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Lewis Hamilton
Lewis Hamilton ist nun schon seit fünf Rennen ohne Sieg © Getty Images

München - Lewis Hamilton verlässt den Japan-GP als geschlagener Verlierer. Das Hin und Her um den Protest seines Teams beschädigt den Weltmeister auch intern. Die Laune ist mies.

Party, Karneval, Liebesabenteuer. Lange schien es so, als ob sich Lewis Hamilton durch Nichts und Niemanden von seinem eigentlichen Job ablenken ließe. Man hatte sogar das Gefühl: Je mehr er feierte, desto erfolgreicher war er auf der Strecke.

Nun aber, vier Rennen vor Ende der laufenden Saison, präsentiert sich der einstige Strahlemann als übellauniger Miesepeter, der mit Worten und Taten auch sein eigenes Team verstimmt.

Erst die versteckte Kritik am teaminternen Tausch der Ingenieure, dann die Snapchat-Provokation bei der Pressekonferenz in Japan, schließlich der eigenmächtig verhängte Medienboykott.

Wolff kritisiert Hamilton

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff fehlte nach dem Japan-Grand-Prix, den Hamilton auf Platz 3 beendete, jegliches Verständnis für dessen Launen. "Die Mediengeschichten waren völlig unnötig", kritisierte er bei Sky.

Dennoch setzten sich die Verantwortlichen nach dem GP noch für Hamilton ein und protestierten gegen die Wertung des Rennens, weil ihrer Ansicht nach der zweitplatzierte Red-Bull-Fahrer Max Verstappen den Weltmeister bei dessen Überholmanöver kurz vor dem Ende regelwidrig behindert habe.

Verwirrung um Hamilton-Tweet

Nach einem Einwand von Hamilton sah sich Mercedes aber genötigt, den Einspruch wieder zurückzunehmen. Der Brite hatte in einem inzwischen gelöschten Tweet behauptet, ein Idiot habe die Protest-Meldung in die Welt gesetzt. Auch dies spricht nicht für eine reibungslose Kommunikation zwischen Team und Pilot.

Dass das andauernde Hickhack am aktuellen Weltmeister nicht spurlos vorbeigeht, offenbarte er bereits am Start. Während alle anderen Piloten gut wegkamen, blieb Hamilton förmlich stehen - und vergab damit bereits sämtliche Chancen auf den so wichtigen Sieg in Suzuka, den schließlich Teamkollege Nico Rosberg locker herausfuhr.

Auf die Frage, woran dieser Fehlstart gelegen habe, wich Hamilton zunächst aus. "Ich hatte einfach durchdrehende Räder", war alles, was sich der erfolgsverwöhnte Brite nach seinem fünften sieglosen Rennen in Folge entlocken ließ.

Bosse: Hamilton schuld an Fehlstart

Andere wurden da schon deutlicher. "Ich fürchte, da war Lewis selbst dran schuld. Er hat den Motor abgewürgt", analysierte Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda bei Sky. Und Wolff fügte bei RTL an: "So wie es aussieht, hat er die Kupplung zu schnell hochschnellen lassen. Das war ein bisschen harsch."

Video

Dass dieser Fauxpas etwas mit der Feuchtigkeit auf seinem Startplatz zu tun hatte, verneinte Hamilton später. Allerdings hatte er direkt vor Rennbeginn die entsprechende Stelle sehr skeptisch beäugt. Später räumte er ein: "Ich habe einfach einen Fehler gemacht."

Wie sehr ihm dieser erneute Start-Patzer im Rennen um den WM-Titel noch weh tut, werden die restlichen vier Saisonrennen zeigen.

Titel in weiter Ferne

Eines aber steht seit dem Japan-Grand-Prix fest: Aus eigener Kraft kann der 31-Jährige seinen WM-Titel nicht mehr verteidigen. Daran änderte auch seine imposante Aufholjagd auf Platz drei nichts mehr, nachdem er beim Start bis auf Platz acht zurückgefallen war. (SERVICE: Die Formel1-Fahrerwertung)

Selbst wenn er nun alle vier ausstehenden Rennen gewinnen und Rosberg Zweiter werden würde, könnte er nur 28 der 33 Punkte Rückstand auf den Deutschen aufholen.

Zurzeit aber deutet nichts darauf hin, dass sich Rosberg auf der Jagd nach seinem ersten Titel abbringen lässt.

"Ich versuche, mich einfach Rennen für Rennen zu fokussieren, das funktioniert ja ganz gut", erklärte der Deutsche nach seinem Sieg in Suzuka. Dort hatte er übrigens schon am Donnerstag über sein Erfolgsrezept gesagt: "Ich habe gelernt, meine Energie nicht mehr mit Müll zu vergeuden."

Das kann man von Hamilton derzeit nicht behaupten.

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