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Lewis Hamilton
Lewis Hamilton versuchte durch absichtliches Trödeln doch noch die WM zu gewinnen © Getty Images

München - Lewis Hamilton widersetzt sich in Abu Dhabi den Anweisungen seines Teams und fährt absichtlich langsam. Das bringt seine Chefs bei Mercedes auf die Palme.

Lewis Hamilton wählte in Abu Dhabi den letzten Strohhalm im WM-Kampf mit Nico Rosberg - und ließ dabei Fairplay vermissen.

Der Rennführende trödelte gegen Ende des Rennens an der Spitze derart, dass der Zweitplatzierte Rosberg im Schlepptau mit Sebastian Vettel und Max Verstappen auffuhr.

Hamilton bremst gezielt das Feld

Der Plan: Durch das gezielte Einbremsen sollten die beiden Piloten noch die Chance bekommen, Rosberg zu überholen. Für Hamilton hätte es nämlich nur zum Weltmeistertitel gereicht, wenn der Deutsche noch aus den Top drei geflogen wäre.

Dabei missachtete der Brite mehrmals Anweisungen seines Team, doch bitte etwas schneller zu fahren, was seine Chefs im Nachgang auf die Palme brachte.

Wolff: "Da werden wir reinhauen"

Motorsportchef Toto Wolff war sichtlich angefressen: "Dem Rennsieg wird bei uns alles unterstellt und das hat er missachtet. Vor dem Rennen hatte er zwei Möglichkeiten, entweder er fährt vorne weg oder er blockt das Feld."

Und weiter: "Damit setzt er einen Präzedenzfall für die Zukunft. Da werden wir schon reinhauen, auch wenn es der Racer in mir versteht. Es kann nicht jeder machen, wozu er lustig ist und Anarchie walten lassen. Die Besten sind aber immer schwierig, damit müssen wir umgehen."

Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda schlug in die gleiche Kerbe: "Die Aktion von Lewis ist ärgerlich. Da müssen wir uns noch genau überlegen, was daran Schuld war. Vielleicht war es das Auto, ich fürchte aber, es war der Lewis." (Die Stimmen zum Saisonfinale)

Hamilton selbst war sich keiner Schuld bewusst: "Ich denke nicht, dass ich heute irgendetwas Gefährliches gemacht habe. Ich kämpfe um den Titel, ich führe das Rennen an, ich kontrolliere es. So sind die Regeln."

Gratulation mit Widerwillen

Nach Rennende tat sich Hamilton schwer, seinem Teamkollegen zu gratulieren. Auf dem Siegerfoto behielt der Brite erst die Hände bei sich, im Vorraum zur Siegerehrung würdigten sich die beiden Rivalen keines Blickes.

Erst David Coulthard, der die Interviews auf dem Podium führte, brach das Eis. Er forderte Hamilton und Rosberg zum Handshake auf, der dann sogar einigermaßen herzlich ausfiel.

Auf Facebook bedankte er sich hinterher auch beim Team für die Unterstützung in der abgelaufenen Saison: "Danke für eure harte Arbeit, die uns zum dritten Mal in Folge den Titel in der Konstrukteurs-WM beschert hat."

Zugleich wies er aber erneut auf die angebliche Benachteiligung seiner Person innerhalb des Mercedes-Teams hin: "Die Umstände in diesem Jahr waren nicht zu meinen Gunsten, aber ich habe mein Bestes gegeben."

So oder so: bei Mercedes gibt es auf jeden Fall noch Gesprächsbedarf.

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