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F1 Grand Prix of Brazil
Mit schwerem Gerät muss der Ferrari von Kimi Räikkonen abtransportiert werden © Getty Images

München - Die Rennleitung bricht den Brasilien-GP zwei Mal ab. Zu Unrecht, schimpfen Kritiker. Ansolut notwendig, behaupten andere. SPORT1-Kolumnist Peter Kohl nennt das wahre Übel.

In dieser Regenschlacht geriet selbst der Titelkampf in den Hintergrund.

Während sich früh abzeichnete, dass Lewis Hamilton den Grand Prix von Brasilien gewinnen und die WM-Entscheidung auf das letzte Saisonrennen in Abu Dhabi vertagen würde, brachte das Thema Sicherheit nicht nur die Fans an der Strecke zum Kochen.

Mit lauten Buhrufen und gesenkten Daumen wurde der zweite Renn-Abbruch während einer Safety-Car-Phase quittiert, als die Zuschauer eigentlich erwartetet hatten, dass in jedem Moment die Freigabe erfolgen würde.

Kritik an Whiting

Hauptadressat dieser Unmutsbekundungen war der verantwortliche Rennleiter Charlie Whiting. Der verteidigte sich. "Der Regen hat dauernd seine Intensität verändert. Wir wussten nicht, wo die Reise hingeht", sagte er und wandte sich damit auch an die Kritiker unter den Fahrern und Team-Verantwortlichen.

Vor allem die Mercedes-Bosse sparten nicht mit harten Worten gegen Whiting. "Dann verliert man halt mal das Auto. Sie müssen mit diesen Bedingungen fertig werden, genau wie wir auf der Autobahn. Wenn zu viel Wasser da ist, muss man langsamer fahren", ereiferte sich Aufsichtsratschef Niki Lauda.

Auch Motosportchef Toto Wolff hätte "den zweiten Abbruch nicht vorgenommen, weil sich die Bedingungen nie geändert haben". Das aber, so Whiting, habe man so nicht erwarten können. In der Tat meldete der Regenradar zu diesem Zeitpunkt, dass mit einer weiteren Intensität der Schauer zu rechnen sei.

Bianchis Tod als Mahnung

Dass dies nicht eintrat, gehört zu den Unwägbarkeiten des Freiluftsports Formel 1. Die Entscheidung, das Rennen zwei Mal zu unterbrechen, weist aber auch darauf hin, dass die Königsklasse des Motorsports seit dem tödlichen Unfall von Jules Bianchi in Suzuka noch vorsichtiger geworden ist.

"Es war schwierig, richtig schwierig. Vor allem für die Rennleitung, die den Bianchi-Unfall von Japan im Hinterkopf hat. Bei einem erneuten Horrorunfall könnten weitere Klagen drohen", gibt SPORT1-Kolumnist Peter Kohl zu bedenken. Die Familie des Unfallopfers hatte im Sommer angekündigt, gegen die Formel 1 zu klagen.

Auch im Fahrerfeld gab es nicht wenige Stimmen, die auf die großen Gefahren bei diesen Bedingungen hinwiesen und das Vorgehen der Rennleitung lobten.

Hülkenberg: "Das ist wirklich Selbstmord"

"Von zu Hause sieht es vielleicht entspannt aus, aber im Auto... Das ist wirklich Selbstmord, wenn man da weiterfährt", sagte Nico Hülkenberg bei Sky.

Carlos Sainz jr., der um ein Haar mit dem verunfallten Ferrari von Kimi Räikkönen kollidiert wäre, pflichtete dem Deutschen bei:  "Zehn Meter, und ich hätte ihn bei 300 km/h getroffen. Von 300 auf 0 - Sie können sich das Ausmaß des Crashs vorstellen."

Pirelli in der Kritik

Während bei der Sicherheitsfrage die Meinungen also stark auseinandergingen, waren sich bei einem anderen Punkt Piloten und Experten einig: Dass sich in Sao Paulo so viele Fahrer von der Strecke drehten, lag an den fehlerhaften Regenreifen von Pirelli.

"Die Full-Wets sind eine Frechheit. Kein Fahrer im Feld, außer vielleicht Verstappen, hat Vertrauen in die Dinger. Wie Räikkönen auf der Geraden die Kontrolle über seinen Ferrari verliert und in die Mauer knallt, macht nachdenklich", schreibt Kohl.

Und Nico Rosberg kritisiert: "Die Reifen schaffen es nicht. Sie sind unberechenbar."Immerhin werden heute die Fahrer bei so heiklen Situationen wie in Sao Paulo in die Entscheidung mit eingebunden.

Früher, so Ex-Weltmeister Damon Hill bei Sky, hätte es das nicht gegeben. Da entschied Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone bei Regen noch ganz allein: "Ihr fahrt!" 

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