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Max Verstappen (l.) lässt Sebastian Vettel im Regen stehen © Imago

Das Überholmanöver des Red-Bull-Piloten gegen seinen Vorgänger in Sao Paulo steht für eine Wachablösung: Max Verstappen wird wohl der neue Mercedes-Jäger Nummer 1.

"Sonntag à la Senna", "zwischen Kunst und Wahnsinn" oder schlicht "eine Sensation" - es ist nicht lange her, da ist Sebastian Vettel mit derartigen Lobeshymnen überhäuft worden.

Beim Husarenritt seines Red-Bull-Nachfolgers Max Verstappen in Brasilien wurde der viermalige Formel-1-Weltmeister zum blassen Nebendarsteller degradiert. Die Gemeinsamkeiten der Silberpfeil-Herausforderer beschränken sich immer mehr auf zwei Punkte: ihre harte Fahrweise und ihr Mundwerk. Die Lobenshymnen gehörten jedenfalls mal wieder Verstappen.

Vergleiche mit Senna und Schumacher

Mit seiner Aufholjagd von Rang 16 auf 3 in den letzten 16 Runden stahl der 19-Jährige im Regenchaos von Sao Paulo sogar Rennsieger Lewis Hamilton die Show. Die Fahrt des Wunderkindes wurde von mehreren Experten bereits in einen Rang mit den besten Regenfahrten der Formel 1 erhoben, darunter Ayrton Sennas Demonstration in Donington 1993 oder Michael Schumachers erster Ferrari-Sieg in Barcelona 1996.

"Das war in dieser Liga etwas ganz Besonderes", sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Verstappen erklärte überglücklich und ausnahmsweise ganz brav: "Auf diese Weise noch aufs Podium zu fahren, ist unglaublich." (Die Stimmen zum Großen Preis von Brasilien)

Lauda: "Eine Sensation"

Wäre die Red-Bull-Strategie mit den Intermediates noch aufgegangen, wäre wohl der zweite Sieg des Megatalents möglich gewesen. "Max Verstappen war schlicht eine Sensation. Da sollten sich einige Fahrer mal sehr gut anschauen, was für Linien der Kerl fährt", sagte Aufsichtsratschef Niki Lauda vom Mercedes-Team.

Er war letztlich "heilfroh", dass Red Bull den Niederländer fünfmal zum Reifenwechsel an die Box holte.

"Verstappen glänzt im Regen. Auf der nassen Rennbahn sieht man den Champion, und Verstappen hat das Zeug dafür: unsympathisch und spektakulär", schrieb die Gazzetta dello Sport. Tuttosport befand voller Pathos, Verstappen tanze "auf der Grenze zwischen Kunst und Wahnsinn, ohne diese jedoch zu überschreiten". (Die Pressestimmen zum Großen Preis von Brasilien)

Verstappen zieht am Vorgänger vorbei

Wie ein Gegenentwurf wirkte das Rennen von Vettel, an dem Verstappen im wahrsten Sinne des Wortes vorbeigezogen ist. "Ich war mit der Nase vorne. Er hat mich von der Strecke geschoben", beschwerte sich der 28-Jährige fünf Runden vor Rennende bei seiner Box, nachdem Verstappen ihn in einem tatsächlich riskanten Manöver überholt hatte.

22 Runden zuvor hatte der Ferrari-Pilot aus Heppenheim noch ganz anders geklungen, als er seinerseits den zweimaligen Champion Fernando Alonso (Spanien/McLaren) an der Grenze der Legalität kassierte. "Meine Nase war noch ein Stückchen weiter vorne", verteidigte sich Vettel später, während Alonso tobte: "Beim nächsten Mal fahre ich in ihn rein."

Vettel am Tiefpunkt

Neben einem Ausrutscher in Runde elf waren es die bemerkenswertesten Szenen des fünftplatzierten Vettel in Brasilien, der seit 26 Rennen ohne Sieg ist. Dass seine Reputation in Italien mittlerweile nahe dem Tiefpunkt ist, konnte man am Montag der italienischen Presse entnehmen - oder eben nicht: Vettels mäßiges Abschneiden in einer Saison voller Rückschläge fand nämlich kaum noch Erwähnung.

Schlagzeilen machte der 29-Jährige nur noch mit seinem Mundwerk: "Wie eine alte Tante schimpft er das ganze Rennen lang über das Wetter. Verstappen macht ihm zu schaffen, und dann heult er per Radio", schrieb La Repubblica. Auch Ex-Weltmeister Damon Hill meinte: "Seb sollte diese bittere Pille schlucken und das hinnehmen wie ein Mann."

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