrari?

Stuck: Mit Ferrari gewinnt, mit Ferrari verliert man. Entsprechend stehst du auch in der Kritik, wenn es nicht so gut läuft. Erstens ist er kein Italiener, was es auch immer ein wenig schwieriger macht. Zweitens muss er sich an das System gewöhnen, seine Hausaufgaben noch besser machen und eng mit dem Team arbeiten. Denn als Team bist du nur gemeinsam stark.

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